22:38 25 April 2019
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    Laserwaffen an Bord USS Ponce

    Wie Russland, China und USA Laserwaffen entwickeln

    © AFP 2019 / Navy Media Content Services / John F. Williams
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    Konteradmiral Ronald Boxall vom Naval Surface Warfare Center hat zu Jahresbeginn darüber berichtet, dass die US-Marine im Laufe dieses Jahres ein völlig neues Laserwaffensystem testen wird.

    Laut Boxall hat das System eine Leistung von 150 Kilowatt und kann ohne aufzuladen drei Minuten lang funktionieren bzw. 20 Minuten lang bis zu hundert „Schüsse“ abfeuern und gegen viele Drohnen kämpfen.

    Die US-Firma General Atomics will 2018 eine Laserkanone mit einer Leistung von 50 bis zu 300 Kilowatt an Bord der Kampfdrohne Predator C Avenger installieren. Laut US-Militärexperten sind mobile Laserwaffen mit ihrer aktuellen Leistung nicht imstande, den russischen Mi-24-Hubschraubern Widerstand zu leisten.

    Laserwaffen an Bord USS Ponce
    © AFP 2019 / Navy Media Content Services / John F. Williams
    Laserwaffen an Bord USS Ponce

    Russland

    MiG-35-Kampfjet
    © Sputnik / Vladimir Astapkovich
    In Russland fanden Ende 2016 erfolgreiche Tests des Flugzeugs A-60 statt, das mit einem Kampflaser ausgerüstet werden soll. Der Vertreter des Konzerns „Radioelektronische Technologien“ Wladimir Michejew teilte mit, dass die Avionik der A-60 für Laserwaffen nachgebessert werde. „Da dieses Flugzeug mit Kampflasern ausgestattet wird, müssen wir alle Versorgungssysteme vor dem Einfluss der eigenen Waffen schützen“. Die Tests einer Laserkanone für die A-60 fanden 2009 statt, doch 2011 wurden die Arbeiten eingestellt. Jetzt lässt Russland dieses Programm wieder aufleben und arbeitet an der Laseranlage Skif-D.

    Zuvor hatte der Chefkommandeur der russischen Luftstreitkräfte, Generaloberst Viktor Bondarjew, von den Plänen zur Ausrüstung der MiG-35 berichtet: „Die Aufnahme von Laserwaffen für den MiG-35-Jet wird unmittelbar nach dem Abschluss der Flugtests erfolgen. Im Prinzip verfügt das Flugzeug über alles, um jegliche Typen von Laserwaffen einzusetzen – sowohl gegen Ziele auf dem Boden als auch in der Luft“. Nach Angaben der russischen Flugzeugbauholding OAK wird die Serienproduktion des neuesten MiG-35-Kampfjets nach 2019 beginnen.

    China

    Bei der Messe „International Defence Exhibition and Conference“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten stellte China im Februar seine Laseranlage Silent Hunter vor, welche die Flugzeugtriebwerke aus einer Entfernung von einer Meile außer Betrieb setzen kann und über eine Leistung von 50 bis 70 Kilowatt verfügt. Zum Vergleich: Der aktuelle Laser an Bord des US-Schiffs USS Ponce hat eine Leistung von 33 Kilowatt.

    Im Herbst 2016 stellte China bei einer Messe in Südafrika den bodengestützten mobilen Komplex Low Altitude Guard II auf Basis eines gewöhnlichen Lkw und einer Laserkanone mit einer Leistung von 30 Kilowatt zum Beschuss von Drohnen und Hubschraubern vor.

    Der US-Experte Richard Fisher berichtete im Februar im US-Kongress über die Erfolge Chinas bei der Entwicklung von Laserwaffen, wonach in ausländischen und russischen Medien erneut ein Artikel aus dem Jahr 2013 aus der chinesischen Zeitschrift “Chinese Optics “zitiert wurde, wo führende chinesische Wissenschaftler vorschlugen, zum Jahr 2023 einen fünf Tonnen schweren chemischen Laser in den Orbit zu bringen, der US-Satelliten außer Betrieb setzen sollte. Nach Angaben der Forscher hatte China bereits 2005 erfolgreiche Tests zur Außerbetriebssetzung von Orbitalsatelliten mithilfe eines bodengestützten Lasers mit einer Kapazität von 50 bis 100 Kilowatt durchgeführt.

    Pro und contra

    Die Kampflaser haben zwei Vorteile – niedrige Entwicklungskosten und eine theoretisch uneingeschränkte Zahl von “Schüssen“, was bei einem Einsatz aus kurzer Entfernung gegen eine große Stückzahl von Drohnen bzw. Kleinboote effektiv genutzt werden kann. Diese zwei Faktoren fördern die Wiederbelebung der Programme zur Entwicklung von Laserwaffen.

    Allerdings gibt es deutlich mehr Nachteile. Das ist sowohl die völlige Abhängigkeit von Energiequellen, die Zeit für das Aufladen, der Zustand der Atmosphäre und die Notwendigkeit des Sichtkontakts mit dem Ziel.

    Die Abwehrlaser sind rückständig gegenüber den sich schnell entwickelnden und billiger werdenden kinetischen Abwehrmitteln wie Hyperschall-Geschoss HPV, der aktive Schutzkomplex für Hubschrauber der Firma Orbital ATK und Mittel zum Beschuss von Drohnen bzw. Geschossen im Rahmen des US-Programms EAPS (Extended Area Protection and Survivability).

    Andererseits bereiten sich Länder aktiv auch auf den Schutz vor Laserwaffen vor. Es werden Beschichtungen entwickelt, die Laserimpulse reflektieren und die Wärme verstreuen, wobei die Zerstörung der Oberfläche verlangsamt wird. Es werden Optionen zum Einsatz von Lasern gegen Laser analysiert, wobei die Laser mit einem Gegenschlag die Steuerungssysteme außer Betrieb setzen (daran arbeitet die Firma Adsys Control im Rahmen der Schaffung des Systems Helios). Zudem wurden Varianten vorgeschlagen, die Atmosphäre auf dem Weg des Laserstrahls zu verändern. China plant, einen Nebelschleier gegen gegnerische Laser zu schaffen.

    Unabhängig von den Herausforderungen an die Lasertechnologien arbeiten an Laserwaffen heute alle technologisch entwickelten Länder. Neben den USA, Russland und China arbeiten an Kampflasern auch Israel und Deutschland aktiv. In den kommenden zehn bis 15 Jahren wird klar werden, ob ein Laser von den führenden Militärmächten als Waffe eingesetzt wird.

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    Tags:
    Laserwaffen, MiG-35, A-60, Mi-24, General Atomics, China, Russland, USA