07:59 08 Juli 2020
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    Russland testet erfolgreich Wiedereintrittskörper und Anti-Schiff-Raketen mit Hyperschall-Geschwindigkeit und plant einen Hyperschall-Bomber. Dabei wird aktiv auf sowjetische Forschungen zurückgegriffen. Auch China konstruiert solche Flugkörper. Die russische Zeitschrift „Expert“ liefert eine Analyse.

    Die Zeitschrift verweist auf den jüngsten Test des Hyperschall-Seezielflugkörpers Zirkon: Wie aus russischen Rüstungskreisen damals verlautete, wurde eine Geschwindigkeit von Mach 8 erreicht.

    Zuvor war ein anderes Hyperschall-Waffensystem erfolgreich getestet worden, und zwar das sogenannte Erzeugnis 4202. Eine Rakete wurde von einem Startplatz im Gebiet Orenburg abgefeuert. In rund 100 Kilometer Höhe löste sich ein Hyperschall-Flugkörper von ihr los. Dieser erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu Mach 15, manövrierte aktiv vor dem Wiedereintritt in die dichten Schichten der Atmosphäre und traf erfolgreich das Ziel auf der Halbinsel Kamtschatka. 

    Wie der „Expert“ erläutert, soll dies ermöglichen, alle bestehenden und in Entwicklung befindlichen Raketenabwehrsysteme der USA zu überwinden:

    „In Medien wird das Erzeugnis meistens als Hyperschall-Flugkörper Yu-71 bezeichnet. Doch in Wirklichkeit ist das nichts anderes als ein Prototyp des Wiedereintrittskörpers der neuen superschweren ballistischen Interkontinentalrakete Sarmat, die die berühmte Wojewoda-Rakete (Nato-Codenamen: SS-18 Satan) ablösen soll.“

    Boris Obnossow, Chef der russischen Tactical Missiles Corporation, hatte vor drei Jahren prognostiziert, die ersten luftgestützten Hyperschall-Marschflugkörper seien in Russland möglicherweise gegen das Jahr 2020 zu erwarten.

    Obnossow sagte außerdem der Tageszeitung „Kommersant“, sein Konzern greife auf sowjetische Forschungsergebnisse in diesem Bereich zurück. Der Hersteller Raduga, der jetzt dem Konzern angehört, hatte noch vor zwei Jahrzehnten eine experimentelle Hyperschall-Rakete des Typs Kh-90 entwickelt, die in der Lage war, Ziele in bis zu 3.000 Kilometer Entfernung mit einer Geschwindigkeit von Mach 6 zu treffen. Damals wurde das Projekt auf Eis gelegt, doch später wurde der Flugdemonstrator Cholod auf dieser Grundlage gebaut.

     

    Start des Hyperschall-Flugkörpers Yu-71 von einem Kampfjet

    Nun schreibt der „Expert“: „Die neue Rakete, an der Raduga bastelt, soll zunächst wahrscheinlich von modernisierten Langstreckenbombern Tu-160M2 mitgeführt werden (…) Künftig könnte auch der neue Hyperschall-Bomber, der zu Attacken aus dem erdnahen Weltraum fähig wäre, durchaus mit dieser Rakete ausgestattet werden.“

    Dass an einem solchen Bomber tatsächlich getüftelt wird, bestätigte Oberstleutnant Alexej Solodownikow, Dozent an der Militärakademie der strategischen Raketentruppen: „Die Idee ist wie folgt: Das Flugzeug soll von gewöhnlichen Flugplätzen abheben, den Luftraum patrouillieren, auf Befehl ins All aufsteigen, Angriffe verüben und zurück auf seinem Flugplatz landen.“ Die Arbeit am Triebwerk für das neue Flugzeug soll laut Solodownikow ab 2018 beginnen.

    Die kürzlich getesteten Zirkon-Seezielflugkörper sollen unterdessen in absehbarer Zukunft der Kriegsflotte zur Verfügung gestellt werden. Ihre Parameter werden vorerst geheim gehalten, doch der „Expert“ vermutet eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von mehr als Mach 8.

    „Dank des gigantischen sowjetischen Vorlaufs liegen wir bereits vorn im gestarteten Hyperschall-Rennen und haben alle Chancen darauf, nicht nur für eine lange Zeit ein Spitzenreiter zu bleiben, sondern auch auf Bedrohungen jeder Art verhältnismäßig zu reagieren“, so die Zeitschrift.

    Sie skizziert auch Chinas Fortschritte in Sachen Hyperschall. Seit vier Jahren hat das Land sieben Tests seines neuen Hyperschall-Flugkörpers WU-14 (DF-ZF) absolviert. Nur einer dieser Testflüge scheiterte, alle anderen verliefen erfolgreich. Dabei wurde die Geschwindigkeit von Mach 10 vorübergehend erreicht, wie US-Geheimdienste einschätzten. Die Amerikaner gehen davon aus, dass die Chinesen ihre DF-31- und DF-41-Raketen mit neuen Gefechtsköpfen ausrüsten wollen. 

    „Laut dem US-Militäranalysten Richard Fisher kurbeln die von den Chinesen erzielten Fortschritte im Bereich der Hyperschall-Technologien natürlicherweise auch die Forschungen in Sachen Hyperschall-Seezielflugkörper an (…) Falls China in den nächsten Jahren wirklich einen Hyperschall-Seezielflugkörper zustande bringt, wird dies das Kräfteverhältnis im Südchinesischen Meer, diesem für China strategisch wichtigen Schauplatz mit einer vorerst sehr großen US-Präsenz, grundsätzlich ändern“, prognostiziert der „Expert“.

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    Tags:
    modernste, Hyperschallrakete, Waffen, Rakete RS-20W (SS-18 Satana), Sowjetunion, USA, Russland