04:31 25 September 2017
SNA Radio
    Das Flaggschiff des Projekts „Arktika“ beim Stapellauf im Baltischen Werk in Sankt Petersburg.

    Neuer Atomeisbrecher: „Russlands bedingungslose Führung“

    © Sputnik/ Ramil Sitdikov
    Technik
    Zum Kurzlink
    0 49039211

    Nach dem Stapellauf des weltweit größten Atomeisbrechers „Arktika“ erklären Experten, wozu Russland eigentlich solche Schiffe braucht. Schiffstransporte entlang der russischen Arktis-Küste sollen bald drastisch zunehmen.

    Derzeit baut nur Russland atomgetriebene Eisbrecher. Die in St. Petersburg ansässige Werft Baltic Shipyard ist dafür zuständig. Roman Tschernigowzew, Sprecher der Schiffsbau-Holding USBC, sagte der Onlinezeitung vz.ru: „Selbst wenn jemand auf den Gedanken gekommen wäre, einen Atomeisbrecher im Ausland zu bestellen, hätte man dort keinen Auftragnehmer gefunden.“

    Wjatscheslaw Rukscha, Geschäftsführer des staatlichen Atomeisbrecher-Betreibers Atomflot, bestätigte: „Unser Land besitzt eine einzigartige Atomeisbrecher-Flotte. Der Bau solcher Schiffe unterstreicht Russlands bedingungslose Führung auf diesem Gebiet.“

    Der jetzt vom Stapel gelassene Eisbrecher „Arktika“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen sowjetischen Eisbrecher) ist der größte weltweit und Typschiff des neuen Projekts 22220. Er ist 173,3 Meter lang und 34 Meter breit. Schiffe dieser Klasse sollen in der Lage sein, eine 2,9 Meter dicke Eisdecke zu überwinden.

    Die neue „Arktika“ hat zwei russische Reaktoren des Typs RITM-200. Die elektrotechnischen Systeme sind nach Angaben der USBC ebenfalls aus russischer Produktion – zuvor hatte Russland sie meistens importiert.

    Mehr zum Thema: Russische Kriegsflotte bestellt schwerbewaffnete Eisbrecher 

    Rukscha erläuterte, Eisbrecher des Projekts 22220 seien voraussichtlich fähig, Schiffstransporte entlang der ganzen russischen Arktis-Küste rund ums Jahr zu sichern: „Sie sollen jene Schiffe begleiten, die Öl und Gas von Vorkommen der Jamal- und der Gydan-Halbinsel sowie vom Festlandsockel der Karasee aus transportieren – auf Märkte im Atlantik- und Pazifikraum.“

    Auf dem Nördlichen Seeweg – also eben entlang der arktischen Küste – waren 5,39 Millionen Tonnen Fracht im vergangenen Jahr transportiert worden. Doch der Umsatz soll laut Rukscha auf 25 bis 26 Millionen Tonnen drastisch zunehmen, sobald die neuen nordsibirischen Energieprojekte „Tor der Arktis“ und „Jamal-SPG“ ihre geplanten Kapazitäten erreichen. Diese Projekte sehen jeweils massive Lieferungen von Erdöl und Flüssigerdgas vor.

    Die Bauarbeiten am neuen Eisbracher laufen weiter – er soll am 31. Dezember 2017 in Betrieb gehen. Insgesamt sollen drei Schiffe dieser Klasse gebaut werden, um veraltende Vorläufer abzulösen. Derzeit stehen sechs Atomeisbrecher Russland zur Verfügung.

    „Die Leistung atomgetriebener Eisbrecher ermöglicht ihnen, eine kommerzielle Geschwindigkeit für die begleiteten Schiffe zu sichern und folglich die Vertragsverpflichtungen zu erfüllen. Mit ihrem Treibstoff können Atomeisbrecher vier bis fünf Jahre lang autonom funktionieren – je nach der Intensität des Einsatzes. Ein dieselelektrischer Eisbrecher von gleicher Leistung würde an seiner Stelle rund 300 Tonnen Brennstoff aus organischem Material täglich verbrauchen“, so Rukscha.

    Zum Thema:

    Eisbrecher „Ilja Muromez“ für Russlands Kriegsmarine läuft vom Stapel
    Russisches Militär lässt neue Kriegsschiffe der Eisklasse bauen
    Das Eis ist gebrochen: Traktor wird Eisbrecher und rettet Versorgungswege in Russland
    Russlands Anspruch auf Arktis-Schelf: „Wir haben keine Feinde und Konkurrenten“
    Tags:
    Atom-Eisbrecher Arktika, Wjatscheslaw Rukscha, Russland, St. Petersburg, Arktis