12:06 20 Oktober 2020
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    Der neue russische Weltraumbahnhof Wostotschny hat seinen Erststart hinter sich: Eine Sojus 2.1a-Trägerrakete hat am Donnerstag drei Satelliten ins All gebracht. Laut Wladimir Putin, der den Start vor Ort beobachtete, kann man auf den Erfolg stolz sein. Dieses Startgelände soll Russland künftig den ersten bemannten Mond-Flug ermöglichen.

    „Wir haben es geschafft“, sagte Vizepremier Dmitri Rogosin nach dem erfolgreichen Start im Fernost-Gebiet Amur. Im russischen Kabinett ist Rogosin insbesondere für die Raumfahrt zuständig und hatte die Vorbereitungen am neuen Weltraumbahnhof regelmäßig inspiziert.

    Auch Igor Komarow, Chef der russischen Raumfahrt-Holding Roskosmos, war gut gelaunt. „Der heutige Tag darf als Beginn der Arbeit des Kosmodroms bezeichnet werden. Ich möchte allen gratulieren, die dafür gefiebert haben, allen Mitarbeitern der Raketen- und Raumfahrtbranche und den zuständigen Bauarbeitern. Heute werden wir uns freuen und feiern“, sagte Komarow, wie die Onlinezeitung gazeta.ru berichtete.

    Präsident Wladimir Putin wandte sich unmittelbar an die Mitarbeiter des Kosmodroms: „Ich möchte Ihnen gratulieren. Man kann stolz sein. Gestern hat die Technik etwas übereifrig funktioniert. Im Prinzip hätte man auch gestern starten können, doch die übereifrige Technik stoppte den Start. Das ist normal.“

    Der Start hätte bereits am Mittwoch stattfinden sollen, doch die Startsequenz wurde im allerletzten Moment unterbrochen. Roskosmos-Sprecher Igor Burenkow erläuterte im Radiosender Kommersant FM: „So etwas passiert ziemlich oft. Selbst ein Bügeleisen geht manchmal kaputt – und eine Rakete ist ein viel komplizierterer Mechanismus. Die Automatik sendet ein allgemeines Signal – dieses besagt, dass es gewisse Störungen gibt.“

    Jene Störungen bedeuteten aber nach Angaben des Sprechers keine Havarie. Alle Systeme des Kosmodroms blieben, wie es hieß, völlig intakt. Tatsächlich verlief der auf Donnerstag verschobene Start planmäßig. 

    Die Tageszeitung „Iswestija“ kommentiert am Donnerstag in ihrer Onlineausgabe: „Das US-Magazin ‚Popular Mechanics‘ hatte in der vergangenen Woche den Weltraumbahnhof Wostotschny als ‚Putins neues Kosmodrom‘ bezeichnet (…) In diesem Fall kann man sagen, dass die Definition gerechtfertigt ist. Es geht nicht nur darum, dass Putin im Jahr 2007 ein Dekret über den Bau des Kosmodroms im Gebiet Amur erlassen hatte, sondern eher darum, dass ausgerechnet Putin 2011 auf der weiteren Umsetzung des Projekts bestand, obwohl man für diese Zwecke viel Geld bereitstellen musste.“

    Nach Angaben von Roskosmos sollen dort nun acht bis zehn Raketenstarts jährlich ab 2018 stattfinden. Nach 2023 ist die erste bemannte Mission erwartet. Inzwischen die neue Trägerrakete Angara-A5W entwickelt. Deren erster Start findet voraussichtlich 2025 oder 2026 statt. Ausgerechnet diese Rakete soll später einen bemannten Flug zum Mond ermöglichen. 

    „Nun haben wir jenen Startplatz, von dem aus die erste Mond-Mission einmal starten soll, erstmals im Einsatz beobachtet. Der erste Schritt ist sehr wichtig, er prägt sich für das ganze Leben ein“, so der Kommentar von „Iswestija“.

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