00:04 23 April 2019
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    Eröffnung der Olympischen Winterspiele von Lillehammer (Archiv)

    25 Jahre nach „perfekten Spielen“ von Lillehammer: Gold-Gewinner kritisieren IOC

    © AFP 2019 / KARL MATHIS
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    Ilona Pfeffer
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    Markus Wasmeier, Georg Hackl, Dieter Thoma, Mark Kirchner – für Wintersportfans sind diese Athleten auch ein Vierteljahrhundert nach den Olympischen Winterspielen von Lillehammer echte Stars. Zum Jubiläum melden sie sich nun zu Wort. Neben viel Lob für die „perfekten Spiele“ von 1994 kommt auch Kritik am IOC und dem, was Olympia heute bedeutet.

    Am Dienstag ist es genau 25 Jahre her, dass die Olympischen Spiele im norwegischen Lillehammer eröffnet wurden. Damals trug der deutsche Biathlon-Star und heutige Bundestrainer Mark Kirchner die deutsche Fahne. Norwegen feiert mit König Harald und Königin Sonja das Jubiläum und auch die deutschen Goldmedaillengewinner von damals schwärmen von Lillehammer.

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    Es seien „perfekte Spiele“ gewesen, zitiert die DPA Rodel-Legende Georg „Schorsch“ Hackl. Es habe alles gestimmt, „das Gesamtbild hatte Postkarten-Idylle“. Lillehammer könnte vielleicht eine „Blaupause sein, wie man die Spiele retten könnte“, meint Kirchner. Bei aller Begeisterung für die Olympischen Winterspiele vor 25 Jahren, kritisieren die beiden Sportler neben anderen deutschen Olympia-Stars von früher, was inzwischen aus Olympia geworden ist.

    „Die Olympischen Spiele haben in meinem Kopf nicht mehr den ursprünglichen Stellenwert. Vielleicht ist das aber ja die Zukunft, vielleicht muss es so sein, dennoch sehen das viele Sportler anders“, sagt beispielsweise Skispringer Dieter Thoma (49). „Der Sportler ist gefühlt das Mittel zum Zweck“. Markus Wasmeier, der in Lillehammer Gold in Riesenslalom und Super-G holte, kritisiert die Vergabe der Olympischen Spiele: „Was soll man nach solchen Vergaben an Sotschi, Korea und Peking sagen? Irgendwann sind wir in Katar, dann gibt's noch eine Hallen-Olympiade. Ich hoffe, dass irgendwann eine Rückbesinnung kommt.”

    Ähnlich scheinen auch Skispringer Thoma und Biathlet Kirchner zu denken. Kirchner fordert laut DPA, dass die Spiele auf zwei-drei Orte beschränkt werden, die den Anforderungen entsprechen. Und Thoma gibt zu bedenken: „Wie gut Olympische Spiele werden, hängt für uns Mitteleuropäer natürlich auch davon ab, an welche Orte man Olympische Spiele vergibt, zu welchen Zeiten die Athleten an den Start gehen, wann die Wettbewerbe im TV übertragen werden und wie stark der Rückhalt, die Begeisterung und das Interesse der Zuschauer vor Ort ist“.

    Wie groß die Rolle dieser Rahmenbedingungen ist, kann man derzeit im Biathlon-Weltcup sehen. Dieser machte vergangene Woche Station im kanadischen Canmore. Neben der langen Anreise für die Athleten, die zu einem großen Teil aus Europa kommen, und den wegen der Zeitverschiebung ungünstigen Startzeiten, die die Sportbegeisterten Fernsehzuschauer hierzulande zwangen, bis in die Nacht hinein aufzubleiben,  waren es vor allem auch die Bedingungen vor Ort, die sich ungünstig auf den Weltcup auswirkten. Wenig Publikum im Stadion und an der Strecke ließ die übliche, begeisterte Atmosphäre vermissen.  Und die eisige Kälte mit Temperaturen bis minus 29 Grad machte den Sportlern gesundheitlich zu schaffen und führte dazu, dass Rennen immer wieder verschoben oder ganz abgesagt werden mussten.

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    Die einstigen Medaillengewinner von Lillehammer kritisieren auch direkt das Internationale Olympische Komitee (IOC) und seinen Chef Thomas Bach.  Markus Wasmeier dazu in der DPA:

    „Das IOC selber muss sich an der Nase fassen. Ein bisschen Bescheidenheit würde denen wirklich gut tun. Wer von oben nach unten redet, wird nie eine Tür öffnen. So ist es beim IOC. Aber das kapieren die nicht. Dabei wäre es so einfach. Warum nicht einfach auf Augenhöhe gehen, eine Win-Win-Geschichte machen? Aber mit Bach wird das nicht besser.”

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    Tags:
    Biathlon, Kritik, Olympische Spiele, IOC, Sotschi, Norwegen