16:58 05 Juli 2020
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    Im italienischen Antholz, wo derzeit die Biathlon-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, haben Polizisten am Samstagmorgen ein Hotelzimmer russischer Biathleten durchsucht. Betroffen wurde unter anderem der Sprint-Weltmeister Alexander Loginow.

    Die Carabinieri seien um sechs Uhr MEZ eingetroffen und haben Loginow sowie seinen Teamkollegen Jewgeni Garanitschew geweckt, berichtet der russische Fernsehsender Matsch TV unter Berufung auf die Sportler.

    „Wir sind davon aufgewacht, dass sie (die Polizisten – Anm. d. Red.) in unser Zimmer eindrangen. Sie haben die Tür selbst geöffnet. Sie haben sofort unsere Waffen an sich genommen, als wären wir gefährliche Kriminelle“, sagte Loginow dem Sender.

    Die Beamten hätten das Zimmer durchsucht und Loginows Computer, Handy sowie persönliche Sachen beschlagnahmt. Offenbar wurden keine Vorwürfe gegen die Sportler erhoben. Die Polizisten hätten ihnen ein Ersuchen vom Biathlon-Weltverband (IBU) gezeigt.

    Nach Garanitschews Einschätzung dauerte die Razzia rund eine Stunde und 40 Minuten. Seine Sachen seien nicht durchsucht worden. Loginow sei „eher verärgert gewesen als nervös“. Außer einer Managerin hätten die Polizisten niemandem erlaubt, das Zimmer zu betreten.

    Steht die Internationale Biathlon-Union hinter den Durchsuchungen?

    Wie der Präsident des russischen Biathlon-Verbandes, Wladimir Dratschew, gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Novosti bekanntgab, sei die Durchsuchung durch den Antrag eines IBU-Topmanagers veranlasst worden. Der Verband habe gebeten, Loginow und seinen persönlichen Trainer Alexander Kasperowitsch zu überprüfen.

    Matsch TV zufolge soll die Anti-Doping Managerin der IBU, Sarah Fussek-Hakkarainen, den Antrag gestellt haben. Der Verband bestreite allerdings, etwas mit den Durchsuchungen zu tun zu haben.

    Der IBU-Präsident Olle Dahlin teilte dem Sender mit, er habe von dem Fall erst um acht Uhr am Morgen aus der Presse erfahren. Derzeit warte er auf Informationen der italienischen Polizei.

    Akkreditierungs-Probleme des russischen Trainers

    Laut Dratschew gehört Kasperowitsch nicht zum Trainerteam der russischen Nationalmannschaft und halte sich „als Tourist“ in Antholz auf. Nach Matsch-TV-Informationen soll Kasperowitsch eine falsche Akkreditierung benutzt haben.

    „Wir konnten ihn nicht akkreditieren, deswegen begann diese Durchsuchung der IBU“, zitiert der Sender den russischen Verbandschef.

    Das Ersuchen um eine Ermittlung gegen Loginow und Kasperowitsch sei am 19. Februar geschrieben worden und am 21. Februar eingegangen. Im Visier seien Dopingfälle aus den Jahren 2013, 2015, 2017 und 2018 sowie die Anwesenheit von Kasperowitsch bei diesen Veranstaltungen.

    „Wir sind sicher, dass wir derzeit das sauberste Team in der Welt sind. Denn der russischen Nationalmannschaft wird solch eine gespannte Aufmerksamkeit geschenkt, dass nur ein Wahnsinniger etwas einnehmen würde.“

    Italienische Beamte bestätigen Einsatz

    Ein Sprecher der Carabineri bestätigte gegenüber der französischen Nachrichtenagentur France-Presse, dass im Hotel der russischen Mannschaft eine Operation durchgeführt worden sei. Die Staatsanwaltschaft der Stadt Bozen in der norditalienischen Provinz Südtirol habe sie beantragt.

    „Die mutmaßliche Straftat ist ein Verstoß gegen den Artikel 586a des Strafgesetzbuches“, sagte der Polizeivertreter laut der Agentur.

    Der genannte Artikel ist demnach dem Gebrauch oder der Verabreichung von Dopingmitteln gewidmet.

    „Zwei Personen sind betroffen – beide Staatsbürger Russlands: ein Athlet und sein Trainer“, so der Sprecher.

    Wie Matsch TV unter Verweis auf Dratschew bekanntgab, habe die Polizei sich für die Biathletin der russischen Nationalmannschaft Irina Starych „nicht interessiert“, obwohl sie auch eine „Dopinggeschichte in ihrer Vergangenheit“ habe.

    Polizeibesuch am Morgen vor Staffel-Läufen

    Nach einer Damen-Staffel wird die Biathlon-WM am Samstag mit der Staffel der Herren fortgesetzt. Loginow und Garanitschew werden wetteifern, neben Matwej Jelissejew und Nikita Porschnew. Der Cheftrainer des russischen Teams bestätigte gegenüber Medien, dass Loginow trotz der Geschehnisse vom Morgen starten werde.

    Dratschew bezeichnete den Zwischenfall als „Show“. Ihr Ziel sei es, die „Fans zu erfreuen“.

    „Die ganze Mannschaft ist vor der Staffel aufgerüttelt worden. Das war so eine Geste. Natürlich steht der Biathlon-Weltverband dahinter.“

    Alexander Loginow war von 2014 bis 2016 wegen EPO-Dopings gesperrt. Als er am 15. Februar Gold bei der Biathlon-WM holte, regnete es Missgunst vonseiten der Konkurrenten und der internationalen Medien.

    mo/mt/sna

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    Tags:
    Alexander Loginow, Biathlon, Russland, Italien