19:31 28 Oktober 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (201)
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    Der Fußball-Erstligist Union Berlin kann sein Heimspiel gegen den FC Bayern München doch nicht vor Zuschauern abhalten. Covid-19 ist der Grund. Auch das Champions-League-Spiel zwischen Paris St. Germain und Borussia Dortmund am Mittwochabend wird ohne Publikum angepfiffen. Sputnik mit einer Übersicht: So betrifft das Coronavirus aktuell den Sport.

    Am Dienstagabend gewann RB Leipzig daheim gegen den englischen Klub Tottenham Hotspurs und zog ins Viertelfinale der Champions League ein. Schon am Montag hatte die Stadt Leipzig in Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt und dem Klub beschlossen, dass die Partie trotz der Coronavirus-Epidemie mit Zuschauern stattfinden soll. Zum einen sei England „kein Risikoland“, teilte der Verein mit. Zum anderen seien „alle Tickets personalisiert“ – und die Zuschauer „somit zurückverfolgbar.“

    Der Fußballklub aus Sachsen rede „die Gefahren klein und gebe weder Warnhinweise noch Verhaltensregeln aus“, kritisiert „n-tv“ in einem aktuellen Kommentar das Vorgehen von RB:

    „Wir befinden uns im Jahre 2020 nach Christus. Ganz Deutschland ist vom Coronavirus besetzt ... Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Sachsen und Briten bevölkertes Fußballstadion hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Obwohl, Widerstand? Ignoranz wäre passender. Während Asterix und Obelix in den gleichnamigen Comics im einzigen widerständigen Gallischen Dorf den Römern eins auf die Mütze geben, wird der Eindringling – in diesem Fall das Coronavirus – beim Champions-League-Achtelfinale zwischen RB Leizpig und Tottenham Hotspur (3:0) ignoriert.“

    Vorbild Italien? – Alle Fußball-Spiele abgesagt

    Eins vorweg: Während der deutsche Fußball noch nach einer einheitlichen Strategie sucht, wie ein voller Spiel-Terminplan angesichts der Corona-Welle umgesetzt werden kann, sind andere Sportarten und Länder schon weiter. Italien hat als eine der wichtigsten Maßnahmen vorläufig alle Fußball-Spiele in der höchsten Spielklasse, der Serie A, abgesagt. Die italienische Fußballsaison soll frühestens am dritten April fortgesetzt werden.

    Zum Vergleich: Italien verzeichnet derzeit nach China mit über 10.000 Infizierten die weltweit höchsten Covid-19-Fälle. Deutschland hat aktuell etwa 1.600 registrierte Corona-Fälle.

    Wie sieht die Situation in Deutschland aus?

    Das hat Auswirkungen auf Sportwettbewerbe, die meist vor Publikum stattfinden. In Deutschland hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ihre Saison bereits jetzt schon abgebrochen. Es gibt in diesem Jahr keinen Deutschen Meister in der Disziplin, so die „Sportschau“. Der Verband sehe sich gezwungen, die Saison mit sofortiger Wirkung vorzeitig zu beenden, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung.. „Dass wir die Entscheidung so treffen müssen, tut uns für alle Klubs, Partner und insbesondere Fans in ganz Deutschland unheimlich leid. Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus“. Das erklärte Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der DEL, gegenüber Medien.

    Über eine Regelung für die Spiele der Basketball-Bundesliga (BBL) soll am Donnerstag auf einer außerordentlichen AG-Tagung aller Bundesliga-Vereine diskutiert werden.

    Fußball-Bundesliga: Spiele ohne Zuschauer

    Die Vereine der deutschen Fußball-Bundesliga stehen derzeit in intensivem Austausch mit den Gesundheitsämtern sowie mit Verantwortlichen der Kommunen, Städte und Länder. In Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen gibt es inzwischen Anordnungen, Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern abzusagen. Auch die Stadt Berlin untersagt seit Mittwoch Veranstaltungen mit über 1.000 Menschen.

    Laut Aussagen der Fußball-Vereine finden am kommenden Wochenende fast alle Bundesliga-Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Hinzu kommen vier Partien in der 2. Bundesliga“, berichtete die Münchner Zeitung „TZ“. Demnach wird auch das Länderspiel zwischen Deutschland und Italien am 31. März in Nürnberg im Max-Morlock-Stadion ohne Zuschauer ausgetragen werden.

