20:20 07 Dezember 2019
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    DFB-Präsident Reinhard Grindel nach der Pressekonferenz in Frankfurt am Main

    Über ukrainische Uhr gestolpert: DFB bestätigt Rücktritt Grindels als DFB-Präsident

    © AFP 2019 / Boris Roessler / dpa
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    Reinhard Grindel hat das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes telefonisch über seinen Rücktritt informiert. Das bestätigt der DFB in einer Pressemitteilung. Zwei Männer übernehmen das Präsidentenamt interimsweise.

    Dr. Rainer Koch und Dr. Reinhard Rauball werden laut der Pressemitteilung den größten Sportverband der Welt bis zum DFB-Bundestag im September führen. Bis dahin soll ein Nachfolger gefunden werden.

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    Auch Grindel selber hat inzwischen offiziell Stellung genommen. In einer weiteren DFB-Pressemitteilung sagte der 57-Jährige:

    „Ich trete vom Amt des DFB-Präsidenten zurück. Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe.“

    Die Kritik am DFB-Präsidenten war in den vergangenen Wochen immer größer geworden. Grindel hatte als Aufsichtsrat beim Deutschen Fußballbund nach übereinstimmenden Medienberichten heimlich zusätzlich zu seinem Gehalt 78 000 Euro kassiert. Diesbezüglich hatte Grindel ein TV-Interview abgebrochen. Sein Verhalten stieß in den sozialen Netzwerken auf Empörung und Spott. Endgültig gestolpert ist Grindel aber über eine Luxusuhr. Diese hatte er 2017 von einem ukrainischen Oligarchen, der zu dieser Zeit Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees war, zum Geburtstag bekommen. Er soll sie regelmäßig getragen haben. Auch dazu nahm er in der Mitteilung Stellung:

    „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig und seit Jahren mit Compliance-Fragen befasst bin. Seit dem Wochenende kenne ich den Wert der Uhr von 6000 Euro und bin deshalb gestern Vormittag auf unseren Generalsekretär und unseren Compliance-Beauftragten zugegangen und habe mit ihnen die Lage erörtert.“

    Weiter schreib der zurückgetretene Präsident: „Für mich war dies ein reines Privatgeschenk, ohne jeden Bezug zum ukrainischen Verband oder gar einem Wirtschaftsunternehmen. Es war für mich ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen. Ich bin mit der Annahme des Geschenks offen umgegangen und habe es meinem mich in Genf begleitenden Mitarbeiter gezeigt und es später auch in Frankfurt im Kollegenkreis erwähnt. Ich kannte die Marke der Uhr nicht und hatte keine Vorstellung von ihrem Wert. Es war ein schweres Versäumnis, diesen Wert nicht sofort zu ermitteln. So hätte ich bereits den Anschein unredlichen Handelns vermeiden können.“

    Das DFB-Präsidium dankte Reinhard Grindel via Pressemitteilung für seine Arbeit als Präsident und als Schatzmeister des DFB. Die Mitglieder sprachen ihm ihren Respekt für die persönliche Entscheidung aus. Mit Blick in die Zukunft kam das Präsidium überein, dass man die kommenden sechs Monate bis zur Wahl eines neuen Präsidenten nutzen wolle, um einen Kandidaten zu finden.

    Grindels Rolle in der Affäre um Mesut Özil

    Schon vergangenen Sommer hatte Grindel heftige Kritik bekommen. Nach dem historischen Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland folgte die Affäre um Mesut Özil. Der Weltmeister von 2014 musste nach einem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan den WM-Sommer über harsche Kritik einstecken und fühlte sich vom DFB nicht ausreichend beschützt.

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    Danach trat Özil mit einem via Social Media verbreiteten Rundumschlag aus der DFB-Elf zurück und übte dabei auch harsche Kritik an Präsident Grindel. Dieser räumte später ein: „Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen.“

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    Tags:
    Nationalmannschaft, Oligarch, Kritik, Uhren, Luxus, Geschenk, Präsident, Rücktritt, UEFA, Deutscher Fußball-Bund (DFB), Mesut Özil, Recep Tayyip Erdogan, Reinhard Rauball, Rainer Koch, Reinhard Grindel, Türkei, Ukraine, Deutschland