01:56 30 Oktober 2020
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    Neue Waffen für russische Armee (670)
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    Russland will einem Zeitungsbericht zufolge seinen Seezielflugkörper Granit erstmals allen Interessierten zeigen. Diese Rakete steht seit Jahren der russischen Kriegsmarine zur Verfügung und wird oft als „Flugzeugträger-Killer“ bezeichnet. Doch nun soll sie von einem moderneren Waffensystem abgelöst werden.

    Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Donnerstag berichtet, soll der Überschall-Seezielflugkörper Granit (Nato-Codename: SS-N-19 Shipwreck) erstmals im Rahmen einer ständig funktionierenden Ausstellung öffentlich gezeigt werden. Die Ausstellung ist in Kubinka bei Moskau geplant.

    Wladimir Poljatschenko, Experte des zuständigen Raketenbauers NPO Mash, sagte dem Blatt, die Granit-Rakete sei eine Fire-and-Forget-Waffe mit Elementen der künstlichen Intelligenz: „Die abgefeuerten Raketen ‚entscheiden‘ selbständig, welches Ziel im anvisierten Schiffsverband am ‚wertvollsten‘ ist, und teilen die Rollen untereinander auf. Sie entscheiden also, wer von ihnen angreift und wer Deckung gibt. Danach schlagen sie zu. Es ist dabei unmöglich, Granit-Raketen mit Flugabwehr-Optionen eines Schiffs zu orten und abzufangen.“

    Um Fehler bei einem Angriff auszuschließen, speichert die EDV-Anlage jeder Rakete laut Entwicklern digitale „Portraits“ aller gegenwärtigen Schiffsklassen. Es geht dabei nicht nur um deren Abmessungen und Abrisse, sondern auch um Parameter elektromagnetischer Felder, die verschiedenen Schiffen eigen sind. Der Seezielflugkörper kann auch Typen von Verbänden erkennen, um etwa einen Konvoi von einer Flugzeugträger-Kampfgruppe zu unterscheiden. Er speichert auch Daten, die dabei helfen sollen, gegnerischen Störsendern zu widerstehen und Flugabwehr-Waffen zu weichen.  

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    Diese Seezielflugkörper stehen Atomkreuzern der Orlan-Klasse (Projekt 1144) sowie Atom-U-Booten der Antej-Klasse (Projekt 949) zur Verfügung. Jahrelang hatten westliche Geheimdienste, so der Bericht weiter, das äußere Erscheinungsbild von Granit nicht gekannt. Erst im Jahr 2001, als das verunglückte Atom-U-Boot Kursk in der Barentssee geborgen wurde, konnten Reporter auch filmen, wie man Raketen aus Startvorrichtungen holte.

    Poljatschenko erläuterte: „Das U-Boot lag mehr als ein Jahr lang auf dem Meeresgrund – man befürchtete, dass das dortige Milieu die Raketen beschädigen und gefährlich machen konnte. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Raketen jene schreckliche Explosion nicht nur verkraften konnten, sondern auch völlig funktionsfähig blieben. Wir vergewisserten uns davon, als jede der 24 mitgeführten Raketen an speziellen Prüfständen überprüft wurde.“

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    Im Zuge der Modernisierung der russischen Kriegsflotte sollen Granit-Raketen nun von moderneren Seezielflugkörpern des Typs Onyx abgelöst werden. Das erste Schiff der Orlan-Klasse wird im nordrussischen Sewerodwinsk, das erste Atom-U-Boot der Antej-Klasse im Fernen Osten bereits auf die entsprechende Umrüstung vorbereitet.

    „All dies ermöglicht nun, die Gestaltung der Granit-Rakete offenzulegen, die die Überlegenheit der sowjetischen Kriegsmarine über US-amerikanische Flugzeugträger jahrelang bestimmt hatte“, so Poljatschenko.

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    Tags:
    Granit, Russland