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06:46 23 Juli 2019
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    Soldaten mit Sturmgewehr des belgischen Waffenproduzenten Fabrique Nationale Herstal im Bullpup-Design (Symbolbild)

    Diese Science-Fiction-Waffen sind bald Realität

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    Anfang Juli wurde bekanntgegeben, dass das aussichtsreiche russische Atom-U-Boot des Projekts Haska zwischen 2018 und 2025 gebaut wird. Dies teilte der stellvertretende Kommandeur der russischen Kriegsflotte, Vizeadmiral Viktor Bursuk bei der Internationalen Marinemesse in Sankt Petersburg mit.

    B-1B Lancer der U.S. Air Force
    © Foto : U.S. Air Force/Senior Airman Benjamin Stratton
    Die Hauptwaffe des neuen U-Bootes können Hyperschall-Raketen Zirkon werden, die in Russland seit 2016 getestet werden. Dem Militärexperten Andrej Koz zufolge kann die neue Waffe atemberaubende Geschwindigkeiten von 7000-8000 km/h erreichen, was sie unanfechtbar für alle derzeit existierenden Flug- und Raketenabwehrsysteme macht.

    Laut vielen Experten ist dies das Maximum, was aus den modernen Raketentechnologien herausgeholt werden kann. Viele Rüstungsbranchen erreichten derzeit ihr oberstes Limit. Zugleich versuchen Wissenschaftler und Militärs vieler Länder seit vielen Jahren, einen technologischen Durchbruch zu erzielen, der die Entwicklung von Waffen ermöglichen würde, die auf ganz anderen physikalischen Prinzipien ruhen.

    Hyperschall-Waffe

    Hyperschall-Flugwesen (Flugzeuge, Raketen, Drohnen u.a.) funktionieren zwar nach denselben Prinzipien wie Überschall-Apparate, haben jedoch etliche bedeutende Unterschiede, die es ihnen ermöglichen, enorme Geschwindigkeiten zu erreichen. So verläuft die Marschschubphase der russischen Anti-Schiffs-Rakete Zirkon laut offenen Quellen in einer Höhe von 30 bis 40 Kilometern. Dort ist der Luftwiderstand sehr gering, weshalb die Geschwindigkeit und Reichweite der Rakete höher sind. Auf diese Höhe wird die Zirkon-Rakete mit einem Feststoffantrieb gebracht, der das Geschoss bis an die Hyperschall-Geschwindigkeit beschleunigt. Danach kommt die Freistorm-Stauturbine zum Einsatz, die die Rakete zur Hyperschall-Geschwindigkeit bringt. Die Reichweite liegt bei 350 bis 500 Kilometern.

    Hyperschall-Marschflugkörpers X-51A Waverider
    © Foto : US Air Force
    Hyperschall-Marschflugkörpers X-51A Waverider

    Die Indienststellung der neuen Rakete ist bereits für das kommende Jahr geplant. Laut vielen Militärexperten wird das Auftauchen von Zirkon-Raketen in der Flotte dazu führen, dass die Rolle der Flugzeugträger der USA stark zugunsten der russischen Atom-Kreuzer und U-Boote abgeschwächt wird, die mit diesen Raketen ausgerüstet werden sollen. Allerdings entwickeln die Amerikaner ebenfalls ähnliche Komplexe, beispielsweise den Hyperschall-Marschflugkörper X-51 Waverider des Boeing-Konzern. Er wird seit 2010 getestet, die Informationen über seinen Grad der Fertigstellung werden geheim gehalten. Doch bekannt ist, dass Waverider während eines Testflugs im Jahr 2013 die Höhe von 18200 Metern erreichte, wo sie auf eine Geschwindigkeit von mehr als 5500 km/h kam und 426 Kilometer zurücklegte. Diese Rakete soll bis Ende 2017 in Betrieb genommen werden.

    Zu solchen Geschwindigkeiten werden nicht nur Angriffskomplexe beschleunigt. In mehreren Ländern arbeitet man an Hyperschall-Flugzeugen, —Drohnen, —Raumgleitern und –Raumfähren, —Gefechtsblöcken und ballistischen Raketen. Das Pentagon berichtete im vergangenen Jahr, dass der US-Aufklärungsdienst 2014-2016 sieben Teststarts des chinesischen Hyperschall-Geräts DF-ZF fixierte, welches eine Geschwindigkeit von etwa 6000 km/h erreichte.

    Railgun

    Eine weitere aussichtsreiche Entwicklung im Waffenbereich ist die so genannte Railgun (Schienenkanone). Das ist eine Waffe, die Stahlgeschosse mittels eines stromführenden Schlittens auf zwei parallel verlaufenden Schienen beschleunigt. Die Beschleunigung entsteht durch das Magnetfeld, das vom Stromfluss erzeugt wird. Einfacher gesagt, ist es eine Kanone, die Geschosse abfeuert, die mit Stromfluss statt Pulverladung beschleunigt werden.

