00:26 22 November 2019
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    der 34-jährige frühere Bundesliga-Coach Domenico Tedesco (Archiv)

    Ehrgeiziger, aber harter Trainer-Job: Tedesco übernimmt Spartak Moskau

    © Sputnik / Kirill Kallinikow
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    Bevor der 34-jährige frühere Bundesliga-Coach D. Tedesco seinen Vertrag mit Spartak Moskau unterschrieben hat, wurde über ihn in Russland schon viel berichtet. Über seine Konzentration auf Taktik wie über seine Impulsivität und den wohlklingenden Namen. Es gehört sich so, denn still zieht wohl keiner in die beim Volk beliebteste Mannschaft ein.

    Tedesco hat einen knappen, aber soliden Karrierehintergrund vorzuweisen. Er ist keine ausgepresste Zitrone, jung, arbeitshungrig, von deutschen Fußballlehrern geschult. Mit anderthalb bis zwei Millionen Euro jährlich wirkt, laut Medienberichten, sein Gehalt nicht mordsmäßig hoch. Es heißt, er müsse schon verstehen, worauf er sich einlässt. Er versteht es sicher nicht ganz. An Spartak haben sich viele ausländische Trainer die Zähne ausgebissen, selbst solche, die nachher in Europa brilliert haben.

    Nur dem Italiener Massimo Carrera ist es gelungen, gemeinsam mit dem Team in seiner ersten Spielzeit den Meistertitel für den Klub nach 16 Jahren zurückzugewinnen. Man hofft, dass auch Tedesco dies leisten kann. Momentan liegt Spartak aber auf Platz 12 und somit dem Abstieg aus der Premierliga nahe. Das ist schlecht für die Mannschaft, nicht aber für ihren neuen Coach.

    Für ihn ist das der Startblock, je tiefer dieser steht, desto stärker wird der Start ins Auge fallen. Auch dann, wenn er nicht gerade beeindruckend ist. Nach Expertenmeinung riskiert Tedesco nicht viel. Wenn er scheitert, zuckt er die Achseln: „Sie verstehen schon…“, und geht, um Hannover auf die Beine zu helfen. Also geht er dann dorthin, wo ihm weniger Geld, aber mehr Vernunft angeboten wird. Russischen Misserfolgen ausländischer Trainer wird in Europa mit Gelassenheit begegnet. Ein rätselhaftes Land, eine unbegreifliche Mentalität…

    Das Team Spartak ist nicht eingespielt, sein Profil ist unscharf — deshalb holt man sich eben einen neuen Trainer. Dies müsste Tedesco nicht ängstigen, sondern motivieren und mobilisieren. Mit seiner Arbeit für Spartak hat Tedesco die Bedenken auszuräumen, die aus dem Scheitern von Schalke im zweiten Jahr seiner Trainer-Tätigkeit resultieren.

    Auf der ersten Pressekonferenz in Russland meinte Tedesco, er habe 6–7 Monate gehabt, um das zu überdenken, was mit Schalke los war. Sicher habe er Fehler begangen, so der Coach. „Nach einer erfolgreichen Saison haben wir das Spiel zu stark auf mehr Offensive umgestellt. Man hätte den Wandel umsichtiger vollziehen sollen.“

    Spartak ist ein großer Club, in der letzten Zeit aber ohne beachtliche Siege. Ob der neue Trainer nicht glaubt, das Ansehen des „großen Clubs“ sei übertrieben hoch und schade dem Team nur? Tedesco antwortet: „Die früheren Verdienste nehmen in der Geschichte ihren Platz ein. Gegenwärtig muss man aber an die Zukunft denken. Im Gespräch mit der Führung des Clubs wurde beschlossen, zunächst das Spiel zu stabilisieren. Erst dann werden wir auf die Positionen achten. Der Club besitzt ein großes Potential, wir werden Schritt für Schritt dem Ziel entgegengehen. Bis zum Dezember ist die vorrangige Aufgabe, bei den Fußballspielern Selbstvertrauen zu wecken und Punkte zu holen. Erst dann, nach dem Urlaub, werden wir den Januar und Februar dazu nutzen, unsere Philosophie zu vermitteln, unseren eigenen Spielstil deutlich zu zeigen.“

    Ein Journalist bat Tedesco, sich selbst als Trainer mit einem Wort zu charakterisieren. Wie würde das Wort lauten? „Jongleur“, sagte er. Es ist das erste Mal, dass er sich mit dem Team über einen Dolmetscher wird verständigen müssen. „Es wird kein Problem sein, daran muss man sich gewöhnen. Ich glaube, alles wird gut.“ Womit hat ihn Russland angezogen? „Dafür gibt es viele Gründe. Ich war in Moskau, der Rote Platz hat mir gefallen.“ Auch der Generaldirektor Tomas Zorn, der frühere deutsche Spielervermittler und Rechtsanwalt, habe ihm gefallen. „Also haben dabei mehrere Momente eine Rolle gespielt.“

    Was weiß er von den Spartak-Ultras? Tedesco meint dazu: „Mein Herz schlägt für Schalke. Es ist auch eine eher schwierige Situation, dass ich beschlossen habe, Spartak zu übernehmen. Da gibt es viele Parallelen. Ich will aus meiner früheren Beziehung zu den Schalke-Fans einigen Nutzen ziehen. Der Druck der Fans ist für mich kein Problem. Ich bin bereit zu arbeiten.“

    Dann kam die Frage: „Sie tragen häufig einen Cardigan statt eines Sakkos. Mögen Sie keine Sakkos?“ Der vorangehende Cheftrainer von Spartak wurde wegen seiner Vorliebe für exquisite Kleidung verächtlich „Sakko“ gerufen. Tedescos Antwort: „Ich habe nichts gegen Sakkos. Die Kleidung ist nicht entscheidend. Wichtig ist, wie man arbeitet, die Spieler motiviert, und was man erreicht.“

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    Tags:
    Fußball, Trainer, Spartak, Domenico Tedesco, Bundesliga, Deutschland, Russland