17:09 24 November 2020
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    Zwischen Jubel und Boykott – Die Olympischen Sommerspiele von Moskau 1980 (21)
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    Wladimir Kondra, Olympiasieger von 1980, auch Volleyball-Pelé genannt, hat als erster in der Sowjetunion einen Sprungaufschlag angewandt. Er versuchte zu beweisen, dass in wenigen Jahren die ganze Welt so aufschlagen würde. Aber der Trainer der „goldenen“ Sbornaja lachte nur darüber und verbot, so zu spielen.

    1980 wurde Kondra 30 Jahre alt. „Jetzt bleibt man länger aktiv“, meinte er in einem Interview. „Auch bekommt man ordentliche Gehälter, man bleibt auf der Höhe. Zu meiner Zeit guckte man einem über 30 sofort in den Personalausweis. Im Zentralen Sportklub der Armee (ZSKA), für den ich damals antrat, begann man mir schon Andeutungen zu machen. Deshalb war mir auch klar: Falls nicht bei diesen Olympischen Spielen, wann denn sonst? Ich träumte vom Gold. Zum Glück hat alles geklappt.“

    In den Gruppenspielen agierte er praktisch ohne Wechsel. Dann traf das sowjetische Team im Halbfinale auf die Rumänen. Kondra erinnert sich:

    „Im Laufe des Spiels kam es zu einer Aufstellung, bei der ihr starker Angreifer Laurențiu Dumănoiu mir direkt gegenüber auftauchte. Außerdem hatten sie den erfahrenen Zuspieler Corneliu Oros, der davon profitierte, dass ich für Volleyball-Begriffe eher klein bin, nur 185 Zentimeter! Sie fingen an, über meinen Kopf hinweg zu schlagen. Der Trainerstab ersetzte mich durch einen 205 Zentimeter großen Spieler. Dies erzielte sofort die nötige Wirkung: Er ‚erwischte‛ Dumănoiu dreimal beim Blocken, das Spiel schlug um, und wir gewannen.“

    Dann kam das Spiel gegen Bulgarien um Gold. Im Gruppenspiel hatte sich Kondra gegen dieses Team aufs Beste bewährt. Aber die Trainer beschlossen diesmal, die siegreiche Zusammensetzung beim vorherigen Spiel beizubehalten, und das Endspiel begann ohne ihn. „Zwar kam ich in allen Sätzen aufs Feld, aber nur als Rotation an der Grundlinie. Eigentlich schlug ich nur auf und musste mich gleich zurückziehen. Das tat sehr weh, es machte mir schwer zu schaffen, im Finale nicht so gespielt zu haben, wie ich es mir gewünscht hätte. Dennoch geht mir diese Goldmedaille über alles. Jeder Sportler träumt ja vom Olympiasieg.“

    Wladimir Kondra (R) bei Wettkämpfen in Moskau, 1976
    © Sputnik / Igor Utkin
    Wladimir Kondra (R) bei Wettkämpfen in Moskau, 1976

    Die Erfindung des Sprungaufschlags, einer Art des Grundlinienangriffs, hat Kondra, dieser universellste Volleyballer des 20. Jahrhunderts, nie sich selbst zugeschrieben. Er erinnert sich: „Beim Weltcup in Japan, schon nach den Olympischen Spielen in Moskau, sah ich beim Morgenaufwärmen einen chinesischen Spieler, der aus dem Hintergrund mit Angriffsschlag aufgab. Allerdings tat er das nicht im Anlauf, sondern indem er den Ball über sich hochwarf. Ich sprach darüber mit meinem Mitspieler und Zimmernachbarn, dem Esten Viljar Loor, und dieser erzählte mir eine Geschichte: Einmal warf Peet Raig, der berühmte Spieler vom Tallinner Club Kalev, beim Aufschlag den Ball hoch, nahm Anlauf und sprang ins Spielfeld, wobei er in der Luft gegen den Ball schlug. Die Richter waren zunächst verblüfft und konnten nicht fassen, was passiert war. Sie berieten sich und stellten einen Streitball fest, obwohl Raig gegen keinerlei Regeln verstoßen hatte. Damals blieb es dabei, weil man den Aufschlag nicht als richtig anerkannte.“

    Kondra analysierte das alles und begann unmittelbar während des Weltcups den Sprungaufschlag als Angriffsschlag einzuüben. Aber nur beim Aufwärmen. Der Trainer der Nationalmannschaft Wjatscheslaw Platonow, erlaubte nicht, diesen Aufschlag während des Spiels einzusetzen. „Er sagte mir sofort: ‚Du hast einen herrlichen Flatteraufschlag, lass ab von deinen Erfindungen. Das kannst du in deinem ZSKA-Club machen.‛ Ich versuchte zu beweisen, dass bald die ganze Welt so den Aufschlag machen würde, wenn man nur keine Regel dagegen einführt. Platonow lachte nur: ‚Immer musst du etwas erfinden.‛ Nach zwei Jahren kam das brasilianische Team zum Weltcup, und die ganze Starting Six führte bei ihnen den Sprungaufschlag aus.“

    Bei Wettkämpfen probierte Kondra diesen Aufschlag nur bei seinem Club ZSKA. Später schrieb eine Zeitung über das Spiel gegen die italienische Mannschaft beim Europapokal: „Auch der Veteran Wladimir Kondra hat sich hervorgetan. Er führte mehrmals den Sprungaufschlag aus, der eher nach einem Grundlinienangriff aussieht.“ Danach verbreitete sich die Meinung, er habe diesen Aufschlag als Erster in der UdSSR angewandt. Allerdings, gibt Kondra zu, habe er in jenem Jahr diesen Schlag weltweit bei keinem gesehen. „Und nachdem ich ihn beim Europapokal vorgeführt hatte, wiederholten ihn auch andere. Ich machte aber nicht lange davon Gebrauch, da ich schon 1982 aus Familiengründen meine Karriere als Spieler beendete.“

    Wladimir Kondra (R) beim olympischen Fakellauf vor den Winterspielen 2014 in Sotschi (Archivbild)
    © Sputnik . Pawel Lissizyn
    Wladimir Kondra (R) beim olympischen Fakellauf vor den Winterspielen 2014 in Sotschi (Archivbild)
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    Volleyball, Olympische Spiele in Moskau 1980