06:04 22 Januar 2020
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    Whistleblower Grigori Rodtschenkow begrüßt die Sanktionen, die die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gegen Russland verhängt hat. Russlands Präsident Wladimir Putin hält die Strafmaßnahmen hingegen für politisch motiviert und erwägt Klage vor dem Cas.

    Einen Tag nach der Verkündung der Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Russland für vier Jahre zu sperren und mit harten Sanktionen zu belegen, regnet es von allen Seiten Kommentare. Den einen geht die Entscheidung nicht weit genug, andere beklagen die Strafmaßnahmen als ungerechtfertigt. Kalt lässt der WADA-Beschluss jedoch niemanden.

    Der Verein „Athleten Deutschland“ begrüßte den Beschluss der WADA und forderte eine konsequente Umsetzung der Sanktionen. Bei der Einzelfallprüfung russischer Athleten, die es ihnen ermöglichen könnte, unter neutraler Flagge bei den Olympischen und Paralympischen Spielen anzutreten, pocht „Athleten Deutschland“ auf maximale Transparenz und Einbindung der Athletenvertreter:

    „Wir fordern, dass Athletenvertreter bei der Festlegung der Prüfkriterien und in den gesamten Prüfungsprozess bis hin zur finalen Entscheidung effektiv eingebunden werden“, sagte der Geschäftsführer des Vereins Johannes Herber. „Nur durch maximale Transparenz und Mitspracherechte kann das Vertrauen in das weltweite Anti-Doping Regime gestärkt werden.“

    „Whistleblower“ Rodtschenkow freut sich

    Anlässlich des WADA-Beschlusses hat sich auch Grigori Rodtschenkow wieder aus der Deckung gewagt. Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors und „Whistleblower“ in der Verfolgung der Dopingpraktiken in Russland wird von der BBC mit den Worten zitiert:

    „Endlich wurden Betrug, Lügen und Fälschungen von unbeschreiblichem Ausmaß in vollem Umfang bestraft.“

    Der Kronzeuge, der aus Russland 2016 geflohen war und seitdem an einem unbekannten Ort in den USA lebt, fordert:

    „Diejenigen, die an der Korruption bestimmter Sportarten wie Leichtathletik, Gewichtheben, Skifahren, Biathlon und Bob beteiligt sind, sollten rückwirkend bestraft werden.  Die Ergebnisse der Olympischen Spiele in London (2012) und Sotschi (2014) sollten erneut analysiert und mit den heute verfügbaren Erkenntnissen neu bewertet werden.“ Man müsse die härtesten Maßnahmen ergreifen, um dem Sport wieder Gerechtigkeit zu verleihen.

    Rodtschenkow ist mit dem Dokumentarfilm „Ikarus“ (2017) international bekannt geworden. Im Verlauf des Films hilft er zunächst dem Autor Bryan Fogel, mit Hilfe von Doping sportliche Erfolge zu erzielen. In der zweiten Hälfte des Films flieht Rodtschenkow aus Angst vor Strafverfolgung in die USA. Als Kronzeuge des McLaren-Reports verstrickte sich Rodtschenkow wiederholt in Widersprüche.

    „Grund, Klage beim  Cas einzureichen“ - Putin

    Als „antirussische Hysterie“ bezeichnete der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew das Vorgehen gegen den russischen Sport. Der Ausschluss seines Landes von allen großen Sportveranstaltungen in den kommenden vier Jahren sei Teil einer gegen Russland gerichteten Kampagne. Er könne zwar nicht leugnen, dass Russland erhebliche Probleme mit Doping habe, aber es sei trotzdem nicht gerechtfertigt, die russischen Athleten in dieser Weise zu bestrafen, so Medwedew.

    Als „politisch motiviert“ bezeichneten die Strafmaßnahmen der WADA der russische Sportminister Pawel Kolobkow und auch Staatspräsident Wladimir Putin. „Es gibt wohl Grund zur Annahme, dass es bei solchen Entscheidungen nicht um die Sauberkeit des Weltsports geht, sondern um politische Überlegungen. Diese sind nicht im Interesse des Sports und der olympischen Bewegung“, so Putin. Der russische Sport werde in Kollektivhaftung für die Verfehlungen Einzelner genommen.

    Man werde die Entscheidung der WADA genau prüfen, jedoch sei bereits offensichtlich, dass es keine juristische Grundlage dafür gebe und sie auch nicht der Satzung der Olympischen Spiele entspreche. „Wir haben allen Grund, Klage beim Cas einzureichen“, so der russische Staatspräsident.

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    Tags:
    Grigori Rodtschenkow, Richard McLaren, Doping, WADA, CAS