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13:11 21 August 2019
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    Bundestrainer Joachim Löw (r.) vor dem Spiel zwischen Deutschland und Serbien in Wolfsburg

    „Top, aber nicht mehr top-top“ Nationalmannschaft startet nach Debakel-Jahr neu

    © AFP 2019 / Tobias SCHWARZ
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    Matthias Witte
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    Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft soll 2019 alles besser werden. Am Mittwoch geht es los – Joachim Löws Team versucht es gegen Serbien. Zuvor hatte sich der Bundestrainer von einigen Weltmeistern getrennt.

    Erst das historische Vorrundenaus bei der Weltmeisterschaft in Russland, dann der Abstieg aus der UEFA Nations League: Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat das hinter sich, was der fußballbegeisterte Volksmund ein Seuchenjahr nennt. Von einem solchen ist die Rede, wenn anvisierte Ziele nicht erreicht wurden und darüber hinaus auch noch vieles andere schief ging. Ohne Zweifel kann der DFB das Jahr 2018 in diese Kategorie einordnen.

    2019 soll es anders werden. Joachim Löw, der als Bundestrainer die sportlichen Misserfolge zu verantworten hat, ist weiter der starke Mann beim DFB. Als starker Mann präsentierte sich Löw dann auch. Seinen Weltmeistern Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels (alle von Bayern München) erklärte er Anfang März, dass sie im künftigen Plan nicht inbegriffen seien. Mit dieser Maßnahme hatten weder die drei Weltmeister noch die deutsche Presse gerechnet. „Der Zeitpunkt hat auch mich überrascht“, gesteht Jörg Jakob, Chefredakteur des Magazins „Kicker“ im Gespräch mit SNA-Radio. „Das „Aufräumen“ sollte ja im Herbst, spätestens zum Jahreswechsel erfolgen. Man fragt sich schon, warum Hummels, Boateng und Müller nicht damals ausgebootet wurden und nicht erst jetzt.“ Jakob will deshalb aber keinesfalls den Stab über Löw brechen:

    „Es war klar, dass die tiefgreifenden Maßnahmen in Ruhe getroffen werden mussten. Es zeichnet den größten Sportverband der Welt (den DFB – Anm. d. Red.) nicht aus, dass man nach dem WM-Debakel hektische Reaktionen zeigt. Da sind kluge Maßnahmen mit einem Blick aufs große Ganze gefragt.“

    So sei es aus Jakobs Sicht legitim, wenn sich der Bundestrainer Zeit lasse, sich mit seinem engsten Leitungskreis zusammensetzt und die Frage diskutiert: Wo wollen wir hin? Ebenso sei klar, dass sich der Umbruchsprozess entwickeln müsse, nicht heute beginne und morgen abgeschlossen sei.

    Löw bittet um Geduld und sitzt fest im Sattel

    Löw selber forderte am Dienstag bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Serben in Wolfsburg Geduld. Die Nationalmannschaft stehe vor einer neuen Zeitrechnung. Auch die Spielweise werde sich ändern. Der Bundestrainer möchte schneller spielen lassen, das sogenannte Umschaltspiel (vom Verteidigungs- in den Angriffsmodus wechseln und umgekehrt) soll besser funktionieren. Kicker-Chefredakteur Jakob pflichtet dem Trainer bei: „Da muss er schauen, welche Spieler will er auf welchen Positionen fördern.“ Diese Spieler benötigten Raum, um sich zu entfalten.

    Trotz der sportlichen Talfahrt im letzten Jahr sitzt der Bundestrainer fest im Sattel. Für Jakob ist Löw in sportlichen Fragen gegenüber dem DFB-Präsidium unabhängiger als andere Bundestrainer vor ihm. Das Gremium um den Präsidenten Reinhard Grindel, der Löws Kommunikation um die Ausbootung der Weltmeister Boateng, Müller und Hummels zunächst kritisierte, um dann zurück zu rudern, gebe dagegen zum wiederholten Mal ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit ab.

    Deutschland im Vergleich abgesackt

    Das mit dem schlechten Bild gilt freilich auch für die Nationalmannschaft im vergangenen Jahr. Von Platz eins in der Fifa-Weltrangliste ging es runter auf Platz 16. Wo sieht der Experte den Fußball im Land des vierfachen Weltmeisters aktuell?  „Deutschland ist immer noch top, aber nicht mehr top-top“, urteilt Jakob. Im Bereich der Nachwuchsausbildung seien im Moment Länder wie Frankreich, England, Belgien den Deutschen voraus. Auf breiter Front sei der deutsche Fußball abgesackt und habe nicht mehr dieses Topniveau, das er mal besaß.

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    Das Gleiche gelte für den Klubfußball. „Wie immer macht man im Erfolg die größten Fehler. Es gibt zu wenige Mannschaften, neben dem FC Bayern und mit Abstrichen Borussia Dortmund, die in der CL noch mitmachen können. Da muss man sich entscheiden in Deutschland, ob man alles dafür einsetzen will an Professionalität und dem entsprechenden Finanzaufwand, um mit den erfolgreichsten Klubs in England, Spanien, Italien und Paris Saint Germain mithalten will.“

    Serbien – Deutschland, Niederlande – Deutschland

    Für die deutsche Mannschaft beginnt die neue Zeitrechnung in dieser Woche: Zuerst gegen Serbien, dann gegen den alten Rivalen, die Niederlande. Bei diesem Spiel geht es schon um Punkte für die EM-Qualifikation. Neuanfang hin und her – Deutschland muss sich für das Turnier im kommenden Jahr qualifizieren. Löw kann nach eigenen Angaben mit Druck umgehen.

    Trotzdem mahnt Kicker-Chefredakteur Jakob: „Ich bin der Meinung, Deutschland und die Fans müssen mit diesem neuen Aufgebot Geduld haben, Serbien ist natürlich ein erster Schritt. Dem Bundestrainer muss es genehmigt sein, dass er testet und ausprobiert. In der EM-Qualifikation sehe ich die deutsche Mannschaft hinter der niederländischen Mannschaft stehen.“

    Das Spiel in Amsterdam findet am Sonntag statt, Anpfiff ist um 20.45 Uhr. Zur selben Zeit steigt am Mittwoch die Generalprobe gegen Serbien.

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    Tags:
    Fussball-Weltmeisterschaft, Weltmeister, Nationalmannschaft, Fussball, Borussia Dortmund, FIFA, FC Bayern München, Deutscher Fußball-Bund (DFB), UEFA, Reinhard Grindel, Mats Hummels, Jerome Boateng, Thomas Müller, Joachim Löw, Russland, Niederlande, Serbien, Deutschland