16:49 13 November 2019
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    Almas-Projekt

    Bewaffnete Raumstation für Spione: Megaprojekt aus Sowjetzeit

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    (Aus-)Rüstung der russischen Armee (2017) (42)
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    Dieses sowjetische Militärprojekt ist echt spektakulär gewesen: Geplant waren bemannte Raumstationen, um US-Stellungen aus dem All zu fotografieren und die Filme dann mit Kapseln zur Erde zu schicken. Auch Waffen wurden entwickelt, um die Station bei Bedarf vor gegnerischen Raumflugkörpern zu verteidigen.

    Wie der russische TV-Sender Swesda in seiner Onlineausgabe berichtete, hatte das sowjetische Konstruktionsbüro OKB-52 mit Wladimir Tschelomej an der Spitze noch Mitte der 1960er Jahre mit den Entwicklungsarbeiten an einer bemannten militärischen Raumstation begonnen. Das Projekt erhielt den Codenamen Almas (zu Deutsch: Diamant) und zielte darauf ab, Aufklärungs-Informationen aus dem All zu sammeln.

    Für diese Zwecke wurde dem Bericht zufolge ein spezielles Teleskop entwickelt, das mit einer Kamera kombiniert war. Die Ausrüstungen ermöglichten detaillierte Bilder der Erdoberfläche. Der Sender kommentiert: „Damit konnten etwa Kampffahrzeuge an einem Militärstandort oder Kampfjets auf einem Flugzeugträger gezählt werden. Den Film konnten die Kosmonauten direkt an Bord der Raumstation entwickeln.“

    Almas-Projekt
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    Almas-Projekt

    Die gesammelten Daten, so der Bericht weiter, mussten schnell und sicher zurück auf die Erde transportiert werden. Eine dafür geeignete Kapsel enthielt Filme mit einer Gesamtlänge von rund drei Kilometern. Eine EDV-Anlage kalkulierte präzise den Zeitpunkt, um die Kapsel auszusetzen, und kontrollierte die Arbeit der Bordsysteme im Allgemeinen.

    Wie der Sender feststellt, waren sich die Konstrukteure in der UdSSR darüber im Klaren, dass die US-Amerikaner an Gegenmaßnahmen tüfteln und militärische Raumflugkörper entwickeln, um sowjetische Raumstationen bei Bedarf zerstören zu können.

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    Vor diesem Hintergrund konzipierte das sowjetische Konstruktionsbüro von Alexander Nudelman eine 23-mm-Schnellfeuerkanone, um die Raumstation zu verteidigen und Objekte im All bei Bedarf unter Beschuss zu nehmen. Der russische Raketenbau-Historiker Viktor Sjomin sagte dem Sender, die damit ausgerüstete Raumstation habe ihre Umlaufbahn kurzfristig ändern können, um ein gegnerisches Objekt anzuvisieren.

    Die erste Raumstation im Rahmen des Almas-Projekts wurde im Jahr 1973 ins All gebracht. Ein bemannter Dauereinsatz im Weltraum blieb jedoch aus. Es wurde beschlossen, auf unbemannte Missionen für militärische Zwecke zu setzen.

    Der Start von Saljut 3 fand am 25. Juni 1974 statt. 16 Tage lang wurde die Raumstation von der Besatzung von Sojus 14 genutzt. Der Flug von Sojus 15 musste wegen Problemen abgebrochen werden. Am 24. Januar 1975 trat Saljut 3 wieder in die Erdatmosphäre ein.
    © Sputnik / Alexander Mockletsov
    Der Start von Saljut 3 fand am 25. Juni 1974 statt. 16 Tage lang wurde die Raumstation von der Besatzung von Sojus 14 genutzt. Der Flug von Sojus 15 musste wegen Problemen abgebrochen werden. Am 24. Januar 1975 trat Saljut 3 wieder in die Erdatmosphäre ein.

    Der russische Raumfahrt-Historiker Juri Luzenko kommentierte: „Derzeit ist die Meinung verbreitet, dass die Sowjetunion ein rückständiges Land gewesen sei; dass die sowjetischen Ingenieure weder über komplizierte Automatik noch über spezielle Flugsteuerungs-Vorrichtungen verfügt hätten. Doch all dies war schon damals vorhanden. Eigentlich waren es die Amerikaner, die in Sachen Raumfahrt unseren Vorsprung aufholen mussten.“

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    Tags:
    OKB-52, Wladimir Tschelomej, Juri Luzenko, Weltraum, USA, Russland