16:08 11 Dezember 2017
SNA Radio
    Pakistanischer Raketenkomplex Ra'ad bei der Militärparade in Islamabad (Archivbild)

    Präzisionswaffen für die Ärmeren – wie sie international Fuß fassen

    © AFP 2017/ Aamir Qureshi
    Technik
    Zum Kurzlink
    0 287

    Marschflugkörper sind keine elitären Waffen mehr – auch ärmere Länder sind mittlerweile in der Lage, sie zu bauen. Schelle Fortschritte auf diesem Gebiet werden etwa im Iran und in Pakistan erzielt. Der russische TV-Sender Swesda analysiert die Situation.

    „Die Marschflugkörper sind ausgezeichnete Präzisionswaffen, aber auch passende Trägersysteme für nukleare Sprengsätze – falls das jeweilige Land darüber verfügt“, postuliert der Sender in seiner Onlineausgabe.

    Er erläutert: „Sie fliegen in geringen Höhen, sind für Radare weniger auffällig als Kampfjets. Was aber am wichtigsten ist, sie sind sehr billig – sowohl im Vergleich zu Kampfflugzeugen als auch im Vergleich zu ballistischen Raketen. Denn viele Technologien, die in den 1970er und den 1980er Jahren nur wenigen Ländern zur Verfügung gestanden hatten und damals sehr teuer gewesen waren, finden nun massiv Anwendung im Zivilbereich. Es geht um Videosysteme, Schnellrechner, effiziente Datenspeicher, Satellitennavigationssysteme sowie um eine breite Palette von Triebwerken, die auf dem Weltmarkt angeboten werden.“

    In diesem Sinne errege das iranische Programm Aufsehen. Im Jahr 2014 habe das Land seinen luftgestützten Marschflugkörper Ya-Ali demonstriert. Dessen Reichweite werde auf 700 Kilometer geschätzt. Dies gehe nicht zuletzt darauf zurück, dass es dem Iran gelungen sei, das französische Triebwerk Microturbo TRI 60 zu kopieren, hieß es.

    Im Jahr 2015 habe der Iran dann seinen Soumar-Marschflugkörper präsentiert. Dieser ähnele äußerlich der sowjetischen Luft-Boden-Rakete Kh-55, sei aber bodengestützt. Bei einem Teststart im laufenden Jahr habe die iranische Rakete rund 600 Kilometer zurückgelegt. Ihre maximale Reichweite werde von Experten auf 2.000 bis 3.000 Kilometer geschätzt, so der Bericht.

    „Pakistan betrachtet die Marschflugkörper als wichtigen Bestandteil seines Raketen- und Atomarsenals, und zwar wegen der rasanten Fortschritte des indischen Raketenabwehr-Programms“, stellt der Sender fest.

    Bei seinen Entwicklungsarbeiten verfüge Pakistan als Vorlage über eine große „Sammlung“ von Fragmenten und Blindgängern jener amerikanischen Marschflugkörper des Typs BGM-109, die in den Jahren 1998 und 2001 bei US-Raketenangriffen am Hindukusch eingeschlagen seien, hieß es weiter.

    Pakistan habe sowohl bodengestützte Marschflugkörper Babur-1 und Babur-2 als auch deren seegestützte Version Babur-3. Die Reichweite betrage jeweils 700, 750 und 450 Kilometer. Dazu noch gebe es luftgestützte Waffensysteme Ra'ad-1 und Ra'ad-2 mit einer Reichweite von jeweils 350 und 550 Kilometern, berichtet der Sender. 

    Generell kommentiert er: „Erstens hören Präzisionsraketen mit großer Reichweite auf, ein Attribut des ‚Elite-Klubs‘ zu sein.“ Zweitens sei es inzwischen oft möglich, sie mit kleineren und leichteren Trägersystemen zu transportieren.

    „Drittens werden immer mehr Lieferanten von Marschflugkörpern größerer Reichweite aus Rüstungsmächten ‚zweiten Ranges‘ allmählich auf den Weltwaffenmarkt kommen – zunächst verborgen, dann auch offen. Aktiv gearbeitet wird in den beiden Koreas, in Indien und in vielen weiteren Ländern“, so die Prognose.

    Zum Thema:

    Syrien-Einsatz: Putin zufrieden mit Kampfjets und Marschflugkörpern
    Waffenmesse in Astana: Russische Schiffe mit Kalibr-Marschflugkörpern im Fokus
    USA besorgt über mögliche Indienststellung neuer russischer Marschflugkörper - NYT
    Kalibr und Onyx: Russische Marschflugkörper vernichten IS-Objekte in Syrien – VIDEO
    Tags:
    Raketenkomplex, Interkontinentalrakete, Schwellenstaaten, Marschflugkörper, Flugabwehrraketensystem Patriot, Sowjetunion, Pakistan, Iran, Irak, USA, China
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren