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01:10 18 Juli 2019
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    RD-180-Triebwerke

    Experten: Welche Gefahr birgt Verzicht auf russische Triebwerke für US-Raumfahrt?

    © Sputnik / Sergei Pyatakov
    Technik
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    Trotz der erklärten Absicht des US-Kongresses, der Abhängigkeit von russischen Raketentriebwerken RD-180 ein Ende zu setzen, könnte ein Verzicht darauf viel ernsthaftere Folgen haben, als die Beamten vermuten, schreibt die Zeitschrift „National Interest“ unter Berufung auf Experten des Lexington Institute.

    Es geht nicht nur darum, dass diese Lösung den Steuerzahler finanziell belastet – der Verzicht auf russische Triebwerke könnte gefährlich werden, so die Experten. Es gebe vier äußerst wichtige Gründe, warum man nicht schnellstmöglich auf RD-180 verzichten sollte.

    Erstens würden die Kosten für den Start der wichtigsten Satelliten um ein Mehrfaches steigen. Die russischen Triebwerke werden in Raketenträgern der Atlas-Familie eingesetzt, die im US-Weltraumprogramm am weitesten verbreitet sind. Als Alternative könnte Delta auftreten, doch der Start einer Rakete dieser Familie ist dreimal so teuer wie der Start von Atlas-Raketenträgern. Das bedeutet zusätzliche Milliarden US-Dollar an Kosten.

    Zweitens entstünde ein Problem mit dem Transport der Satelliten auf die Umlaufbahn. Das betrifft vor allem Satelliten, die zur Warnung vor Raketenangriffen, zur Beobachtung und zu anderen Militärzwecken eingesetzt werden. Solche Satelliten sind gewöhnlich schwer, auch die Raketen des SpaceX-Unternehmens, die den USA jetzt zur Verfügung stehen, können diese nicht auf einen hohen Orbit bringen.

    Drittens sei für den Bau von neuen Raketen viel Zeit erforderlich. Beim Verzicht auf Atlas müsste das Pentagon neue Delta-Raketen bauen, was von Anfang an nicht geplant war. Dies würde nicht nur Finanzressourcen, sondern auch Geduld erfordern – niemand weiß, wann die neuen Raketen zur Verfügung stehen würden. Im Ergebnis könnte es dazu kommen, dass die USA ihre Raketenstarts nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt absolvieren können. 

    Zudem könnte das Verbot für russische Triebwerke dazu führen, dass das Pentagon nicht imstande sein wird, die militärische Aktivität seitens Russlands zu beobachten „Falls Probleme mit Delta entstehen, werden die USA keine Möglichkeit haben, auf dem Orbit Warnungs- und Spionagesatelliten zu stationieren“, schreibt die Zeitschrift.

    „Warum will der Kongress etwas machen, was, wie Kritiker befürchten, Putin will – auf Triebwerke verzichten, die für den US-Zugang zum Weltraum lebenswichtig sind?“, so die Experten.

    Pentagon-Chef Ashton Carter hatte den Kauf von Raketentriebwerken RD-180 bei Russland zuvor als „unangenehme Notwendigkeit“ bezeichnet. Seinen Worten zufolge muss das US-Militär wohl oder übel bis zu 18 weitere Triebwerke kaufen, weil es an einer annehmbaren Alternative mangelt.

    Auf Initiative von US-Senator John McCain hatte der Kongress 2014 beschlossen, auf russische Triebwerke zu verzichten und die Entwicklung von US-Analoga zu beschleunigen. Doch dieses Verbot wurde später in einem Haushaltsgesetz aufgehoben, das im Dezember 2015 in Kraft trat und bis Oktober 2016 gültig ist. Das Pentagon ist nach eigenen Angaben weiterhin dazu bereit, auf russische Triebwerke zu verzichten, aber das wird mehr Zeit als geplant erfordern.

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    Raketentriebwerk RD-180, Pentagon, Russland, USA