07:15 21 November 2017
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    Eine Skizze eines sowjetischen Bodeneffektfahrzeugs

    Bodeneffektfahrzeuge für Kriegsflotte: „Bisher unübertroffenes Projekt“

    © Wikipedia/ Brian W. McMullin
    Technik
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    Lohnt es sich, militärische Bodeneffektfahrzeuge zu bauen? Diese sollen Vorteile von Flugzeugen und Schiffen kombinieren, haben aber auch wesentliche Nachteile, wie es in einem Zeitungsbericht heißt. Russische Schiffsbauer wären bereit, mit entsprechenden Entwicklungsarbeiten zu beginnen, falls ein staatlicher Auftrag eingeht.

    Die russische Zeitung „Sowerschenno sekretno“ schreibt: „Die Bodeneffektfahrzeuge sind wohl ein einzigartiges und bisher unübertroffenes Projekt der sowjetischen Rüstungsindustrie.“ Das Blatt beschäftigt sich mit der Erklärung der russischen Schiffsbau-Holding USBC, wonach diese bereit sei, Bodeneffektfahrzeuge zu konzipieren, falls das Verteidigungsministerium einen entsprechenden Auftrag erteilen sollte.  

    USBC-Vizepräsident Igor Ponomarjow hatte Ende Juli gesagt: „Die Frage nach technischen Entwürfen und nach dem Bau von Bodeneffektfahrzeugen hängt von den konkreten Bedürfnissen der Kriegsflotte ab. Die Entwicklungsarbeit kann beginnen, sobald eine entsprechende Entscheidung auf Ebene der Regierung und des Verteidigungsamtes fällt und staatliche Verträge zustande kommen.“ Vorerst lägen der Holding keine entsprechenden technischen Aufgaben vor, so Ponomarjow.

    Solche Fluggeräte, genannt auch Ekranoplans, nutzen den Bodeneffekt aus. Unter der Tragfläche in Bodennähe bildet sich dabei ein Luftpolster, das sich mit dem Fahrzeug vorwärtsbewegt. Laut Befürwortern kombinieren die Ekranoplans die Geschwindigkeit eines Flugzeugs (bis zu 500 km/h) mit der Nutzlastkapazität eines Schiffes. Dabei können sie nicht nur über Wasser, sondern auch etwa über ein Sumpfgelände fliegen – oder sogar über flaches Land.

    Das sowjetische Verteidigungsministerium hatte einst geplant, Bodeneffektfahrzeuge für verschiedene Zwecke zu nutzen, darunter für logistische und Landungseinsätze, aber auch zur Bekämpfung gegnerischer U-Boote und Überwasserschiffe. Konzipiert wurden verschiedene Modifikationen. Etwa der Ekranoplan Lun, der 1985 seinen Erstflug absolvierte und eine Höchstgeschwindigkeit von 463 km/h hatte, führte sechs gelenkte Seezielflugkörper des Typs Moskit mit. Er konnte mit mehreren Hundert Marineinfanteristen an Bord rund 2.000 Kilometer zurücklegen.

    Der russische Militärexperte Sergej Denissenzew sagte dem Blatt, das Interesse an Ekranoplans habe in den 1970er und 1980er Jahren seinen Höhepunkt erreicht, dann aber abgenommen. Denn Militärflugzeuge und Kriegsschiffe seien in ihren Bereichen effizienter als Bodeneffektfahrzeuge. Diese hätten ihre Nachteile. Beispielsweise sei es bei einem Ekranoplan praktisch kaum möglich, die Tarnkappentechnik einzusetzen.

    „Zwar schließe ich nicht aus, dass die Ekranoplans ein bisher nicht umgesetztes Potenzial haben – möglicherweise finden neue Technologien bei ihrem Bau Anwendung, wodurch dann neue Chancen entstehen. Doch das deutlich zurückgegangene Interesse bei den Militärs zeugt davon, dass diese kein globales Potenzial sehen“, so Denissenzew.  

    Der Militärexperte Viktor Murachowski stimmt zu: „In Bezug auf diese Technologie bin ich kein Optimist. Die Ekranoplans haben viele Nachteile. Im Vergleich zu gewöhnlichen Schiffen sind sie enorm teuer, ihre Einsatz-Möglichkeiten sind im Hinblick auf Wetterbedingungen deutlich begrenzt. Selbst bei einem geringen Seesturm ist kein Einsatz mehr möglich.“

    „Diese Waffe lässt sich in einem ziemlich schmalen Bereich einsetzen. Das Hauptproblem ist die hohe Gefahr beim Pilotieren, selbst wenn es sich um keinen Kampfeinsatz handelt. Westliche Länder haben auch geforscht und versucht, solche Waffensysteme zu bauen. Diese Versuche sind jedoch gescheitert. In keinem Land stehen Bodeneffektfahrzeuge derzeit militärisch in Dienst. Das ist die krasseste Bewertung dieser Technologie“, so Murachowski.

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    Tags:
    Waffen, Ekranoplan, Bodeneffektfahrzeug, USBC, Viktor Murachowski, Sergej Denissenzew, Igor Ponomarjow, Russland
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