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20:42 19 September 2019
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    MS-21 nach seinem ersten Testflug

    Russische MS-21 vs. westliche Konkurrenz: „Nicht bloß einholen, sondern überholen“

    © Sputnik / Sergej Mamontow
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    Der russische Passagierjet MS-21 (im Westen auch MC-21 genannt), der soeben seinen Erstflug absolviert hat, enthält in seiner Konstruktion ungewöhnlich viele Innovationen. Luftfahrtexperte Roman Gussarow erläutert, warum der Hersteller nicht davor zurückschreckt.

    Gussarow sagte der Onlinezeitung vz.ru: „In der MS-21 werden modernste Technologien verwendet, die sich weltweit noch nicht bewährt haben. Diese revolutionäre Art und Weise birgt natürlich ein sehr großes Risiko in Bezug darauf, ob es klappt oder nicht. Doch wir haben keine andere Wahl.“

    „Baut man einen Passagierjet anhand der traditionellen Technologien, so wird er eindeutig nicht besser sein als Boeing und Airbus. Diese Hersteller haben aus der klassischen Konstruktion schon alles Mögliche herausgeholt. Nur wenn man einen Schritt voran macht und riskiert, kann man gewinnen. Um diesen Markt zu erschließen, der von hoher Konkurrenz geprägt ist, braucht unser Flugzeug von den wichtigsten Parametern her die westlichen Konkurrenten deutlich zu übertreffen. Sonst kommt man nicht durch“, so Gussarow. 

    „Mit der MS-21 versuchen wir schon, nicht bloß einzuholen, sondern in mancher Hinsicht zu überholen. Die Flugwerk-Konstruktion der Boeing 737 und des A320 ist schon mehrere Jahrzehnte alt. Diese Hersteller wechseln die ‚Füllung‘ aus und modernisieren sie ständig, doch sie waren nicht so risikobereit, um eine neue Konstruktion zu schaffen. Im Flugzeugbau weltweit gibt es eine Regel, die besagt: Beträgt der Anteil von Innovationen an einem Flugzeug mehr als 30 Prozent, ist das ein sehr großes Risiko. Deshalb verzichten westliche Hersteller lieber darauf, so viele Novitäten in eine Maschine zu integrieren“, sagte der Experte.

    Wie vz.ru erläutert, besteht das wichtigste Know-how der MS-21 darin, dass der Anteil von Verbundwerkstoffen an der Konstruktion rund 40 Prozent betragen soll. Ein besonderer Vorteil sollen die Tragflächen aus solchen Werkstoffen sein. Dadurch unterscheidet sich die neue Maschine von Boeing- und Airbus-Schmalrumpfflugzeugen. 

    Auch die Steuerungs-Software ist laut vz.ru modern und beispiellos. Sie soll die Sicherheit der Maschine erhöhen und das Risiko von menschlichem Versagen reduzieren. Der russische Jet ist voraussichtlich schneller und billiger im Vergleich zur Boeing 737 MAX und zum Airbus A319neo. 

    „Wenn die in Russland entwickelten und erschlossenen Technologien ihr Existenzrecht in Sachen Sicherheit und Billigkeit bestätigen, wird dies riesige Möglichkeiten für den ganzen russischen Flugzeugbau eröffnen“, so Gussarow weiter.

    Dem neuen Jet stehen nun weitere Testflüge bevor. Im kommenden Jahr wird mit der Zulassung gerechnet. Im Jahr 2019 soll dann die erste Lieferung stattfinden. „Erst wenn das Flugzeug seine Zulassung bekommt, wird von einem Erfolg der Hersteller die Rede sein dürfen. Es genügt ja nicht, einen Jet zu bauen. Man muss nachweisen, dass er sicher ist und allen russischen und europäischen Anforderungen entspricht, die derzeit an Passagierflugzeuge gestellt werden. Diese Anforderungen gelten nicht nur für die eigentliche Maschine, sondern auch alle Systeme und Werkstoffe – bis hin zum letzten Nietbolzen“, mahnte Gussarow.

    Den Erstflug der MS-21 hatte der russische Vizepremier Dmitri Rogosin am Sonntag gemeldet. Der Hersteller Irkut bestätigte, dass der 30-minütige Flug planmäßig und störungsfrei verlaufen sei.

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    Erfolg, Testflug, Ms-21, Flugzeugbauer Irkut, Russland