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    Schützenpanzerwagen Kurganez-25 (Archivbild)

    Russland, USA oder Deutschland: Wettkampf um indischen Schützenpanzermarkt

    © Sputnik / Maxim Blinow
    Technik
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    Über das Schicksal des indischen Programms zur Entwicklung des Panzerwagens der Zukunft (FICV/Futuristic Infantry Combat Vehicle) wird nach der Juli-Sitzung des Verteidigungsrates Indiens entschieden, schreibt das russische Internetportal svpressa.ru am Freitag.

    Bei positiver Entscheidung werden die indischen Militärs den Auftragnehmer unter drei örtlichen Konzernen wählen müssen – Mahindra Group, TATA Motors und Reliance Defence. Nach Angaben der „Financial Express“ soll auch ein ausländischer Partner bestimmt werden, der komplexe Ausrüstungen für neue Schützenpanzerwagen herstellen wird. Dabei dürften der US-Konzern General Dynamics, vom Staatskonzern Rosoboronexport geführte russische Rüstungsbetriebe und die deutsche Unternehmensgruppe Rheinmetall konkurrieren.

    Das FICV-Projekt hat zum Ziel, auf dem Territorium Indiens 2.610 via Luft transportierbare Raupen- und Radschützenpanzer zu bauen. Sie sollen 1.400 überholte Schützenpanzer BMP-1 und BMP-2 des indischen Heeres ersetzen. Die Maschine soll eine dreiköpfige Besatzung haben und bis zu acht Soldaten transportieren. Ihre Konstruktion soll Verluste bei der Detonation von Minen oder selbstgebastelten Bomben minimieren.

    Früheren Meldungen zufolge hatte Indien bereits mit französischen, israelischen, koreanischen und britischen Unternehmen verhandelt. Das Projekt hat einen Wert von 7,5 Milliarden US-Dollar. Aber noch im Februar hatte der damalige indische Verteidigungsminister Manohar Parrikar das Projekt auf 15 Milliarden Dollar veranschlagt.

    Nach Angaben des Portals Defense News hatte Russland Indien 2012 vorgeschlagen, auf das Projekt zugunsten des Erwerbs von Technologien zu verzichten, die dem Schützenpanzer BMP-3 zugrunde liegen. Im Dezember 2013 wurde bekannt, dass die indische Regierung doch noch bei FICV bleibt, wovon Russland in Kenntnis gesetzt wurde.

    Dennoch wurde das FICV-Projekt ausgesetzt, weil die Regierung in Neu Delhi niemanden von zwei Finalisten des Wettbewerbs auswählen konnte. 2015 schlug Indien den interessierten Unternehmen ein weiteres Mal vor, Daten zur künftigen Maschine vorzulegen.

    Welche Chancen hat Russland beim neuen indischen Wettbewerb, falls dieser nicht wieder abgesagt wird? „Die Chancen sind gut, weil russische Produzenten einen neuen gepanzerten Wagen sowohl auf dem Raupen- als auch auf dem Rad-Fahrgestell anbieten kann“, sagte Andrej Frolow, Chefredakteur des Magazins „Export Wooruschenij“ (Rüstungsexport) und Mitarbeiter des analytischen Zentrums für Strategie und Technologien.

    „Aus Gesprächen mit Vertretern des Militär-Industrie-Komplexes, die Kontakt zu den indischen Partnern haben, geht hervor, dass Neu Delhi kein Interesse am Kauf von Panzerwagen wie BMP-3 hat, sondern plant, die Produktion auf eigenem Territorium einzurichten. Dabei soll der neue Panzerwagen in einem indischen Konstruktionsbüro konzipiert werden. Aber angesichts der mangelnden eigenen Konstruktionskapazitäten und –mittel sind die Inder darauf angewiesen, mit ausländischen Unternehmen zu kooperieren, die ausreichend Erfahrungen in dieser Sparte haben“, betonte der Experte.

    Die Inder stufen BMP-3 als eine veraltete Maschine ein, wenngleich deren Fahrgestell immer noch aktuell ist. Die indische Seite strebt danach, ihre Industrie durch neue Technologien aufzurütteln. Aber die Entwicklung eines neuen Schützenpanzers ist eine komplizierte Sache. An der Realisierung des Projekts einer neuen russischen Maschine vom Typ Kurganez-25 sind dutzende Unternehmen beteiligt. In diesem Fall wird sich Indien gezwungen sehen, neue Betriebe zu bauen.

    Wladimir Koschin, Berater des russischen Präsidenten für militärtechnische Kooperation, hatte im Juni 2015 in einem Interview mitgeteilt, dass Indien und China Interesse am Kurganez-25 und am neuartigen Panzer T-14 Armata zeigen, schreibt svpressa.ru.

    Was die Konkurrenz betrifft, sind deutsche Schützenpanzer teuer und werden auch in der indischen Ausführung nicht billig sein. Der neuartige Schützenpanzer Puma aus deutscher Produktion kostet etwa sieben Millionen Euro. Die Inder werden es sich kaum leisten, derartige Maschinen auf ihrem Territorium zu montieren.

    Der Kurganez-25 ist ebenfalls ziemlich teuer. Schwache Seite Russland besteht darin, dass weder Kurganez-25 noch Bumerang (auf Rad-Fahrgestell) bislang nicht in Dienst gestellt wurden.

    Nicht schlechte Chancen haben auch die Amerikaner, für die Indien einfach aus politischen Erwägungen heraus entscheiden könnte. Indische Konzerne und ihre US-amerikanischen Partnern tüfteln bereits aktiv am Konzept des neuen Schützenpanzers.

     

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