13:43 06 August 2020
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    Zwischen Jubel und Boykott – Die Olympischen Sommerspiele von Moskau 1980 (21)
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    Im Vorfeld der Spiele 1980 hatte Torhüter Jewgeni Scharonow keine Probleme mit der Berufung in die Nationalmannschaft, obwohl sich viele darum beworben hatten. Das muss man, ist er sich sicher, seinen Teamkollegen von Moskwitsch als hohes Verdienst anrechnen – einem Club, der bei den UdSSR-Meisterschaften nie eine führende Rolle gespielt hatte.

    Dank seinen Partnern erstieg er jedoch rasch den Sportgipfel und gewann Olympia-Gold. Scharonow erinnert sich: „Wir haben die Vorrunde überlegen absolviert, wonach wir in der Finalrunde auf die Ungarn trafen. Vor dem Spiel gegen eine der weltbesten Mannschaften machte ich mir große Sorgen, und das zu Recht: Das Duell erwies sich als ausgesprochen hart und wurde von uns mit 5:4 gewonnen. Im Laufe des Treffens misslang dem besten Spieler der Ungarn, Tamás Faragó, ein Strafwurf, und in den letzten Sekunden konnte die Wasserball-Legende nicht die Überzahl nutzen. Dann wurde klar, dass wir uns Gold gesichert hatten.“

    „Das letzte Spiel gegen die Jugoslawen trat ich gelassen an“, fährt der Torwart fort, „und zitterte nicht um das Ergebnis. In jenem Jahr stellte sich die gesamte Wasserball-Gemeinschaft der Sowjetunion hinter uns. Der Sieg bei der Olympiade war das Ziel des ganzen Landes.“

    „Moskau war in jenen Tagen kaum wiederzuerkennen“, so Scharonow. „Keine Staus, niemand rast, alles geschieht dezent, mit Anstand und vornehm. Wir wurden im Olympischen Dorf fast täglich von bekannten Künstlern besucht. Für Sportler wurden extra Lieder komponiert, sogar über das Wasserballspiel. Diese Tage sind unvergesslich geblieben. So kam es, dass ich zu Beginn meiner Karriere den wichtigsten Wettkampf im Leben eines jeden Sportlers, die Olympischen Spiele, gewonnen habe. Erst nachher wurde meine Medaillensammlung durch WM- und EM-Gold ergänzt.“

    „Egal, mit wem ich mich gemessen habe, ich stand keinem in der Armspannweite nach“ - Jewgeni Scharonow im Tor
    © Sputnik / Sergej Gunejew
    „Egal, mit wem ich mich gemessen habe, ich stand keinem in der Armspannweite nach“ - Jewgeni Scharonow im Tor

    Dank seiner Körpergröße, den langen Armen und dem perfekten Brustschwimmen, bei dem man sich hoch über Wasser halten muss, wurde er von Dmitri Schewtschenko, Scharonows Trainer seit seinen ersten Tagen im Wasserballsport, zum Torhüter bestimmt. Er machte dann so rasche Forstschritte, als hätte ihn der Herrgott extra dazu erschaffen, bei diesem Spiel Bälle abzuwehren.

    „Egal, mit wem ich mich gemessen habe, ich stand keinem in der Armspannweite nach“, erinnert sich der Torwart. „Keinem einzigen. Nur habe ich mich in dieser Hinsicht nicht mit Basketballspielern verglichen… Mein größtes Glück liegt aber darin, dass gerade zu diesem Zeitpunkt in der UdSSR eine ausgezeichnete Generation von Wasserballspielern herangewachsen war. Der Torhüter stellt zwar in jedem Team eine wichtige Figur dar. Was wäre er aber ohne die Mannschaft?“

    „Ist der Torhüter fit, hat er im Duell gegen den Angreifer immer einen Vorsprung“, meint der Olympiasieger. „Man kann sich dann schon einiges leisten. Man deckt etwa eine Ecke auf und steht da wie angemauert, ohne zu blinzeln, ohne sich zu rühren. Der Angreifer bewegt sich hin und her, man blickt auf ihn und weiß genau: Tu, was du willst, Freund, ich habe dich bereits durchschaut. Ich kenne genau den Augenblick und die Richtung, in die du schießen willst. Ich bin die Würgeschlange, du das Kaninchen…“

    Sollte der Torwart aber nicht fit sein, merkt Scharonow an, „sieht es umgekehrt aus. Man fällt auf jede Finte und jede Bewegung rein, verliert die Stellung, die Zuversicht und die Konzentration. Man verpasst den Augenblick des Schlagwurfs, reagiert mit Verspätung, und falls man pariert, dann nur mit letzter Kraft, ganz um Haaresbreite.“

    Jewgeni Scharonow heute
    © Sputnik / Alexander Natrusskin
    Jewgeni Scharonow heute

    „Für ein mittelstarkes Team zu spielen, das sich kein hohes Ziel steckt, wie es bei unserem Moskwitsch der Fall war“, führt Scharonow aus, „ist gewissermaßen von Vorteil, besonders für einen Torhüter. Man ist ständigem Druck ausgesetzt, muss immer fit bleiben, man spielt gegen stärkere Gegner und entwickelt sich deshalb weiter. Ich habe von führenden Mannschaften unseres Landes mehrmals Angebote bekommen, war aber fest entschlossen, meine Karriere bei Moskwitsch zu beenden. Wenn man um einen herum das ganze Team aufbaut, wäre es irgendwie falsch, an den Weggang zu denken. Ich bin stolz darauf, meiner Mannschaft, meinen Trainern, Teamkollegen und Fans treu geblieben zu sein!“

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    Olympische Spiele in Moskau 1980