01:21 14 Dezember 2018
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    Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot

    Stratfor-Chef: US-Raketenabwehr in Rumänien sinnlos gegen Russland

    © AFP 2018 / Kim Jae-Hwan
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    US-Raketenabwehr in Europa (57)
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    Für die Raketenabwehr in Europa hat der US-Stützpunkt in Rumänien nach Ansicht George Friedmans, Gründer des privaten Think-Tanks „Stratfor“ und Herausgeber des Online-Magazins „Geopolitical Futures“, eher einen symbolischen denn einen praktischen Wert.

    Bei einem Massenangriff, so der US-Analyst, mache das System absolut keinen Sinn: „Das System ist dafür ausgelegt, eine oder mehrere auf weite Gebiete ausgerichtete Raketen – ihre genaue Anzahl ist unbekannt –, abzufangen. Es wird sich nicht als effektiv gegen Russland erweisen, sollte Moskau sich plötzlich dazu entschließen, einen Nuklearschlag gegen Europa zu führen. Die Möglichkeiten des Systems werden schon von einer relativ kleinen Zahl von Raketen übertroffen“, erklärt der Experte und betont: „Das System macht absolut keinen Sinn, wenn Russland einen massiven Angriff startet. Und so wird ein Angriff sein, sollte Russland sich dazu entschließen“, so der Politologe.

    Mehr zum Thema: US-Experte: Raketenschild der USA in Europa technisch gesehen lächerlich

    Friedman erklärt, dass die Kernwaffen in den USA entwickelt worden seien, „um Flächenbombardements aus der Luft zu ersetzen, die derart ungenau waren, dass für die Zerstörung einer Fabrik tausende Bomben gebraucht wurden.“ Die Kernwaffen hätten sich, so Friedman weiter, als eine unfassbar effektive Massenvernichtungswaffe erwiesen. Das Konzept, wonach mit einem Schlag eine große Zahl von Menschen vernichtet wird, habe die Atombomben von einer einfachen Waffe in eine Ausgeburt der Hölle verwandelt.

    „Jedermann kennt Hiroshima, an das Bombardement von Tokio erinnert sich nahezu niemand“, bringt es der US-Analyst auf den Punkt.

    Eine nukleare Apokalypse ist laut dem Politologen leicht vorstellbar. Weitaus schwieriger ist es, sich die Gründe dafür vorzustellen, dass ein Land einen Krieg gegen eine Nuklearmacht beginnt.

    Die Rationalität sei die Schlüsselfrage bei der Anwendung von Nuklearwaffen. Wozu ein atomarer Schlag gegen die Infrastruktur oder gar die Städte des Gegners, wenn es dafür inzwischen Präzisionswaffen gebe? „Das ist unvernünftig, wie man es dreht und wendet. Und die einzige Erklärung ist der Wahnsinn derjenigen, die diese Entscheidung treffen“, betont Friedman und verweist auf Kubricks „Dr. Seltsam“: „In dem berühmten Film beschließt ein wahnsinnig gewordener General der US-Air Force B-52-Bomber gegen die Sowjetunion loszuschicken. Dr. Seltsam war ein völliger Psychopath. Und auch der sowjetische Botschafter in Washington hat den Verstand verloren.“ Mit der Verwirklichung eines nuklearen Szenarios sei nur zu rechnen, wenn eine Massenpsychose eines der Länder ergreife, resümiert Friedman.

    „Kriege werden mit Hubschraubern, Schützenpanzern und Spezialsoldaten, die Raketen auf Panzer abfeuern, geführt. Das ist das Wesen des Krieges“, so der Experte.

    Die Raketenabwehrsysteme in Rumänien, Polen und den Baltischen Staaten seien für kriegerische Auseinandersetzungen hingegen weniger entscheidend. Sie seien auf die Eindämmung unwahrscheinlicher Gefahren ausgerichtet und seien nur ein Symbol für die politischen Verpflichtungen Amerikas, diese Länder zu verteidigen, so das Fazit Friedmans.

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