22:11 30 September 2020
SNA Radio
    Sport
    Zum Kurzlink
    Von
    Zwischen Jubel und Boykott – Die Olympischen Sommerspiele von Moskau 1980 (21)
    2372
    Abonnieren

    Im Kampf gegen das perfekt ausgebildete DDR-Team hat das sowjetische Quartett beim Mannschaftsverfolgungsrennen in der Moskauer Hallenbahn Krylatskoje das Olympiagold 1980 errungen. „Sputnik“ sprach mit dem Trainer der Olympiasieger über den Wettkampf beider Bahnradnationen.

    Das stürmische Tempo, das die deutschen Sportler beim Start vorgelegt hatten, konnte die UdSSR-Mannschaft nicht aus dem Konzept bringen: Sie steigerte gleichmäßig und überlegen das Renntempo und gewann mit großem Vorsprung. Alexander Kusnezow hatte zwei Mitglieder jenes goldenen Teams großgezogen, den Tempomacher Alexander Krasnow (Position 1) und Wiktor Manakow (Position 2).

    Manakow mit seiner ausgezeichneten körperlichen Fähigkeit war in der Lage, während des ganzen Rennens kolossale Arbeit zu leisten, mit Schwung und Höchstgeschwindigkeit zu fahren. Krasnow war dagegen der jüngste, der kleinste und der leichteste im Team. Dies hinderte ihn aber keineswegs daran, sich bei allen Läufen aktiv zu zeigen und seiner Mannschaft einen erfolgreichen Start zu sichern.

    Olympiasieger Wiktor Manakow
    © Sputnik / Michail Makarenko
    Olympiasieger Wiktor Manakow

    Im Viertelfinallauf erzielte die sowjetische Mannschaft mit 4.14,64 die absolut beste Leistung seit dem Bestehen des Weltradsports. Allerdings wurde Krasnow im Halbfinalrennen durch einen anderen Fahrer ersetzt. Der Trainer Kusnezow erklärt dies nicht mit eventuellen taktischen Erwägungen, sondern damit, dass „innerhalb des Teams halt eine starke Konkurrenz zwischen den gut ausgebildeten Athleten bestanden hat. Und wir wollten bei der Olympiade, die nicht oft im Leben eines Sportlers vorkommt, möglichst mehr Fahrer einsetzen.“

    • Velodrom von Krylatskoje - Olympia 1980 in Moskau
      Velodrom von Krylatskoje - Olympia 1980 in Moskau
      © Sputnik / Julia Kaminskaja
    • Die sowjetische Bahnrad-Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen in Moskau 1980
      Die sowjetische Bahnrad-Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen in Moskau 1980
      © Sputnik / Yuri Abramotschkin
    • Alexander Kusnezow heute
      Alexander Kusnezow heute
      © Sputnik / Jewgeni Odinokow
    1 / 3
    © Sputnik / Julia Kaminskaja
    Velodrom von Krylatskoje - Olympia 1980 in Moskau

    Im Finale UdSSR-DDR erreichte die Kampfbegeisterung ihren Höhepunkt. Alle waren angespannt, die Fahrer, ihre Trainer und die 6.000 Zuschauer. Auf dem 4. Kilometer der Rennstrecke konnte das DDR-Team das Tempo nicht durchstehen. Es überzeugte auf der ersten Streckenhälfte, aber gegen das Ende fiel ein Fahrer offensichtlich aus der Reihe. So gewannen die sowjetischen Bahnspezialisten, die inzwischen viermal Weltmeister waren, erstmals in der Geschichte auch Olympiagold. Die Besetzung war bei ihnen besonders ausgewogen, sie waren technisch gut geschult und hatten ungeachtet des langwierigen, aus mehreren Runden bestehenden Wettkampfes noch genug Potenzial für alle vier Rennen bewahrt.

    Auf die Frage, wie es ihm gelungen sei, zwei Olympiasieger heranzubilden, erzählte Kusnezow, dass damals in der UdSSR der Grundsatz „vom Anfänger zum Olympioniken“ eingeführt wurde, wobei derselbe Trainer den Sportler vom Beginn bis an das Ende seiner Karriere betreute, ohne ihn anderen Trainern zu überantworten, nicht einmal denen der Nationalmannschaften. „Damit der Athlet nicht von Hand zu Hand geht, was seine individuelle Ausbildung bis zur Teilnahme an den Olympischen Spielen beeinträchtigt hätte. Dies erlaubte es, die wirksamsten Trainingsmethoden für jeden einzelnen zu entwickeln. Auch meine Fahrer haben diesen Weg zurückgelegt.“

