16:07 29 Oktober 2020
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    Der saudische Staatsfonds mit dessen Chef, Kronprinz Mohammed bin Salman, steht kurz vor dem Kauf des englischen Erstliga-Clubs Newcastle United. Wie britische und internationale Mecdien berichten, sind Menschenrechts-Experten alarmiert. Der Fußball-Verein gerate somit „in einen geopolitischen Konflikt“.

    Saudi-Arabien wird seit 2017 de facto vom Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS) politisch gelenkt. Momentan müsste er eigentlich mit Sorge auf den massiven Absturz beim Erdölpreis schauen. Doch der weltbekannten Kauflust der Saudis scheinen die Einbrüche beim Öl-Markt vor wenigen Tagen keinen Abbruch zu tun.

    Wie internationale Medien seit Mittwoch berichten, steht der englische Erstliga- und Traditionsverein Newcastle United kurz vor dem Verkauf an den saudischen Staatsfonds. Diese Übernahme muss noch von den britischen Stellen abgesegnet werden. Würde der Verein in Newcastle upon Tyne im Nordosten Englands übernommen und „geführt werden von einem der meist kritisierten Staaten weltweit“, dann könnte sich der Club „plötzlich in einem geopolitischen Konflikt“ wiederfinden. Das berichtete der „Spiegel“.

    Kaufpreis 300 Millionen Pfund?

    Die Vereinsführung sei demnach bereit, den englischen Fußball-Club „an ein Konsortium, hinter dem zu 80 Prozent der Staatsfonds Saudi-Arabiens (PIF) steht“, zu verkaufen. Die saudische Strategie hinter dem Manöver sei einfach zu erkennen: Es gehe um „Sportswashing“, also dem „Aufpolieren des eigenen Images durch Ausrichtung von oder Investitionen in Sportveranstaltungen. Damit ist Saudi-Arabien in der Region relativ spät dran.“ Dieses Modell betreiben benachbarte arabische Staaten und Emirate schon seit langem.

    Den Kaufpreis für Newcastle United „taxieren britische Medien auf 300 Millionen Pfund. Vorsitzender des (Käufers, Anm. d. Red.) PIF ist MBS, Kronprinz und quasi Herrscher Saudi-Arabiens. Nach Paris Saint-Germain (Katar), Manchester City (Vereinigte Arabische Emirate, Abu Dhabi) und Sheffield United (ebenfalls Saudi-Arabien) wäre Newcastle der vierte Verein in einer von Europas großen Fußball-Ligen, der praktisch einem arabischen Staat gehört.“

    Mit saudischem Geld „wieder zu den Großen gehören“

    Offenbar fehle nur noch die Zustimmung der Verantwortlichen der Premier League für den saudischen Newcastle-Deal. Dazu wird es wohl kommen, wie die Londoner Zeitung „The Guardian“ bereits titelte: „Die britische Regierung wird wohl nicht die saudische Newcastle-Übernahme blockieren.“

    Wenn der Fußball zurückkehre und irgendwann auch die Fans in den St. James’ Park von Newcastle,  dann könnte dort „etwas Besonderes hinter der nächsten Ecke warten“. Das sagte United-Vorstand Greg Tomlinson im Gespräch mit dem Magazin „Spiegel“. „Grund für diese Zuversicht ist, dass der Premier-League-Klub dann neue Besitzer haben dürfte. Mit ihnen steigt die Hoffnung darauf, bald wieder zu den Großen im englischen Profifußball zu gehören.“ 

    Der Glanz früherer Tage und Erfolge ist für das krisengebeutelte Newcastle United schon seit Jahren sportlich nicht mehr zu erreichen. Auch weil finanziell mit den ganz Großen der Liga nicht mitgehalten werden kann, darunter die Top-Konkurrenten Tottenham Hotspurs, Manchester United und Manchester City sowie vom Etat her auch Arsenal London. Newcastle dümpelt in der durch Corona „eingefrorenen“ Premier-League-Tabelle auf Platz 13 vor sich hin.

    Kritik an Saudi-Arabien: „Desaster für Verein und Stadt“

    Der „Fußball-Käufer“ Saudi-Arabien wird seit Jahrzehnten international für seine Außen- und Innenpolitik von verschiedenen Seiten her kritisiert. In letzter Zeit etwa für die Ermordung des kritischen Journalisten Jamal Khashoggi oder für seinen Stellvertreterkrieg im Jemen. Auch die prekäre Menschenrechtssituation, ungerechtfertigte Strafen oder Mordprozesse gegen Journalisten und Reformern sowie die Unterdrückung von Frauen und Minderheiten sind nur einige der Kritikpunkte von internationalen Menschenrechtsorganisationen gegen den arabischen Wüstenstaat.

    „Menschenrechtsaktivisten argumentieren, dass die Intervention im englischen Fußball durch Saudi-Arabien ein Versuch des Regimes ist, Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen internationales Recht 'weißzuwaschen'.“ Das berichtete der US-Nachrichtensender „CNN“ am Mittwoch.

    Dass das saudische Königreich die Kontrolle bei Newcastle United übernimmt „ist ein Desaster für den Verein und für die Stadt“, kommentierte Nicholas McGeehan, ein britischer Experte für Menschenrechte im Nahen und Mittleren Osten, laut Medien. Seiner Meinung nach sollte die Premier League den Deal stoppen. Sprecher von „Amnesty International“ äußerten ähnliche Kritik Richtung Riad.

    Die Fans von United blicken derzeit gespalten auf die neue Entscheidung, die womöglich bald Riesensummen in die Vereinskassen spülen könnte. Einige ignorieren die politische Dimension des Deals und verweisen auf die britische Regierung, die ebenfalls Geschäfte mit Saudi-Arabien machen würde. Dem Noch-Eigentümer des Clubs wird momentan von Newcastle-Anhängern in sozialen Netzwerken vorgeworfen, er sei mehr an finanziellen Erfolgen als an sportlichen Titeln interessiert. In den letzten Monaten hat der Protest gegen den aktuellen Besitzer des Clubs, Mike Ashley, stetig zugenommen. Jetzt wollen viele Fans von Newcastle United einfach nur bald wieder „guten Fußball“ sehen.

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    Tags:
    Fußball, Großbritannien, England, Saudi-Arabien, Mohammed bin Salman al-Saud