03:28 05 Dezember 2020
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    Ballons kommen bereits im Interesse der russischen Streitkräfte zum Einsatz – nun gibt es neue Entwicklungsprojekte auf diesem Gebiet. Experten sprechen schon von „strategischen Luftschiffen“. Das Verteidigungsministerium nimmt den Bereich Aeronautik stärker ins Visier.

    Wie der TV-Sender Swesda berichtet, finden derzeit Fesselballons militärische Anwendung. Sie sind in der Lage, die Gegend wochenlang aus der Höhe zu beobachten. Ein Fesselballon kam etwa zum Einsatz, um den syrischen Stützpunkt Chmejmim zu bewachen, wo russische Fliegerkräfte stationiert waren. Er konnte Daten direkt an die Führungszentrale in Moskau liefern. 

    Im Vergleich zu konventionellen Drohnen können solche Ballons nicht nur viel länger in der Luft bleiben, sondern auch mehr Nutzlast tragen. Der Nachteil besteht darin, dass sie nicht direkt am Kampffeld eingesetzt werden, sonst kann der Gegner sie abschießen.

    Das brennende Luftschiff LZ 129 Hindenburg am 6.5.1937 in Lakehurst
    © Foto : US Navy
    Das brennende Luftschiff LZ 129 Hindenburg am 6.5.1937 in Lakehurst

    Neben Fesselballons wird aber auch an unbemannten Luftfahrzeugen getüftelt, die leichter als die Luft sind. Sie sollen weite Flüge in großen Höhen absolvieren – bis hin zur Stratosphäre. Michal Talesnikow, Geschäftsführer des russischen Herstellers Augur, sagte dem Sender: „Es gibt mehrere Entwicklungsprojekte für unbemannte Luftfahrzeuge von dieser Art – sowohl taktische als auch strategische. Sie unterscheiden sich voneinander vor allem durch ihre Flugdauer. Die ersteren sollen ungefähr 24 Stunden lang ohne Zwischenlandung in der Luft bleiben, die letzteren deutlich länger – bis zu mehreren Monaten. Die taktischen Projekte befinden sich in der Phase von Erprobungsmustern,  bei den strategischen handelt es sich um Entwürfe.“

    © RIA Novosti
    Felix Baumgartner gelingt Rekordsprung aus Stratosphäre

    Das bei Moskau ansässige Konstruktionsbüro DKBA entwickelte beispielsweise das Luftschiff DP-27 Anjuta. Dieses soll Wassergebiete, Staatsgrenzen, Verkehrsader und Baustellen aus der Luft beobachten, aber auch bei Massenveranstaltungen und Rettungseinsätzen zum Einsatz kommen. Ein Prototyp wird bereits getestet.

    Ein „strategisches Luftschiff“ mit dem Namen Berkut, so der Bericht weiter, wird etwa vom russischen Unternehmen RosAeroSystems konzipiert. Es soll Solarmodule haben und in der Lage sein, in 20 bis 23 Kilometer Höhe zu schweben. Ein solches Luftschiff ist voraussichtlich 150 bis 250 Meter lang – je nach der Modifikation. Der Entwickler rechnet mit sechs Monate langen Flügen ohne Zwischenlandung.

    Ein wichtiges Problem ist die Abhängigkeit solcher Luftfahrtzeuge von Wetterbedingungen. Drohnen-Experte Igor Tabatschuk sagte: „Es kommt auf die Anwendungstaktik und auf den Preis an. Bei gewissen Verhältnissen wäre der Einsatz solcher Fluggeräte möglicherweise gerechtfertigt. Doch soviel ich mich erinnern kann, ermöglichen die Wetterbedingungen in Russland Einsätze nur drei Monate pro Jahr. In den restlichen Monaten werden diese Luftfahrzeuge also nutzlos sein.“

    Talesnikow erwidert, solche Fluggeräte seien technisch immer besser: „Mittlerweile sind fähig, starke Windstöße zu verkraften. Und wenn wir von Flügen in der Stratosphäre sprechen, gibt es dort deutlich wenig Wind. Ein Einsatz wäre also möglich, selbst wenn es unten zu Windböen kommt.“

    Es wird auch darüber diskutiert, ob Luftschiffe für Gütertransporte in abgelegene Gebiete eingesetzt werden könnten. Kritiker sind skeptisch. Der Luftfahrt-Experte Wladimir Karnosow sagte dem Sender: „Das Hauptproblem solcher Fluggeräte ist ihre geringe Mobilität. Ein Luftschiff fliegt nur etwas schneller als ein Zug. Und sobald das Luftschiff seine Fracht endlich zugestellt hat, braucht es ebenso viel Zeit, um zurückzufliegen. Deshalb ist der kommerzielle Wert solcher Luftfahrzeuge fraglich.“

    Trotzdem laufen entsprechende Entwicklungsarbeiten weiter. Ein experimentelles unbemanntes Luftschiff des Typs DP-29 wurde im Mai bei einer Ausstellung nahe Moskau demonstriert. Vorerst absolviert es nur stündige Flüge. Doch, wie ein Sprecher des Konstruktionsbüros DKBA erläuterte, zielt das Projekt darauf ab, Großraumladungen etwa in jenen arktischen oder sibirischen Regionen zu transportieren, wo es keine passenden Verkehrsadern gibt.  

    Nach Angaben der Tageszeitung „Iswestija“ hatte das russische Verteidigungsministerium ein kürzlich ein Entwicklungskonzept in Sachen Aeronautik verabschieden. Es geht um Luftschiffe und Ballons. Eine zuständige Abteilung soll im Rahmen der Luftwaffe zustande kommen.

    Arkadi Syrojeschko, Programmleiter für Drohnen im Konzern Vega (Teil der Staatsholding Rostec), sagte dem Blatt, dass inzwischen neuartige Werkstoffe für Beschichtungen von Ballons und Luftschiffen industriell produziert werden. „Mehrere Jahre lang haben wir darauf hingearbeitet. Gemeinsam mit Vertretern des Verteidigungsministeriums testen wird nun erfolgreich ein grundsätzlich neues Aeronautik-System für die Luftwaffe. Außerdem treten mehrere weitere Technik-Muster in die Schlussphase ihrer Entwicklung ein“, so Syrojeschko.

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    Tags:
    Fesselballon, Drohnen, Konzern Vega, Arkadi Syrojeschko, Wladimir Karnosow, Igor Tabatschuk, Russland