11:54 26 April 2017
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    Satelliten kreisen um die Erde (Symbolfoto)

    Satelliten-Killer die neue bedrohliche Realität im Orbit

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    US-General Nina M. Armagno hat bei der feierlichen Übergabe eines neuen Weltraumteleskops an die US-Streitkräfte gesagt, Russland und China können bis 2025 jeden US-Satelliten bedrohen. Die USA müssten sich darauf vorbereiten, dieser Bedrohung Widerstand zu leisten.

    Laut dem russischen Militärexperten Wassili Kaschin sind Anti-Satelliten-Waffen eine neue Realität, die bei der Planung von Kampfhandlungen zunehmend berücksichtigt werden muss. Früher hätten die Amerikaner regelmäßig von einer allgemein steigenden Bedrohung für einige US-Satelliten gesprochen. Doch jetzt, so betont Armagno, handele es sich um die gesamte US-Satellitengruppierung, nicht nur um Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten auf niedrigen Umlaufbahnen. Experimente zur Vernichtung von Satelliten würden da ja sowohl von den USA als auch von China bereits wiederholt durchgeführt. Mittlerweile jedoch seien auch Satelliten auf hohen geostationären Umlaufbahnen in Gefahr.

    Die US-Bodentruppen hätten sich bereits mit der existierenden Bedrohung abgefunden und änderten allmählich ihre Programme der Kampfvorbereitung, so der Experte. Die Militärs würden auf die Arbeit nach alten Schemen vorbereitet, für den Fall, dass Satelliten außer Betrieb gesetzt werden. Ins Visier geraten immer mehr Satellitennavigationssysteme, viele Typen von Drohnen und einige Arten von Hochpräzisionswaffen, die per GPS-Signal gesteuert werden. Selbst modernste Satelliten haben fast keine Möglichkeit, sich vor Raketenangriffen zu schützen. In der Zukunft könnten die Entwickler versuchen, die Weltraumapparate mit Systemen funkelektronischer Kampfführung auszustatten, was jedoch deutlich mehr Energiekapazitäten erfordert. 

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    Die Ausstattung der US-Streitkräfte mit neuen Beobachtungssystemen im Weltall werde das Problem nicht lösen, so der Experte. Russland verfügt über ein ähnliches elektronisch-optisches Beobachtungssystem, das mit leistungsstarken, automatisierten Teleskopen ausgestattet ist. Dieses System heißt „Okno“ und befindet sich auf einem russischen Militärstützpunkt im Gebirge Tadschikistans. 2015 wurde das System modernisiert und dessen Kapazitäten um das Vierfache erhöht. Mit diesem System können Objekte im Orbit genau beobachtet, ihre Eigenschaften und Zustand eingeschätzt werden. Dies kann bei der Verfolgung von Weltraumwaffen wie sogenannten „Killersatelliten“ nützlich sein. Diese Satelliten können sich feindlichen Satelliten annähern und sie sprengen. Ein optisches System ermöglicht zudem, Angriffe auf Satelliten nachzuweisen, falls die Verbindung plötzlich verloren geht. Allerdings kann das System die Satelliten selbst nicht schützen.

    In dieser „neuen Realität“, so der Experte, würden die USA, China und Russland, und in ferner Zukunft auch einige andere Länder wie Indien und der Iran, über eigene Anti-Satelliten-Waffen verfügen. Ein effektiver Weg des Widerstands ist allein die Entwicklung relativ einfacher und billiger Weltraum-Raketenträger auf Grundlage von ballistischen Interkontinentalraketen und Mittelstreckenraketen durch China, die wie Gefechtsraketen von mobilen Startanlagen abgefeuert werden können. Bei einem bewaffneten Konflikt könnten die vernichteten Satelliten durch neue ersetzt werden. Zuvor hatte Russland auch die Starts von Weltraumsatelliten mithilfe modifizierter Weltraumraketen des Typs Topol sowie Satellitenstarts mithilfe ballistischer Raketen von U-Booten durchgeführt.

    Anti-Satelliten-Waffen sind bislang noch wahnsinnig teuer, die Zahl ihrer Träger ist begrenzt. Wer über leistungsstärkere Raketen- und Weltraumindustrie verfügt und seine Apparate schneller in den Orbit bringt, wird im Falle eines Konflikts klar im Vorteil sein.

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    Tags:
    Satelliten, Wassili Kaschin, China, Russland, USA
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