01:23 17 Dezember 2017
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    Ein Shuttle (Symbolbild)

    Bedrohung aus dem Weltall: Was ein Top Secret US-Shuttle kann und Moskaus Antwort

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    Der geheimnisumwitterte Drohnen-Shuttle X-37B der US Air Force, über dessen Anwendungsziel bislang nichts bekannt ist, war im Mai nach 718 Tagen im All von einer Erdumlaufbahn zurückgekehrt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Theorien und Spekulationen zum Zweck der Mission.

    Knapp zwei Rekordjahre kreiste der unbemannte Shuttle um die Erde, bis er Anfang Mai auf einer Landebahn des Kennedy Space Centers in Florida landete. Offiziell hieß es, dass das seit 2010 bestehende Programm zur Entwicklung von wiederverwertbaren Weltraumtechnologien diene – demnach wurden bei dem Flug ein Ionen-Triebwerk und ein Solarsegel getestet.

    X-37B
    © Foto: U.S. Air Force photo
    X-37B

    In den westlichen Medien wurden aber auch verschiedene Vermutungen und Verschwörungstheorien geäußert: So hatte die Independent berichtet, der Shuttle habe vermutlich neue Satelliten-Waffen getestet sowie mit Spionage-Programmen die Erde überwacht. Es wurde außerdem der Gedanke geäußert, dass die X-37B die chinesische Raumfahrtstation «Tiangong-1» ausspioniert haben soll oder mit solchen Flugzeugen der Dritte Weltkrieg geführt werden könnte. 

    Ob das nun Unfug ist oder nicht — eines bleibt klar: Das Projekt dient sicherlich nicht nur wissenschaftlichen Zwecken, da das Programm schon seit längerem vom US-Militär kuriert wird.

    Im Mai hatte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu versichert: Auf die US-Pläne zur Militarisierung des Weltraums habe Russland eine Antwort parat. Denn sein Ministerium „schläft nicht“, betonte der General. 

    ​Laut dem Militärexperten Alexei Leonkow ist die Idee eines orbitalen Flugzeugs nicht neu – so wurde schon zu Sowjetzeiten in den 60er-Jahren ein ähnliches Projekt mit dem Namen „Spirale“ gestartet, das jedoch zugunsten eines ehrgeizigeren Raumfahrtprograms in den 70-ern verworfen wurde – des Buran-Raumgleiters, der einst ein ebenbürtiger Gegner des Shuttles war, jedoch zuletzt im November 1988 für einen unbemannten Testflug verwendet wurde.

    ​„Die Amerikaner setzen auf X-37B, weil das „Shuttle“-Programm geschlossen wurde. So sollen die Shuttles und Trägerraketen durch ein ganzes Luft-und Raumfahrtsystem abgelöst werden. Es sickerte die Information durch, dass 2019 das erste wiederverwendbare Modell an der ISS andocken soll. Es ist klar, dass ein solches System nicht nur zivilen, sondern auch militärischen Zwecken dient“,  so Leonkow gegenüber dem Portal „polit.info“.

    Russland besitze zwar ein Raketenfrühwarnsystem, hätte den Start eines solchen Minishuttles womöglich aber nicht ermitteln können, da dieser als ein Satellit identifiziert werden würde. 

    Buran
    © Sputnik/ Alexandr Mokletsow
    Buran

    Derzeit hoffe Moskau aber darauf, dass die Militarisierung des Weltraums doch nicht stattfinden werde. Russland besitze jedoch genügend technisches Potenzial, um diesem Problem jederzeit gerecht zu werden und dutzende verworfene Projekte wiederzubeleben: „In diesem Sinne sollte man die Amerikaner an die orbitale R-36 (ballistische Interkontinentalrakete, die später als Grundlage für die Raumflug-Trägerrakete vom Typ Zyklon diente, Anm. d. Red.) erinnern, die jedes beliebige Ziel des Erdballs treffen könnte. Dieses Projekt könnte man wiederbeleben.“

    Zuvor wurde auch über weitere Alternativen berichtet: So gibt es das Projekt des suborbitalen Flugzeugs MG-19, das äußerlich der Raumfähre Buran ähnelt, doch im Unterschied dazu ohne Trägerrakete in den Weltraum fliegen und selbstständig zurückkehren kann. Der erste Prototyp dieser Maschine soll in allernächster Zeit gebaut werden.

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    Tags:
    Shuttle, Weltall, Bedrohung, Buran, Raumflugzeug X-37B, US Air Force USAF, Sergej Schoigu, Moskau, USA, Russland