08:05 22 September 2020
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    Russisches Raumfahrtprogramm (250)
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    Russland errichtet sich ein nationales ziviles Kosmodrom auf seinem eigenen Territorium und beginnt eine neue Etappe der Weltallforschung. So bewertet der angesehene Raumfahrtjournalist und Autor der Dokumentation über Juri Gagarin Gerhard Kowalski den ersten Raketen-Start vom neuen Weltraumbahnhof Wostotschny im Fernen Osten des Landes.

    Ihn hat es gewundert, dass Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion immer noch auf Kasachstan angewiesen wurde, da die meisten Raketenstarts, darunter auch die bemannten an dem legendären Startplatz Baikonur stattfinden. „Jetzt hat Russland begonnen, sich unabhängig zu machen“, sagte er im Sputniknews-Interview mit Nikolaj Jolkin. „Es ist eine wichtige Frage der nationalen Sicherheit.“

    Der erste Schritt würde getan, als eine bewährte Sojus-Rakete von der neuen Rampe zum ersten Mal gestartet sei. „Für das nächste Jahr werden zwei weitere Starts geplant und für 2018 sechs. Wichtig ist, dass man noch in diesem Jahr eine neue Startrampe für den neuen Raketentyp Angara zu bauen beginnt, die es ermöglicht, schwere Nutzlasten und das neue bemannte Raumschiff „Federazija“ (Föderation) ins All zu schießen, um zum Mond und Mars zu fliegen. Das ist ein Transportkomplex der neuen Generation, der mit modernster Technik ausgestattet wird und mehrfach verwendbar ist.“

    Im Moment könne aber keine bemannte Sojus-Rakete vom neuen Weltraumbahnhof Wostotschny starten, setzt der Forscher fort. „Deshalb ist Baikonur, das Moskau für jährlich 115 Millionen Dollar bis 2050 von Kasachstan gepachtet hat, auch in den kommenden etwa zehn Jahren unverzichtbar. Das ist aber immens viel Geld. Zwar hat Russland eine strategische Allianz mit Kasachstan, wäre es aber für das Land als Weltallgroßmacht viel nützlicher, wenn sie einen eigenen Startplatz für bemannte Raumschiffe auf ihrem eigenen Territorium hätte. Denn es gibt ab und zu einen Streit mit Kasachstan über die Proton-Raketen mit hoch toxischen Treibstoffen, die der Umwelt schaden können, wenn etwas passiert, obwohl das unter den beiden Ländern ordentlich geregelt wurde.“ 

    Fotos: Gelungener Start: Raketen-Uraufführung auf Weltraumbahnhof Wostotschny

    Das Kosmodrom Wostotschny wurde in der Amur-Region gut 100 km östlich der Grenze zu China errichtet. Die Sojus-2.1a mit drei Forschungssatelliten an Bord startete um 4.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit (11.01 Uhr Ortszeit), flog zunächst über das kaum besiedelte Nordsibirien und setzte dann rund 500 Kilometer über der Erde die drei Satelliten Lomonossow, Aist-2D und SamSat-218 aus. Sie sollen unter anderem Lichtphänomene und Strahlungswerte bestimmen.

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    Weltraumbahnhof Wostotschny, Weltraumbahnhof Baikonur, Sojus-Raumschiff, Angara, Wostotschny, Mond, Mars, Kasachstan, Russland