10:21 27 November 2020
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    Am Samstag, dem 21. November, sollen, erstmals in der russischen Fußballgeschichte, zwei deutsche Cheftrainer aufeinander treffen. Das erhöhte Interesse an diesem historischen Derby ist nicht nur durch die Nationalität der Coachs bedingt. Domenico Tedesco (Spartak) und Sandro Schwarz (Dynamo) bekennen sich zu grundverschiedenen Spielprinzipien.

    Deshalb ist mit einem feurigen Kampf zu rechnen. Das liegt nicht einmal daran, dass die Mannschaften benachbarte Tabellenplätze einnehmen, Spartak den dritten und Dynamo den vierten. Viel spannender wird es sein, das Duell der beiden Repräsentanten der deutschen Trainerschule zu verfolgen. Seitdem Schwarz Dynamo betreut, hat die Mannschaft nacheinander drei Siege mit insgesamt 10 Toren errungen. Aber weitaus wertvoller ist der Umstand, dass sich das Spiel des Teams merklich verbessert hat. Im Gegensatz zu Tedesco, der auf das Abwehrspiel setzt, bringt der neue Trainer den Blau-Weißen einen Kombinationsfußball mit dem Fokus auf Angriff bei, was die Dynamo-Fans durchaus billigen.

    Jetzt lässt sich das Spiel dieser Mannschaft sehen, was unter ihrem früheren Coach nicht der Fall war. Zwar kann man nicht behaupten, Dynamo verdanke sein aktuelles Spiel ausschließlich Schwarz. Er leitet das Team ja noch  nicht allzu lange. Den echten FC Dynamo von Schwarz wird man im Frühling erleben können, vorläufig beschränkt sich der deutsche Trainer auf einzelne Verbesserungen an dem Spiel, das noch von seinem Vorgänger eingerichtet wurde. Er hat die Zusammensetzung stabilisiert und das bisherige Spielschema durch das Angriffsspiel ersetzt. Dabei lässt sich die Abwehr von Dynamo nicht als sicher bezeichnen.

    Dynamo hat eine ausgewogenere und kompetentere Zusammensetzung als Spartak, besonders in der Mittelreihe, die während des Spiels über den Vorsprung entscheidet. Die Dynamo-Flügelstürmer sind im Dribbeln anderen überlegen. Nicht zufällig kostet jetzt ein Spiel gegen Dynamo seinen Gegnern selten keinen Platzverweis oder keinen Elfmeter wegen Fouls an schnellen und technisch perfekten Spielern.

    Darüber hinaus hat Sandro Schwarz, der von den Fans in Sascha Tschornyj umgetauft wurde (im vergangenen Jahrhundert lebte in Russland auch ein lyrischer Dichter dieses Namens), russische Jugend in die Nationalmannschaft delegiert, drei Spieler auf einmal. Ferner ist zu betonen, dass die Dynamo-Burschen inzwischen nicht nur kämpfen, indem sie sich ganz dem Spiel hingeben, sondern auch versuchen, sich daraus ein Vergnügen zu machen. Schwarz weiß wirklich, wie man mit dem Nachwuchs arbeitet (er scheut sich wenigstens nicht, dem zu vertrauen), wovon seine Erfahrungen von Mainz zeugen, und bringt den jungen Spielern eine angreifende Taktik bei. Jedenfalls kann er diesen Talenten das vermitteln, wofür die deutsche Trainerschule so berühmt ist: die Einsicht, dass Talent allein im Fußball nicht ausreicht. „Ordnung und Arbeit“ gehören mit dazu.

    Nach dem allgemeinen Eindruck und nach dem Zwischenergebnis zu urteilen ist der neue Coach im Begriff, ein gutes Team zu formen. Während es früher fünf Torversuche brauchte, um ein Tor zu schießen, setzt Dynamo inzwischen eine von zwei Torchancen um.

    Schwarz sagt, er wisse wohl, bei welchem Club er sich engagiert hat. Er kenne dessen ruhmreiche Geschichte. „Man braucht nicht extra zu erwähnen, dass Dynamo eine ambitionierte Führung hat. Ich bin nicht weniger ambitioniert, das können Sie mir glauben. Ich bin nach Russland gekommen, nicht um die Zeit zu verschwenden, sondern um mit dem Team etwas zu erreichen. Meine Hauptaufgabe ist, bessere Trainingsstunden durchzuführen, um die Spieler zu entwickeln und ihnen unsere Ideen zu vermitteln.“

    Die ersten Eindrücke von dem russischen Fußball

    Sandro Schwarz: „Die russische Premier Liga wird schlechter bewertet, als sie in Wirklichkeit ist. Man sollte sie nicht unterschätzen. Wir sind auf Teams getroffen, die zur Spitzengruppe gehören, aber auch auf solche, die darum kämpfen, nicht abzusteigen. Und jedes Mal stießen wir auf äußerst harten Widerstand. Man musste seine Fähigkeiten zu 100 Prozent entfalten, um zu gewinnen. Aus taktischer Sicht liegt der Fußball in Russland auf gutem Niveau. Auch Dynamo haben wir in einem guten Zustand übernommen und nur versucht, einzelne Momente zu verändern, was die Taktik anbelangt. Ich bin davon angenehm überrascht, wie willig die Spieler unsere Ideen aufnehmen.“

