00:08 06 Dezember 2020
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    Neue Waffen für russische Armee (670)
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    Nach dem jüngsten Test eines russischen Hyperschall-Wiedereintrittskörpers klären Experten über dessen Besonderheiten sowie über die Ziele des Programms auf. Die Pointe ist die Manöverfähigkeit bei enormen Geschwindigkeiten, was die Raketenabwehr sehr erschwert.

    „Vorerst geht es um ein Erprobungsmuster. Solche Wiedereintrittskörper sollen nukleare Sprengsätze an gegnerische Ziele befördern. Die Tests erfolgen im Rahmen der Erarbeitung einer langfristigen Strategie zur Überwindung der globalen US-Raketenabwehr“, sagte der russische Militärexperte Igor Korotschenko dem TV-Sender Swesda im Hinblick auf den kürzlich gemeldeten Test des sogenannten Erzeugnisses 4202.

    Er erläuterte: „Verwendet wird das klassische Schema: Eine ballistische Interkontinental-Rakete wird gestartet – und in einer bestimmten Flugphase werden Wiedereintrittskörper ausgesetzt. Jeder davon greift ein konkret vorgegebenes Ziel an – entsprechend seiner Aufgabe.“

    „Zwar kann der Gegner die Flugbahn der Rakete natürlich kalkulieren, denn es handelt sich um eine klassische ballistische Flugbahn. Doch der manövrierende Wiedereintrittskörper ist nach seiner Aussetzung fähig, seine Flugbahn zu ändern. Dies erschwert sein Abfangen durch die Raketenabwehr“, so Korotschenko.

    Durch kein Abwehrschild zu stoppen: Experte lobt russische Hyperschall-Raketen

    Der Militärexperte Viktor Murachowski sagte dem Sender: „Die technischen Kapazitäten dieses Wiedereintrittskörpers ermöglichen potenziell, eine Geschwindigkeit von bis zu Mach 15 an der Grenze zwischen dem Weltraum und der Atmosphäre zu erreichen.“

    Eigentlich seien auch Gefechtsköpfe gegenwärtiger Interkontinental-Raketen als ballistische Objekte in der Lage, ungefähr ebenso schnell zu fliegen. Doch im Gegensatz dazu sei der jetzt getestete Wiedereintrittskörper eben manöverfähig, hieß es. 

    „Bei solchen Geschwindigkeiten ist verständlicherweise ein äußerst effizienter Wärmeschutz erforderlich. Bei diesem Wiedereintrittskörper ist es gelungen, diesen Schutz zu gewährleisten. Nur zwei Länder weltweit, und zwar Russland und die USA, befinden sich derzeit in der Phase, wo hyperschallschnelle Fluggeräte als Erprobungsmuster gebaut werden können“, so Murachowski. 

    Der Test hatte am 25. Oktober stattgefunden. Eine ballistische Rakete wurde nach Angaben der Tageszeitung „Iswestija“ vom russischen Gebiet Orenburg aus abgefeuert. Ihr Hyperschall-Wiedereintrittskörper erreichte wie geplant das Versuchsgelände Kura auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten. 

    Die Sowjetunion hatte noch Mitte der 1980er Jahre mit der Entwicklung hyperschallschneller Wiedereintrittskörper begonnen, um auf den US-Plan zu reagieren, der einen Raketenschild im Rahmen des Star-Wars-Konzepts vorsah. Dann wurde das sowjetische Projekt eingestellt, doch Mitte der 1990er Jahre neugestartet – bereits im postsowjetischen Russland. Das Programm erhielt den Codenamen 4202. Zuständig dafür ist das Rüstungsunternehmen NPO Mash.

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    Hyperschallrakete, Viktor Murachowski, Russland