07:37 22 August 2017
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    Railgun

    Skepsis über neue US-Superwaffe: „Dem Steuerzahler tief in die Tasche greifen“

    © Flickr/ U.S. Navy/John F. Williams
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    Der jüngste Test einer Railgun für die US-Navy hat auch in Russland für Aufsehen gesorgt. Russische Militärexperten bescheinigen diesem Waffensystem zwar gewisse Vorteile, bezweifeln aber generell seine Effizienz im Verhältnis zu bewährten Geschützen.

    Der russische Militärexperte und Buchautor Alexander Schirokorad sagte dem TV-Sender Swesda: „Was ist eigentlich eine Railgun? Das ist eine (nicht gerade die beste) Bezeichnung für eine elektromagnetische Kanone. Ein Geschütz also, in dem ein Projektil nicht durch die physikalische Energie des Schießpulvers beschleunigt wird, sondern durch ein elektromagnetisches Feld.“

    „Auf einem Schiff lassen sich natürlich äußerst starke Generatoren  für solch eine elektromagnetische Kanone montieren. Diese soll dann land-, luft- und seegestützte Ziele effizient unter Beschuss nehmen“, so Schirokorad.

    Der Militärexperte Konstantin Siwkow erläuterte für die Onlinezeitung vz.ru: „Mittels eines elektromagnetischen Feldes lässt sich ein Projektil auf eine nahezu kosmische Geschwindigkeit beschleunigt werden. Außerdem können Ziele in einer sehr großen Entfernung getroffen werden.“

    Siwkow betonte aber, es handle sich keineswegs um eine absolute Waffe: „Starke elektromagnetische Felder verraten beispielsweise den Aufenthalt jener Militärtechnik, die mit Railguns ausgerüstet ist. Außerdem wäre ein riesiger Stromvorrat nötig.“

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    Auch Schirokorad bezweifelte, dass eine Railgun von ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis besser wäre, als ein bewährtes Artilleriegeschütz: „Bei gleichem Gewicht sind übliche Systeme vorerst in der Lage, um eine oder um zwei Größenordnungen effizienter zu funktionieren.“

    „Eine elektromagnetische Kanone ist ein sehr effizientes und günstiges Mittel, um den Steuerzahlern tief in die Tasche zu greifen. Für Experimente mit elektromagnetischen Waffen kann man ja Milliarden ausgeben und Prototypen erfolgreich demonstrieren“, sagte Schirokorad. Es stehe dabei nicht fest, dass Vorführungen auf Versuchsgeländen auf eine Indienststellung hinauslaufen werden.

    Alexej Fenenko, Dozent an der Fakultät für Weltpolitik der Staatsuniversität Moskau, sagte der Agentur Ria Novosti, die neue Waffe werde kaum Folgen für die militärische Balance weltweit haben: „Mehrere Kanonen sind nicht in der Lage, die Konstellation wirklich zu beeinflussen.“

    Über erfolgreiche Tests eines Railgun-Prototyps im Interesse der US-Navy hatte kürzlich das „Wall Street Journal“ berichtet. Auch ein entsprechendes Video wurde veröffentlicht. Die Waffe ist in der Lage, ein Projektil auf eine Geschwindigkeit von 1,5 Kilometer pro Sekunde zu beschleunigen. Wie es hieß, soll die neue Entwicklung zur militärtechnischen Überlegenheit der USA gegenüber Russland und China beitragen.

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    Tags:
    Railgun, Alexej Fenenko, Alexander Schirokorad, USA
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