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08:58 22 August 2019
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    Sebastian Vettel wechselt die Platzschilder nach dem Formel-1-Rennen von Kanada 2019Lewis Hamilton (Mercedes AMG) feiert seinen Sieg beim Grossen Preis von Kanada

    Ferrari und Vettel geben nicht auf: Nach dem geschenkten Sieg für Mercedes Berufung erwägt

    © AFP 2019 / Getty Images / Dan Istitene © AFP 2019 / Getty Images / Dan Mullan
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    Das Formel-1-Rennen von Kanada bleibt auch ein Tag nach seinem Finish ein heikles Thema in der Motorsportwelt. Der deutsche Pilot von Ferrari, Sebastian Vettel, hätte zum ersten Mal in der laufenden Saison die Dominanz von Mercedes fast gebrochen, wäre ihm nicht der sichere Sieg wegen einer umstrittenen Zeitstrafe genommen worden.

    Die Saison 2019 in der Königsklasse Formel 1 verläuft unter der totalen Herrschaft der deutschen Autobauer von Mercedes AMG. Die Stuttgarter (obwohl der Standort des F-1-Team sich in den beiden britischen Städten Brackley und Brixworth befindet) feierten den Sieg in allen sieben bisher ausgetragenen Rennen, ohne auf irgendeinen Widerstand ihrer Gegner zu treffen. Mercedes-Star-Pilot Lewis Hamilton ist momentan auf dem sicheren Weg zum Rekord von Michael Schumacher. Dem Engländer fehlen nur noch zwei WM-Titel bis zu Schumis sieben unfassbaren Titeln, und einen davon kann er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits in diesem Jahr erringen.

    Der triumphale Durchmarsch von Mercedes wird nur ab und zu von Vorwürfen seitens anderer Teams, unfair zu sein, überschattet. So scheuten sich die Konkurrenten vor dem Großen Preis von Kanada am vergangenen Wochenende nicht mehr, offen darüber zu sprechen, dass die neuen Pirelli-Reifen (die von allen Rennställen genutzt werden) extra für Mercedes-Boliden entwickelt wurden und deswegen perfekt zu der deutschen Technik passen. Einen echten Skandal sparte sich das Schicksal allerdings für das Rennen am Sonntag auf.

    Die Formel-1-Strecke in Montreal, die den Namen von Ferrari-Legende Gilles Villeneuve trägt, bescherte diesmal dem italienischen Rennstall ihr einziges Argument im Streit gegen Mercedes, und zwar den 1,6-Liter-V6-Motor mit dem stärksten Antrieb im Wettbewerb. Sebastian Vettel gewann am Samstag in einem harten Kampf gegen Hamilton die erste Startposition und führte das Rennen am nächsten Tag an.
    In der 48. Runde verlor der deutsche Pilot seinen Ferrari in einer Kurve, jedoch gelang es ihm, den Wagen zu retten und kurz vor Hamilton auf die Bahn zurückzukehren.

    ​Für einen Rennvorfall, indem die beiden Maschinen einen Kontakt miteinander vermieden, wurde Vettel wenige Minuten später von den Ermittlern gnadenlos eine 5-Sekunden-Zeitstrafe auferlegt. Ihre Entscheidung erklärten die Rennkommissare mit einem gefährlichen Manöver von Vettel, der in dieser Episode Hamilton nach vorne durchlassen müsste. Der Mercedes-Pilot gewann deswegen das Rennen, ohne Vettel zu überholen. Es reichte ihm, einfach hinter ihm die Ziellinie zu überqueren.

    Nach dem Rennen weigerte sich Vettel, seinen Ferrari vor dem Podium zu parken und lief stattdessen gleich zu der Rennkommission. Er fand dort niemanden und entzog sich im Zelt von Ferrari der Presse und den Organisatoren. Nur die Gefahr einer noch strengeren Strafe aufgrund unsportlichen Verhaltens zwang Vettel, Hamiltons Siegerehrung zu besuchen. Auch hier hörte der bestohlene Pilot nicht auf, seine Empörung öffentlich zu demonstrieren: Vor dem Betreten des Podiums stellte er das Schild für den zweiten Platz vor das Auto von Hamilton.

    Sebastian Vettel wechselt die Platzschilder nach dem Formel-1-Rennen von Kanada 2019
    © AFP 2019 / Getty Images / Dan Istitene
    Sebastian Vettel wechselt die Platzschilder nach dem Formel-1-Rennen von Kanada 2019

    Als Vettel über seine Zeitstrafe informiert wurde, schrie er dem Ingenieur via Boxenfunk auf Englisch zu:

    „Sie stehlen uns das Rennen!“

    Wen genau der vierfache Weltmeister meinte, wollte er zuerst nicht erklären und bat nur später vom Siegerpodest herab die Fans, den Sieger und WM-Führenden Lewis Hamilton von Mercedes nicht auszupfeifen. Doch wenige Stunden nach dem Rennen stützte Ferrari den Affront seines Piloten und bestätigte die Bereitschaft, gegen die Entscheidung der Rennkomissare in Berufung zu gehen. Nach den Regeln muss die Klage in den nächsten vier Tagen (96 Stunden) bei dem Automobilweltverband FIA eingereicht werden und unbedingt neue Beweise für Vettels Unschuld enthalten, damit sie überhaupt von der Berufungskommission berücksichtigt wird.

    Außerhalb der Rennstrecke löste der Vorfall eine große Empörungswelle unter Formel-1-Fans und auch vielen Piloten aus. Legendäre Weltmeister aus den Vorjahren wie Nigel Mansell, Jenson Button und Mario Andretti beschuldigten die Motorsport-Beamten, den Wettbewerbsgeist getötet zu haben.

    ​Der ehemalige Teamkollege von Vettel bei Red Bull Racing und heute Pilot von Renault, Daniel Riccardo, erinnerte inzwischen an eine ähnliche Episode mit Beteiligung von Lewis Hamilton, die sich vor zwei Jahren beim Rennen in Monaco abgespielt hatte. Damals entging der Brite trotzdem einer Strafe, obwohl er auf ähnliche Weise wie Vettel in Kanada seine Maschine verloren hatte und Riccardo fast an die Wand gedrückt hatte.

    >>>Und was denken Sie? War der Ferrari-Pilot wirklich Schuld oder geht es eher um einen Rennvorfall? Stimmen Sie hier ab<<<

    er/sb

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    Tags:
    Rennen, fair, Skandal, FIAT, FIA, Michael Schumacher, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Formel-1, Großbritannien, Italien, Deutschland, Kanada, Daimler AG, Mercedes, Ferrari