22:49 12 August 2020
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    Kein Winter – kein Wintersport? Um die Pisten für Wintersportwettkämpfe zu präparieren, muss in Deutschland und anderswo in Mitteleuropa immer mehr auf Kunstschnee zurückgegriffen werden. Umweltverbände kritisieren die Maßnahmen scharf.

    Biathlon und Skilanglauf bei Dauerregen und vor grünen Hängen? In den letzten Jahren ist es für Athleten und Fans zu einem gewohnten Bild geworden. Gerade an den Austragungsorten in Mitteleuropa wird Naturschnee immer seltener und die Veranstalter müssen tief in die Trickkiste greifen, wenn sie geeignete Wettkampfbedingungen herstellen wollen. Doch manchmal reichen Schneedepots und Schneekanonen nicht aus, dann muss der Schnee mit Lastwagen von weit her angeliefert werden.

    So geschehen auch im thüringischen Oberhof, wo in dieser Woche der Biathlon-Weltcup stattfindet. Wegen der milden Temperaturen hatte die Produktion der 37 Schneekanonen nicht ausgereicht und zusätzlicher Kunstschnee musste auf mehr als 30 Lkw aus dem 400 Kilometer entfernten Gelsenkirchen nach Oberhof transportiert werden.

    So viel Aufwand ist nicht gut für die Umwelt und hat deswegen für erhebliche Kritik seitens der Umweltschützer gesorgt. Die Maßnahme in Oberhof sei „angesichts des auch in Thüringen spürbaren dramatischen Klimawandels nicht mehr zu verantworten“, sagte Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Thüringen der „Bild“. Auch Felix Ekardt, der Vorsitzende BUND in Sachsen, sagte, Wintersport sei generell kritisch zu betrachten, weil er in Zeiten des Klimawandels nur noch mit „massiver ‎technischer Unterstützung“ möglich sei.

    Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner reagierte entnervt und forderte angesichts des Klimawandels eine klarere Strategie für den Wintersport.

    „Will man für die Region, für Deutschland oder auch international weiter Wintersport betreiben oder will man es nicht?“, sagte er im thüringischen Oberhof. „Alles andere ist ein Gewäsch oder ein Zug, auf den man jetzt aufspringt, und nicht die Realität im Auge behält.“

    Die Verantwortlichen sollten sich überlegen, ob sie an schneearmen Orten wie Oberhof weiterhin Wettkämpfe ausrichten oder zumachen wollen, so Kirchner. Großveranstaltungen wie der Biathlon-Weltcup seien niemals klimaneutral. 

    Für die Biathlon-Weltmeisterschaft in Oberhof 2023 soll ein zweites Schneedepot Planungssicherheit garantieren. Der Deutsche Skiverband (DSV) mache sich „nicht erst seit gestern und nicht erst seit Greta“ darüber Gedanken, wie der Wintersport nachhaltig gestaltet werden könne, so DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach.

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    Tags:
    Oberhof, Biathlon