12:10 23 Juli 2018
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    USS Cape St George feuert mit Tomahawk-Rakete

    Warum die USA an ihrem „Tomahawk“ festhalten

    © Flickr/ US Military
    Technik
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    Die USA wollen weiterhin auf ihren bewährten Marschflugkörper Tomahawk setzen. Ist diese Entscheidung technisch gerechtfertigt? Die russische „Nesawissimaja Gaseta“ beschäftigt sich mit der Frage.

    „Noch ganz zu Anfang der 1970er Jahre hatten die Amerikaner eingesehen, dass militärtechnische Probleme sich in der angebrochenen Epoche der technologischen Durchbrüche einerseits und der zunehmenden militärischen Konflikte andererseits nicht mit Atomwaffen lösen lassen. Man braucht Waffensysteme, die jederzeit, überall und mit großer Zerstörungskraft zum Einsatz kommen könnten“, schreibt das Blatt.

    Vor diesem Hintergrund sei 1971 die Entscheidung gefallen, strategische luft-, see- und landgestützte Marschflugkörper sowohl mit nuklearen als auch mit konventionellen Sprengköpfen zu entwickeln, hieß es.

    Im Sinne des 1987 unterzeichneten INF-Vertrages über nukleare Mittelstreckensysteme sei die landgestützte Version allerdings von ihren Stellungen in Westdeutschland zurückgezogen worden. Die seegestützte Tomahawk-Rakete sei dagegen bis heute ein Trumpf der US-Navy, so der Bericht.

    Dank ihres großen Modernisierungs-Potenzials sei die Rakete inzwischen anders als die ursprüngliche Entwicklung. Etwa die Modifikation mit dem Codenamen RGM/UGM-109E Block IV (Tactical Tomahawk) sei bereits im 21. Jahrhundert in Dienst gestellt worden: „Nach Angaben des russischen Branchendienstes Raketnaja Technika hat das Lenksystem dieser Rakete neue Möglichkeiten, um Ziele zu identifizieren und im Flug neu anzuvisieren (…) Der Marschflugkörper ist technisch in der Lage, sich innerhalb von dreieinhalb Stunden in der Nähe des anvisierten Ziels in der Luft aufzuhalten (wobei die Entfernung vom Startort bis zu 400 Kilometer beträgt), bis das Kommando eingeht, das Ziel zu zerstören. Möglich ist auch ein Einsatz als Drohne, um das bereits getroffene Ziel zu beobachten.“

    Im Jahr 2014 habe der Hersteller Raytheon mit Testflügen einer verbesserten Block-IV-Modifikation begonnen. Diese sei konzipiert, um Überwasser- und begrenzt bewegliche landgestützte Ziele anzugreifen, heißt es im Bericht weiter.

    Generell sei die Entscheidung, die Tomahawk-Rakete weiter zu nutzen, technisch gerechtfertigt: „Nach Angaben von Defense News war die erste ‚Tomahawk‘ im Jahr 1991 zum Einsatz gekommen – während der Operation Desert Storm. Seitdem nimmt dieses Waffensystem an allen US-Militäreinsätzen teil. Mehr als 2.000 seegestützte Tomahawk-Raketen wurden inzwischen im Zuge verschiedener Kampfeinsätze abgefeuert, um landgestützte Ziele in verschiedenen Teilen des Planeten zu treffen.“

    Tomahawk-Raketen werden im Mittelmeer vom Zerstörer USS Porter abgefeuert
    © AP Photo / Ford Williams/U.S. Navy
    Das Blatt bezieht sich auf die Angaben von CSIS-Analyst Todd Harrison, wonach derzeit rund 4.000 Tomahawk-Marschflugkörper zur Verfügung stünden, und schreibt zum Schluss: „Der Chief of Naval Operations, John Richardson, sagte Anfang April vor Mitgliedern des Committee on Armed Services, ein Teil der von der Trump-Administration zusätzlich beantragten 30 Milliarden US-Dollar für Militärausgaben für das laufende Finanzjahr werde voraussichtlich ausgegeben, um zusätzlich Tomahawk-Raketen zu kaufen, falls der Kongress dem Antrag stattgibt.“

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    Tags:
    Rüstung, Tomahawk-Rakete, US-Navy, USA
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