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03:14 13 November 2019
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    Ein J-15 Kampfjet am Deck des chinesischen Flugzeugträgers Liaoning

    China baut neuen Flugzeugträger: zunächst noch nach sowjetischem Projekt

    © AP Photo / Xinhua, Zha Chunming
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    Der erste Flugzeugträger, den China jetzt selbständig baut, orientiert sich an einem sowjetischen Vorbild. Später sollen eher US-Konzepte Anwendung finden, wie Experten prognostizieren. Sie erläutern auch, welche Aufgaben Peking mit solchen Kriegsschiffen lösen könnte.

    Der russische Militärexperte Konstantin Siwkow sagte der Onlinezeitung vz.ru, der in Bau befindliche chinesische Flugzeugträger sei mit der russischen „Admiral Kusnezow“ in mancher Hinsicht ungefähr gleichsetzbar. Dies betreffe insbesondere die EDV-Kapazitäten in Sachen Navigation und Feuerleitung. Das russische Schiff habe allerdings eine technisch bessere Flugabwehr, aber auch eine Phased-Array-Antenne, die bei den Chinesen fehle. „Doch generell sind diese Schiffe ungefähr gleichwertig“, so Siwkow. 

    Ein chinesischer Militärsprecher hatte am Freitag mitgeteilt, der Rumpf des neuen Kriegsschiffs sei auf der Werft in Dalian bereits fertiggestellt worden. Man habe mit der Installierung der Ausrüstungen begonnen.

    Damit soll die chinesische Kriegsmarine ihren zweiten Flugzeugträger bekommen. Der erste heißt „Liaoning“ und ist das umgerüstete sowjetische Kriegsschiff „Warjag“, das einst in der Ukraine gekauft worden war. Der russische Experte Wassili Kaschin erläuterte für vz.ru, die „Warjag“ diene auch für den neuen chinesischen Flugzeugträger als Vorbild. Noch Anfang der 1990er Jahre habe China beim in St. Petersburg ansässigen russischen Entwickler Newskoje die entsprechenden Projektunterlagen gekauft.  

    Kaschin sagte weiter, China wolle insgesamt zwei Flugzeugträger nach dem „Warjag“-Muster bauen. Dann seien atomgetriebene Flugzeugträger nach einem US-amerikanischen Vorbild an der Reihe. Dabei werde man auf den Schanzenstart für die Flugzeuge verzichten – zugunsten des Katapultstarts. 

    „Die Schanze ist billiger, schränkt aber die Lufteinsätze ernsthaft ein, und zwar in Bezug auf das Startgewicht der Maschinen. Es ist dabei unmöglich, Flugzeuge mit einem niedrigen Schub-Gewicht-Verhältnis einzusetzen. Ein Turboprop-Radarflugzeug kann beispielsweise nicht mitgeführt werden, da seine Leistung für einen Schanzenstart nicht ausreichend ist“, so Kaschin.    

    Er kommentierte: „Die Chinesen wollen vollwertige Flugzeugträger-Kampfgruppen haben. Wir haben ihnen ermöglicht, den ersten Schritt zu tun. Weiter werden sie bereits außerhalb unserer Flugzeugträgerbau-Konzepte vorgehen.“

    Nach Ansicht von Konstantin Siwkow wird China mit seinem jetzt in Bau befindlichen Flugzeugträger in der Lage sein, Einsätze in abgelegenen Meeresgebieten durchzuführen: „China wird die Möglichkeit bekommen, Stärke zu demonstrieren. Das Land wird diesen Flugzeugträger samt Sicherungsschiffen und Landungskräften in jedes Gebiet der Welt schicken können, um seine Interessen dort wahrzunehmen.“

    Siwkow schließt nicht aus, das China seinen Flugzeugträger vor der Küste Syriens oder Somalias einsetzen könnte. Einen Einsatz im Streit um die Inseln des Südchinesischen Meeres hält er dagegen für wenig wahrscheinlich: „Diese Inseln liegen innerhalb der Reichweite der chinesischen Luftwaffe, die zahlen- und funktionsmäßig stark ist. Der neue Flugzeugträger wird darauf keinen wesentlichen Einfluss nehmen.“

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    Tags:
    Liaoning, Raketenkreuzer Warjag, Flugzeugträger Admiral Kusnezow, Konstantin Siwkow, Russland, China