05:04 15 August 2020
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    Zwischen Jubel und Boykott – Die Olympischen Sommerspiele von Moskau 1980 (21)
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    Bei den Olympischen Sommerspielen von Moskau trat Teófilo Stevenson an, sein drittes olympisches Gold zu holen. Der Kubaner, der seinem Land und dem Amateurboxen immer treu geblieben war, dominierte das Schwergewicht wie kein Zweiter.

    Will man über die Höhepunkte der Olympischen Sommerspiele von Moskau sprechen, so kommt man an seinem Namen nicht vorbei: Teófilo Stevenson. Der kubanische Ausnahmeboxer holte 1980 sein drittes olympisches Gold in Folge. Vor ihm war das nur dem Ungarn Laszlo Papp geglückt, später der anderen kubanischen Boxlegende Felix Savon. Manche meinen, er hätte vier Jahre später auch in Los Angeles gewinnen können, hätte Kuba die Spiele nicht boykottiert. Fidel Castro befand: „Kein anderer Amateurboxer in der Geschichte dieses Sports hat sich so sehr ausgezeichnet wie er. Er hätte zwei weitere olympische Titel erreichen können, wenn dies nicht aufgrund von Pflichten verhindert worden wäre, die die internationalistischen Prinzipien der Revolution auferlegten. Kein Geld der Welt hätte Stevenson bestechen können.“

    Der Junge aus einfachen Verhältnissen begann seine Boxkarriere 1966 als Vierzehnjähriger im Halbmittelgewicht. Zu den wichtigsten Einflüssen in jener Zeit zählen der deutsche Boxtrainer Kurt Rosentritt und der Russe Andrej Tscherwonenko, die das junge Talent entdeckt und gefördert haben. Und ihre Bemühungen zahlten sich aus: Bereits mit sechzehn Jahren wurde Stevenson kubanischer Juniorenmeister, es folgten unzählige Titel, darunter elf Mal kubanischer Meister, sieben Mal zentralamerikanischer und karibischer Meister, zwei Mal Gewinner der Panamerikanischen Spiele, drei Mal Weltmeister und drei Mal Olympiasieger. Von insgesamt 324 bestrittenen Kämpfen hat Stevenson nur 22 Kämpfe verloren. Zu den wenigen Boxern, denen Stevenson unterlegen war, zählen die Deutschen Bernd Anders und Ulli Kaden sowie der Russe Igor Wysotzki, der ihn sogar zweimal besiegte.

    Beim Finale in Moskau traf Stevenson nach den Siegen über Salomon Ataga aus Nigeria, Grzegorz Skrzecz aus Polen (beide durch k.o.) und Istvan Levai aus Ungarn auf den Russen Pjotr Snajew, den er mit 4:1 deutlich besiegte und seinen Titel damit zum zweiten Mal erfolgreich verteidigte.

    Teófilo Stevenson (i.d.Mitte) feiert seinen Sieg bei der Sommer-Olympia 1980 in Moskau
    © AFP 2020 / EPU / STAFF
    Teófilo Stevenson (Mitte) feiert seinen Sieg bei Sommer-Olympia 1980 in Moskau

    Während Stevenson antrat, sein drittes olympisches Gold zu gewinnen, war der andere große Schwergewichtsboxer jener Zeit, Muhammad Ali, von den USA nach Afrika entsandt worden, um für den Boykott der Spiele zu werben. Doch der „schwarze Henry Kissinger“ konnte nicht überzeugen – nur Liberia und Kenia folgten dem Boykottaufruf.

    Teófilo Stevenson und Pjotr Snajew nach dem Olympia-Finale in Moskau
    © AP Photo / stf
    Teófilo Stevenson und Pjotr Snajew nach dem Olympia-Finale in Moskau

    Boxfans auf der ganzen Welt haben sich damals ein Duell der beiden Giganten gewünscht, doch dieser Kampf sollte nie stattfinden. Trotz millionenschwerer Gagen, mit denen Muhammad Ali und George Frazier den Kubaner ins Profilager zu locken versuchten, blieb Stevenson standhaft. Der kubanische Patriot sagte:

    „Was sind eine Million Dollar gegen acht Millionen Kubaner, die mich lieben?“

    Auch wenn es nie zum Kampf Stevenson gegen Ali – oder Sozialismus gegen Kapitalismus, wie manche es nennen – gekommen ist, sind sich viele Boxfans sicher: Stevenson hätte ihn gewonnen. Schnell und schlagkräftig waren beide, der hochgewachsene Kubaner hatte jedoch den Vorteil der enormen Reichweite. „Der beste Schwergewichtsboxer heißt  Teófilo Stevenson. Keiner der heutigen Champs hätte gegen ihn eine Chance“, sagte auch der ehemalige Weltmeister George Foreman zu Stevensons Blütezeit.

    Teófilo Stevenson (2L) im Moskauer Olympia-Dorf, Juli 1980
    © Sputnik / WItalij Arutjunow
    Teófilo Stevenson (2. v. l.) im Moskauer Olympia-Dorf, Juli 1980

    Auch der deutsche Meister Peter Hussing, den der Kubaner bei seinen ersten Olympischen Spielen 1972 in München im Halbfinale nach nur 30 Sekunden auf die Bretter schickte, erinnerte sich voller Ehrfurcht an den Ausnahmeathleten: „Stevenson war so eine Erscheinung, dass er mich schon beeindruckt hat, wenn er mir nur gegenüberstand. Ich wusste einfach nicht, was ich gegen ihn machen sollte.“

    Am 11. Juni 2012 erlag die kubanische Boxlegende im Alter von 60 Jahren einem Herzleiden. Kuba und die gesamte Boxwelt trauerten um Stevenson. Selbst von Muhammad Ali gab es späte Anerkennung für die boxerische Leistung des Kubaners. Er sagte:

    „Obwohl er nie professionell gekämpft hat, garantiert der Umstand, drei Goldmedaillen bei drei verschiedenen Olympischen Spielen gewonnen zu haben, dass er ein hervorragender Gegner für jeden amtierenden Champion des Schwergewichts oder jeden Herausforderer in dessen Bestform gewesen wäre. Ich werde mich immer an das Treffen mit dem großen Teófilo in seiner Heimat Kuba erinnern. Er war einer der Großen dieser Welt, und war gleichzeitig ein warmherziger Mann, den man umarmen konnte.“
    Abschied von  Teófilo Stevenson in Havana, 12. Juni 2012
    © AP Photo / Franklin Reyes
    Abschied von Teófilo Stevenson in Havana, 12. Juni 2012
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    Boxen, Olympische Spiele in Moskau 1980