    Darüber wurde der DFB am Dienstag von der Stadt Nürnberg informiert. Die Entscheidung erfolgte aufgrund einer verbindlichen Vorgabe der bayerischen Staatsregierung.

    „Geisterspiele“ nicht nur für FC Bayern und BVB

    „Die Stadt Dortmund reagierte zuerst“, berichteten am Dienstag Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München Anfang April wird demnach „ein Geisterspiel werden.“ Die Lage, so hieß es, werde bis dahin „neu bewertet“. Auch das Revier-Derby zwischen dem BVB und dem FC Schalke 04 (Gelsenkirchen) wird am Samstag in Dortmund ohne Zuschauer stattfinden.

    ​Ebenso das Rhein-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwochabend. „Wir bedauern es sehr, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist“, sagte Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners laut der „Süddeutschen Zeitung.“ „Wir folgen aber selbstverständlich den Vorgaben des Landes, das sich diese Entscheidung sicher nicht leichtgemacht hat." Gladbach liegt nur wenige Kilometer entfernt vom besonders stark vom Coronavirus betroffenen Kreis Heinsberg.

    Union Berlin: Erst Kritik an Spahn, dann Rückzieher

    Zunächst hatte die Vereinsführung von Union Berlin für das Heimspiel gegen den FC Bayern noch mit einem vollen Haus gerechnet. „Herr Spahn hat ja auch nicht empfohlen, dass BMW in Berlin die Produktion einstellt“, sagte zunächst Dirk Zingler, Präsident des Erstligisten aus Köpenick. „Deshalb kann er auch nicht empfehlen, dass wir unseren Betrieb einstellen.“ Die Zuschauer seien nötig, um der Heimmannschaft volle Unterstützung auf den Rängen zu garantieren. Damit kritisierte er Vorschläge von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

    Nun teilte jedoch das Bezirksamt Treptow-Köpenick am Mittwoch via Twitter mit: „Aufgrund einer Anordnung unseres Amtsarztes wird das Spiel @fcunion/@FCBayern unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden!“ Die Gesundheit der Bevölkerung „steht an oberster Stelle“, sagte eine Sprecherin des Bezirksamtes dem Fußball-Fachmagazin „Kicker“.

    Champions League: Dortmund-Gegner lässt sich auf Covid-19 testen

    Auch die internationalen Fußball-Wettbewerbe müssen sich auf die neue Situation einstellen. In der Champions League, der höchsten Spielklasse Europas, sind ebenfalls viele Spiele mit deutscher Beteiligung betroffen.

    So bestreitet am Mittwochabend Borussia Dortmund sein Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris St. Germain. Schon seit Tagen ist bekannt, dass die Begegnung vor leeren Rängen stattfinden wird. Frankreich zählt derzeit etwa 1800 Corona-Fälle. Pikante Nachricht dazu: Ein Profi von Dortmund-Gegner Paris, Kylian Mbappé, hat sich erst am Dienstag auf Covid-19 testen lassen, nachdem er über Fieber und Halsschmerzen geklagt hatte. Ergebnis: Negativ – der Fußballer und französische Nationalspieler ist nicht erkrankt und wird am Mittwochabend wohl zum Kader gehören.

    Ebenso wird der FC Bayern sein Heimspiel in dem Wettbewerb gegen den englischen FC Chelsea am 18. März ohne Publikum in München abhalten. „Angesichts der aktuellen Situation haben wir uns dazu entschieden, unsere März-Studio-Produktionen ohne Publikum stattfinden zu lassen“, bestätigte sogar der private Pay-TV-Sender „Sky“, der solche Spiele live überträgt.

    Wie reagiert der DFB?

    Bisher gibt es keine einheitliche Linie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Vereine, weshalb sich auch Union Berlin bis zuletzt gegen sein leeres Stadion wehren und Leipzig doch vor vollen Rängen spielen konnte.

