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12:48 13 November 2019
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    Sowjetische Kampflugzeuge von Senkrechtstart und -landung auf dem Kreuzer Noworossijsk (Archivbild)

    Pläne für Senkrechtstarter schüren Streit um Russlands künftige Marine-Strategie

    © Sputnik / Wladimir Rodionow
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    Die Frage, ob die russische Kriegsflotte senkrechtstartende Kampfjets braucht, ist Teil einer breiteren Diskussion. Es geht darum, ob Russland künftig auf große Flugzeugträger setzt. Einen Kommentar zum Thema liefert die Onlinezeitung vz.ru.

    Die Onlinezeitung bezieht sich auf die jüngste Mitteilung des Chefs der russischen Marineflieger, Igor Kozhin. Er sagte, die Entwicklung eines Senkrechtstarters für künftige Flugzeugträger sei im russischen Rüstungsprogramm für den Zeitraum von 2018 bis 2025 bereits verankert. Der stellvertretende Verteidigungsminister Juri Borissow hatte zuvor gesagt, die Entwicklung einer solchen Maschine werde derzeit diskutiert.

    In der Sowjetzeit hatte sich das Konstruktionsbüro Jakowlew mit der Entwicklung eines Senkrechtstarters beschäftigt. Die Jak-38 war laut vz.ru ein „völliges Missgeschick“, spielte aber seine Rolle als Technologie-Demonstrator. Im Jahr 1987 absolvierte dann die Jak-141 ihren Erstflug. Im Jahr 1991 landete sie erstmals auf einem Flugzeugträger. Doch 2003 wurde das Projekt eingestellt.

    Die Onlinezeitung kommentiert, die Entwicklung einer neuen Flugzeugträger-Generation und passender schiffsgeschützter Flugzeuge sei in Russland längst ein heiß umstrittenes Thema. Es gebe dabei zwei verschiedene Standpunkte.

    „Einem davon zufolge braucht das Land einen riesigen Flugzeugträger, der ohne Senkrechtstarter auskommt, weil er als Flugplatz für waagerecht startende Flugzeuge (wenn auch mit Katapult oder Schanze) dienen kann. Solch ein gigantisches und äußerst aufwendiges Schiff mit einer Wasserverdrängung von mehr als 100.000 Tonnen, das bis zu 100 Maschinen mitführen soll, kommt längst in perspektivischen Plänen des Verteidigungsministeriums vor. Es gab schon Ankündigungen, wonach man bereit wäre, gegen 2025 mit seinem Bau zu beginnen. Dieses Schiff soll Russlands Militärpräsenz in abgelegenen Meeresgebieten unterstützen und an Militäreinsätzen wie in Syrien teilnehmen“, schreibt vz.ru. 

    Der alternative Standpunkt bestehe darin, dass die russische Kriegsflotte entweder relativ kleine Flugzeugträger oder Mistral-artige Landungsschiffe bräuchte. Solche Schiffe könnten eben senkrecht startende Flugzeuge mitführen, hieß es.

    Vz.ru kommentiert, eventuelle Mistral-Pendants seien allerdings eher für nahegelegene Meere geeignet – etwa für das Schwarze Meer oder die Ostsee: „Theoretisch könnten sie in Tartus stationiert werden, falls dieser syrische Hafen in eine vollwertige Marinebasis umgerüstet wird. Doch im Großen und Ganzen entspricht dies nicht jenem Niveau der ‚Machtprojektion‘, das Russland künftig beanspruchen möchte. Eher entspricht dies dem Niveau Japans mit seinen vier Hubschrauberträgern.“

    Die Befürworter kleinerer Schiffe weisen laut vz.ru darauf hin, dass Russland keine passende Werft habe, um einen großen Flugzeugträger zu bauen. Dieser brauche außerdem unbedingt eine Kampfgruppe als Begleitung, was das Projekt drastisch teurer mache.

    Aber auch der Plan, kleinere Schiffe mit Senkrechtstartern zu bauen, werde zu Recht kritisiert. Senkrecht startende Flugzeuge seien langsamer, hätten eine deutlich geringere Reichweite und Nutzlastkapazität. Dabei sei ihr Treibstoffverbrauch viel größer – ebenso wie der Triebwerk-Verschleiß, hieß es weiter.

    Generell geht es nach Ansicht von vz.ru um eine Frage der Strategie: „Im Idealfall bräuchte die Kriegsmarine diese beiden Flugzeugträger-Typen, die in unterschiedlichen Meeresgebieten und zu grundsätzlich unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden sollten (…) Die Geografie der russischen Küste setzt den Bedarf an quasi ‚zwei Flotten‘ voraus. Die erste davon wäre eine geringe, aber effiziente Gruppe für Missionen und Einsätze in abgelegenen Gebieten, die andere wäre eine ‚Tümpel-Flotte‘ für nahegelegene Meere und küstennahe Gebiete. Von ihrer Bestimmung her sollten sie nicht im ‚Kampf um den Stapel‘ miteinander konkurrieren.“

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    Tags:
    Diskussion, VOTL-Flugzeug, Strategie, Marine, Flugzeugträger, Sowjetunion, Syrien, Russland