    Die Fans hoffen, dass Dynamo wieder einen spektakulären Fußball bieten wird. Dass die Mannschaft schön spielen wird, statt ein Tor zu erzielen und dann den Vorsprung mit allen Kräften zu halten, wie es bisher der Fall war. Darin sehen einige die neue Philosophie des offensiven Spielstils des namhaften Jürgen Klopp, der gemeinsam mit Schwarz dem FSV Mainz in die Bundesliga verholfen hat. Experten nahmen eine gewagte Figur unter den Cheftrainern im russischen Fußball zur Kenntnis. Das bedeutet, dass die heimische Premier Liga interessanter werden muss.

    Laut Sandro Schwarz hat er von dem historischen Derby zwischen Spartak und Dynamo viel gehört.

    „Ich bin auf ein hartes Treffen gefasst. An Spartaks Spielart erkennt man die Hand von Tedesco. Wir wissen, dass er starke Stürmer hat. Wir müssen konstruktiv und aggressiv spielen, Momente für einen schnellen Übergang aus der Defensive zum Angriff finden.“

    Tedesco seinerseits versteht sich darauf, während des Spiels das Steuer so umzuwerfen, dass es ihn zum Sieg führt, auch ohne Spieler zu wechseln, weil die Ersatzbank halb leer steht. Keiner kann begreifen, wie er das erreicht, aber es gelingt ihm zuweilen, seinen Schützlingen ein unvorstellbares Selbstvertrauen einzuflößen. Als er vor einem Jahr in Russland angekommen war, verhalf er Spartak zu einem Spiel mit präziser Abwehr und schnellen Gegenangriffen. Diese seine Spielart ist auch effizient. Es kommen zwar Patzer vor, bedingt durch das junge Alter einiger Abwehrspieler und des Torhüters, aber den Abwehrspielern passiert es nie, dass sie nicht wissen, wohin sie laufen und was sie tun sollen. Dabei hat Spartak die jüngste Mannschaft in der Premier Liga.

    Tedescos Hingebung für den Fußball, seine Emotionen am Feldrand gefallen vielen. Man merkt ihm an, dass ihm der Fußball und die Mannschaft am Herzen liegen. Manchmal lässt er sich von Emotionen überrennen, kriegt gelbe Karten, dreht durch und wird des Feldes verwiesen. Das bedeutet aber eins: Er lebt für das Team, und das Team spürt es. Das Fußballspiel von Spartak macht den Fans einfach Spaß. Sie sehen zwar Fehler, Mängel, aber auch den Fußball, das Feuer in den Augen der Spieler.

    Die Einstellung von Tedesco bei Spartak sorgte anfänglich für Skepsis, die vom Interesse jetzt abgelöst wurde, nachdem die Fortschritte der Mannschaft und ihr zeitgemäßes Fußballspiel allen sichtbar wurden. Versucht Tedesco den gleichen Spielstil zu implementieren wie bei FC Aue und Schalke? Seine grundlegenden Prinzipien sind dieselben wie in Deutschland geblieben. Jetzt spielt aber Spartak, nach Meinung von Fußballexperten, in einer konstruktiveren Manier als Schalke unter Tedesco. Dieser gehört zu der neuen Welle junger deutscher Trainer, die zur taktischen Vielfalt fähig sind.

    Tedesco über das Spiel gegen Dynamo: „Jetzt sind sie gut, auch vordem haben sie ein cooles Niveau aufgewiesen. Sie haben eine ansehnliche Folge von Siegen zu verbuchen. Wir werden unser Bestes und alles Mögliche tun, um diese zu unterbrechen. Spartak besitzt ein hohes Potenzial und eine ansehnliche Auswahl an Spielern.“

    „Bei Tedesco und Schwarz handelt es sich um Produkte der weltbesten Trainerausbildung“, meint der Kommentator Sergej Kriwochartschenko, ein Kenner des deutschen Fußballs. „Zwei deutsche Cheftrainer in Russland, dazu in so namhaften Teams wie Spartak und Dynamo, werden unsere Liga bereichern. Mit ihrer Philosophie sind wir leider nicht gerade vertraut. Wir haben Mannschaften mit einer modernen Spielweise, deren Stil an Bundesliga-Clubs erinnert, dessen können sich aber bei Weitem nicht alle rühmen.“
    Spartak und Dynamo sollen in Anwesenheit von 7.000 Fans aufeinander treffen. Früher hat der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin eine Verordnung erlassen, laut der die Fußballstadien während der Pandemie nicht über 25 Prozent ihrer Zuschauerkapazität ausgefüllt werden dürfen.

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    Tags:
    Domenico Tedesco, Spartak, Russland, Fußball