    „Entscheidungen über tiefgreifende Maßnahmen wie einen Zuschauerausschluss oder Spielabsagen müssen im Zuge des Coronavirus von den zuständigen Gesundheitsbehörden getroffen werden“, heißt es aktuell auf der Homepage des DFB. „Neben der Infektionsvorbeugung sind Aspekte des gesamten öffentlichen Lebens zu berücksichtigen, von dem der Fußball lediglich einen Teilbereich darstellt. Die spielleitenden Stellen der Verbände, die Klubs sowie die Gesundheitsbehörden stehen hier in ständigem Austausch miteinander.“ Eine Koordinierungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern von DFB, der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und den Landesverbänden stehe unter Leitung von DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius täglich in Kontakt mit dem Robert-Koch-Institut.

    „Wir vertrauen der Expertise der Behörden vor Ort“, erklärte DFB-Generalsekretär Curtius. „Der Fußball kann und darf nicht isoliert handeln, sondern immer in Absprache mit den Gesundheitsbehörden. Wichtig sind klare, verbindliche Entscheidungen der zuständigen Behörden vor Ort.“

    Kritik am zögerlichen Verhalten des DFB

    Die laufende Bundesliga-Saison 2019/20 müsse „wie vorgesehen“ bis zum Sommer 2020 zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln. Das DFL-Präsidium werde zudem in den kommenden Tagen alle Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einladen, um den weiteren Saisonverlauf unter Berücksichtigung möglicher Auswirkungen des Coronavirus gemeinsam zu besprechen.

    „Ich würde mir wünschen, dass jemand eine klare Ansage macht“, klagte Horst Heldt, Manager des 1. FC Köln, stellvertretend für die gesamte Fußballbranche vor wenigen Tagen. „Das tut aber keiner“. Der Kritik schlossen sich andere Klubs an. „Das ist natürlich ein Riesenproblem für jeden Verein, weil jedem Verein eine enorme Einnahmequelle verlorengeht“, sagte Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport beim FC Augsburg, dem Bayerischen Rundfunk (BR). „Wir müssen mit der Situation umgehen und überlegen, welche Maßnahmen ergriffen werden.“ Sein Verein plädiere für eine gemeinsame Lösung der Liga, weil es sonst zu Wettbewerbsverzerrungen kommen könne.

    Der DFB steht laut Eigenaussage aktuell auch mit Vereinen aus den unteren Ligen wie der 3. Liga in Kontakt. In einer Sitzung am Montag habe sich der Ausschuss 3. Liga in einer ersten Einschätzung grundsätzlich dafür ausgesprochen, betroffene Partien zunächst eher zu verlegen statt Geisterspiele auszutragen. Hintergrund sei die besondere wirtschaftliche Sensibilität. Schließlich brechen fortan Einnahmen aus gut besuchten Heimspielen für die Vereine weg.

    Fällt Fußball-EM im Sommer aus?

    „Wird die Fußball-EM auf 2021 verschoben?“ fragt aktuell die Zeitung „Die Welt“. „Die Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie sorgt für zunehmende Spekulationen um eine mögliche Verschiebung der Fußball-EM um ein Jahr in den Sommer 2021.“ Wie internationale Medien am Dienstag berichteten, wächst der Druck auf den europäischen Fußballverband Uefa.

    „Hintergrund ist die Sorge nationaler Verbände und Ligen, dass sie ihre Meisterschaftswettbewerbe nicht wie geplant bis Mitte Mai beenden können. In Italien und der Schweiz ruht der Ligen-Betrieb bis Anfang April. In mehreren anderen Ländern wie Spanien, Polen, Österreich und Frankreich finden alle Spiele der höchsten Ligen vorerst nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.“

    Derweil soll es beim englischen Erstligisten Arsenal London laut Medienberichten erste Corona-Fälle geben. Daher ist ein Nachholspiel gegen Manchester City am Mittwoch abgesagt worden. Die Arsenal-Spieler dürfen das Haus nicht mehr verlassen, so Medien. Die Ansteckung erfolgte wohl Ende Februar bei einem Spiel des Londoner Vereins in Griechenland bei Olympiakos Piräus. Klub-Boss Evangelos Marinakis soll aktuell wegen Verdacht auf Covid-19 in Quarantäne sein. Er hatte zuvor Kontakt mit Fußballern von der Insel.

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