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    Schleuder-Transporte ins All und Kometen im Fadenkreuz: Railgun-Forschung in Russland

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    Die sogenannten Railguns mit ihrer Fähigkeit, Projektile elektromagnetisch auf enorme Geschwindigkeiten zu beschleunigen, haben auch bei russischen Forschern Interesse gefunden. In Erwägung werden dabei eher künftige Einsätze im Zivilbereich gezogen. Für eine militärische Anwendung sehen Experten vorerst allzu viele technische Hürden.

    Wie der TV-Sender Swesda berichtet, halten russische Forscher den Bau von Railguns für eine durchaus machbare Aufgabe. Alexej Schurupow, Leiter der in Schatura bei Moskau ansässigen Filiale des Vereinigten Instituts für hohe Temperaturen, sagte: „Unsere Wissenschaft hat alles Nötige, um ein solches System zu schaffen.“

    Russische Forscher sind laut Schurupow bereit, Anlagen zu bauen, die fähig sind, Projektile auf Geschwindigkeiten von 4.000 bis 4.500 Meter pro Sekunde zu beschleunigen. Bei den aktuellen Forschungsprogrammen war sogar von 11.000 Metern pro Sekunde die Rede.

    Wie der Leiter der Russischen Akademie der Wissenschaften, Wladimir  Fortow, erläuterte, wird derzeit daran gearbeitet, die Schwierigkeiten mit dem Materialverschleiß zu überwinden. Denn die Startenergie ist dermaßen hoch, dass Einzelteile der Anlage schnell kaputt gehen. 

    Fortow prognostizierte Einsätze im Zivilbereich. Es könnte etwa um den Schutz vor schnell fliegenden Himmelkörpern aus dem All gehen, insbesondere vor Weltraummüll und Kometen. Was gefährliche Asteroiden betreffe, könnten sie von Railguns laut Fortow kaum gestoppt werden: Die Leistung würde nicht ausreichen. Dafür solle es künftig wahrscheinlich gelingen, Satelliten mit Hilfe von Railguns ins All zu schießen.

    Wie der Sender weiter berichtet, gibt es Hinweise darauf, dass das in der Moskauer Vorstadt Troizk ansässige Institut für innovative und thermonukleare Forschung, Teil der staatlichen Atom-Holding Rosatom, an einer gigantischen Railgun tüftelt, die dann Transporte in den Weltraum ermöglichen soll. Der Einsatz einer solchen „Schleuder“ könnte, so der Bericht, im Vergleich zu den gegenwärtigen Transporten billiger sein. Allerdings wären die Beschleunigungsbelastungen dabei enorm – bis hin zu 60g. Die Aufgabe ist also eine Herausforderung für die Forscher.

    Mögliche Railgun-Einsätze im Militärbereich werden unterdessen erst in mehreren Jahrzehnten effizient genug sein – diesen Standpunkt vertritt zumindest Andrej Grigorjew, Chef der russischen Stiftung für perspektivische Forschung, die als staatliche Einrichtung Forschungsprogramme im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich fördert.

    Die Berichte über die Fortschritte bei der Entwicklung von Railgun-Waffen in den USA sind nach Ansicht von Grigorjew eher ein Bestandteil des Kampfes um den Militäretat. Denn es gibt auf diesem Gebiet zu viele ungelöste Probleme: Eine effiziente Railgun bräuchte ja nicht nur eine sehr starke Energiequelle, sondern auch beispielsweise eine wirksame Zielvorrichtung für große Distanzen.

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    Tags:
    Railgun, Rosatom, Weltraum, Russland