    Der Coach gab zu, dass die Aufnahme in die olympische Nationalmannschaft seinen Athleten am schwersten gefallen war. „Für jeden Platz darin gab es sehr starke Bewerber. Dann aber, bei der Olympia, die daheim, in den gewohnten Verhältnissen stattfand, konnte man sich auf jeden Lauf tüchtig vorbereiten.“

    Was die Konkurrenz zur DDR angeht, betonte Kusnezow, dass der Radsport damals in Deutschland zu den am besten entwickelten Sportarten gehörte. „Auch die Sportwissenschaft befand sich zu dieser Zeit in der DDR auf dem neuesten Stand. Diesem kleinen Land gelang es, sich in mehreren Bereichen weltweit hervorzutun. Einer davon war der Sport, bei dem es einiges geleistet hatte. Die DDR-Mannschaft gehörte zu den besten drei der Welt, gemessen an der Gesamtzahl der Olympiamedaillen. In Berlin wurde eine herrliche Rennbahn errichtet und die DDR-Bahnradsportler, vor allem Sprintspezialisten, suchten jahrzehntelang weltweit ihresgleichen, wobei sie in einzelnen Jahren bei Weltmeisterschaften alle drei Podestplätze im Sprint belegten.“

    „Auch auf die Olympischen Spiele von Moskau hatten sie sich gut vorbereitet“, so Kuznezow. „Doch in der UdSSR befand sich der Radsport ebenfalls auf hohem Niveau. Damals hatte unser Land rund 20 Leistungszentren für Radsportler, die nach demselben Schema ‚vom Anfänger bis zum Olympioniken‘ funktionierten. Im Verfolgungsrennen war unser Team zu dem Zeitpunkt das stärkste. Daran bestand kein Zweifel. Die Mannschaft der DDR war aber unglaublich gut in einer anderen Disziplin, dem Sprint.“

    Kusnezow ist immer noch als Trainer tätig und bildet künftige Olympioniken heran. „In unseren Leistungszentren ist eine effiziente Infrastruktur für Kinder wie für Erwachsene bis hin zu den Sportlern des Nationalteams aufgebaut worden.“ Allerdings setzt laut Kusnezow Russland auf die Olympischen Spiele von Tokio, falls diese stattfinden sollten, keine großen Erwartungen. „Wir haben uns nur für Damen-Madison, Mannschaftsausdauerrennen und den Teamsprint qualifiziert.“

    „Dabei haben wir es für die Mannschaftsverfolgung nicht geschafft wegen der schwachen Leistungen bei der vorhergehenden Weltmeisterschaft“, bedauert der Trainer. „Das Team war sehr jung, auch waren drei von den vier Fahrern erkältet. Im letzten Qualifikationsjahr haben wir besser abgeschnitten. Das hat aber nicht gereicht, die früheren Verluste aufzuwiegen. Nun aber haben wir schon ein ziemlich reifes Team, und ich hoffe, dass wir beginnend mit der nächsten WM Schritt für Schritt die ehemaligen Spitzenpositionen wieder erobern werden.“

    Extra für die Olympischen Spiele 1980 wurde die weltweit schnellste Rennbahn gebaut. Für den Fahrbahnbelag wurde sibirisches Lärchenholz als das festeste und geradfaserigste Nadelholz verwendet, wodurch die Wahrscheinlichkeit des Absplitterns und Abplatzens reduziert wurde. An Festigkeit steht es nur der Eiche und einigen afrikanischen Baumgattungen nach. Bereits während der Qualifikationsläufe überboten acht von den 13 Teams den früheren Weltrekord. Ferner ist diese Radrennbahn deshalb interessant, weil sie die weltweit erste 333,33 Meter lange Hallenbahn ist. Vordem wurden Rekorde auf Radbahnen gefahren, deren Länge zwischen 250 und 280 Metern betrug.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Zwischen Jubel und Boykott – Die Olympischen Sommerspiele von Moskau 1980 (21)

    Zum Thema:

    Nord Stream 2: Russischer Botschafter erklärt, was hinter US-Vorgehen steckt
    „Migranten können wir erschießen”: Wirbel um TV-Doku über AfD – Sputnik hakt nach
    Fünf Jahre Befreiungsschlag in Syrien: Warum sich Russland durchgesetzt hat
    „Ich hatte keine Wahl“ – Filmproduzent Jaka Bizilj zu Nawalny und dessen Überführung nach Berlin
    Tags:
    Fahrrad, DDR, UdSSR, Olympische Spiele in Moskau 1980