    US-Schienenkanone
    © Foto : U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Kristopher Kirsop
    US-Schienenkanone

    Bei Railgun können leichtere Geschosse  im Unterschied zu Feuerschusswaffen theoretisch bis zu jeder Geschwindigkeit beschleunigt werden. Die russischen Wissenschaftler vom Vereinigten Institut für Hohe Temperaturen haben im vergangenen Jahr aus einer experimentellen Railgun eine 15 Gramm schwere Plastikkugel gegen ein Alu-Stück abgefeuert. Das Geschoss erreichte eine Geschwindigkeit von drei km/sec.

    Neuester US-Zerstörer Zumwalt
    © Foto : US Navy
    Neuester US-Zerstörer Zumwalt

    Auch die Amerikaner wollen Railguns für militärische Zwecke verwenden. Das Kommando der US-Marine will mit diesen Waffen bis 2020 die Zerstörer der Zumwalt-Klasse ausrüsten. Allerdings sind die Aussichten des Projekts bislang unklar. Die Railguns haben mehrere Nachteile – sie nehmen viel Platz ein, für das Schießen ist eine starke Stromquelle erforderlich. Zudem kann die Flugbahn nach dem Abschuss nicht korrigiert werden. Darüber hinaus unterscheidet sich die Durchschlagsleistung bei einer großen Entfernung nicht von Artilleriegeschossen mit mittelgroßem Kaliber. Wie jedoch der Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften, Wladimir Fortow, im Juni vergangenen Jahres berichtete, werden die russischen Railguns vielleicht zur Vernichtung von Weltraumschrott sowie für den Transport von Satelliten und Frachten auf eine Erdumlaufbahn genutzt.

    Kampflaser

    Mit Laserwaffen experimentierten die Sowjetunion und die USA während des Kalten Krieges, doch kein einziges System wurde in die Bewaffnung aufgenommen. Um dem Laserstrahl eine todbringende Wirkung zu geben, waren zu große Energiequellen nötig. Allerdings werden die entsprechenden Entwicklungsarbeiten auch heute noch geführt. Die Hauptrichtung der Entwicklungen sind große mobile und stationäre Systeme. Aussichtsreiche Anwendungsbereiche – Bekämpfung von ballistischen Raketen, Beschädigung von Satelliten und optischen Geräten, Kampf gegen Fliegerkräfte, Drohnen, kleine Schiffe, Blenden der gegnerischen Militärs.

    Auf dem Schiff USS Ponce installierte Laserkanone
    © Foto : US Navy
    Auf dem Schiff USS Ponce installierte Laserkanone

    Das bekannteste Projekt ist das experimentelle US-Flugzeug mit der bordgestützten chemischen Laseranlage Boeing YAL-1, das 2002 in den Himmel stieg. Bei einem möglichen Ausbruch eines Atomkriegs hätte es Patrouillenflüge absolvieren müssen. Beim Start interkontinentaler ballistischer Raketen des Gegners hätte er sie in der Beschleunigungsphase mit einem Megawatt-Laser treffen sollen. Während der Tests schoss das Flugzeug erfolgreich einige Übungsziele ab, doch 2011 wurde das Projekt eingestellt. Für das Pentagon waren die Kosten zu hoch. In Bezug auf die Raketenabwehr wurde beschlossen, sich auf die Verbesserung des Raketenabwehrsystems “Aegis” und Antiraketen “Standard” zu konzentrieren. Allerdings arbeiten US-Militärs weiter an mehreren aussichtsreichen Laserprojekten.

    Über das Programm zur Entwicklung von Kampflasern in Russland ist nicht viel bekannt. Der Generalstabschef Juri Balujewski berichtete 2014, dass in dieser Richtung gearbeitet werde, allerdings wurden keine Details mitgeteilt. Bekannt ist, dass in der Sowjetunion der Schwerpunkt auf die Entwicklung eines Lasers zum Blenden des Gegners und zur Vernichtung von Satelliten gelegt wurde.

    US-Wissenschaftler arbeiteten seit Ende der 1990er-Jahre an der Schaffung einer Waffe, die gegnerische Soldaten kampfunfähig macht, ohne ihnen dabei großen Schaden zuzufügen. Die Studien erfolgten in mehreren Richtungen. Eine davon wurde das Projekt Active Denial System. Es handelt sich de facto um eine leistungsstarke Mikrowellen-Kanone, die elektromagnetische Schwingungen von etwa 94 GHz aussendet und eine kurzfristige Schockwirkung auf Menschen hat. Die Amerikaner nennen diese kurzzeitige Wirkung „Goodbye-Effekt“.

    Mit ADS-Systemen sollten US-Panzerwagen Hummer und Stryker ausgerüstet werden. Dennoch wurden sie nicht umfangreich eingesetzt. Sie werden nur von US-Rechtsschutzorganen bei der Vertreibung einer feindlich gestimmten Menschenmenge genutzt. Allerdings schließt das Pentagon nicht aus, dass eine stärkere Anlage dieses Typs mit dem Flugzeug AC-130 für nicht-tödliche „Bombenangriffe“ gegen gegnerische Soldaten eingesetzt werden kann.

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    Tags:
    Zukunft, Laserwaffen, Railgun, Hyperschallrakete, Waffen, USS Zumwalt, USA, Russland