09:26 24 Oktober 2017
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    Russische Marine Torpedos (Archiv)

    Russland modernisiert Superkavitations-Torpedos: „Schlagendes“ Argument der Zukunft

    © AFP 2017/ Sebastien BERGER
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    Für 2018-2025 ist die rundum Modernisierung des russischen superkavitierenden Unterwasserlaufkörpers „Schkwal“ (zu Deutsch: Sturmböe) in das staatliche Rüstungsprogramm aufgenommen worden, meldet der Leiter der staatlichen Tactical Missiles Corporation Boris Obnosov. Die Torpedos könnten entscheidend im geopolitischen Ringen der Zukunft werden.

    Der superkavitierende Torpedo "Schkwal" ist in der Lage unter Wasser die Geschwindigkeit von über 370 km/h zu erreichen. Dies verdankt er zum einen seinem Raketentriebwerk, welches als Treibstoff Wasserstoffperoxid und Kerosin verwendet, und daher im Wasser seine volle Wirkung entfalten kann. Zum anderen besitzt der Torpedo eine besondere Spitze, die die Superkavitation auslöst – eine Art Gasblase, in der sich der Torpedo bewegt.

    Schkwal Torpedo mit besonderer Superkavitationsspitze (Archiv)
    Schkwal Torpedo mit besonderer Superkavitationsspitze (Archiv)

    Die Superkavitation ist ein Phänomen, bei dem sich hinter einem sehr schnell von Flüssigkeit umströmten Körper der Druck so stark verringert und ein gasgefüllter Bereich entsteht, dass das Objekt mit sehr geringem Strömungswiderstand durch die Flüssigkeit geführt werden kann.

    Nach Schätzungen sowjetischer Forscher, die das Phänomen in der Militärtechnik verwirklichen konnten, ist ein unter Wasser in einer Superkavitation bewegter Gegenstand ab etwa 300 Meter pro Sekunde einem geringeren Strömungswiderstand ausgesetzt als bei einer gleich schnellen Bewegung in der Luft. Damit können hyperschnelle Torpedos gebaut werden, die von Verteidigungsmechanismen feindlicher Schiffe praktisch nicht abzufangen sind.

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    © Sputnik/ Presseamt des russischen Verteidignugsministeriums
    Genau diese Technologie wurde bei "Schkwal" eingesetzt. Der Torpedo kann trotz seiner beachtlichen Länge von 8,2 Metern sowie einem Gewicht von rund 2700 kg Geschwindigkeiten von über 370 Kilometer pro Stunde erreichen. Damit kann der Unterwasserlaufkörper nicht nur einen gewöhnlichen Sprengsatz sondern auch Atomsprengköpfe mit einer Stärke von über 150 Kilotonnen transportieren. Der Torpedo war 1977 in Dienst genommen worden und wird seit 1992 in Serie produziert.

    Nun soll dieser Torpedo massiv modernisiert werden. Bereits jetzt scheint das internationale Interesse an der Exportvariante der Unterwasserrakete "Schkwal-E" enorm zu sein – auch trotz des stolzen Preises von etwa sechs Millionen Dollar pro Stück.

    Der Preis ist es aber wert: Ein Schwarm von "Schkwal"-Torpedos ist in der Lage ganze Flugzeugträgerverbände zu versenken und eignet sich damit ideal gegen mögliche Gefahren auf See. Ein Torpedo hat zudem eine ganze Reihe an Vorteilen gegenüber gewöhnlichen Anti-Schiff-Raketen: Er ist schwerer zu entdecken, schwerer abzufangen und kann einen deutlich größeren Sprengsatz tragen, der zu alledem seine Wirkung unter der Wasserlinie des Schiffes entfaltet – also in der sensibelsten Zone.

    Die Einzigartigkeit des "Schkwal" ist auch der Tatsache zu entnehmen, dass bis dato kein anderes Land solch einen superkavitierenden Torpedo in Serie produzieren konnte. Die Deutsche Marine entwickelte gemeinsam mit dem Konzern Diehl BGT Defence das Versuchsprojekt „Superkavitierender Unterwasserlaufkörper“, einen Torpedo, der 400 Kilometer pro Stunde (das entspricht rund 216 Knoten) erreichen sollte. Der Prototyp, auch unter dem Codenamen „Barrakuda“ bekannt, war 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt worden, kam jedoch nie bis zur Serienreife. Die Vereinigten Staaten entwickeln ebenfalls seit 1997 einen eigenen Prototypen, kamen aber ebenfalls nie bis zur Indienstnahme. Der schnellste US-Torpedo Mark 48, der auf U-Booten basiert wird, erreicht immerhin eine Geschwindigkeit von etwa 100 Kilometern pro Stunde – was allerdings immer noch nicht einmal ein Drittel der "Schkwal"-Geschwindigkeit beträgt.

    Damit sind die russischen Torpedos die fortschrittlichsten ihrer Zeit und haben keine echten „Gegenspieler“ weder im Westen noch im Rest der Welt und das vermutlich noch die kommenden Jahrzehnte. Gerade angesichts der Tatsache, dass geopolitische Größen wie die USA und auch zunehmend China ihren politischen und militärischen Einfluss in der Welt durch aufgerüstete zahlreiche Flottenverbände auf den Weltmeeren durchsetzen wollen, könnten die „Sturmböen“-Torpedos als echte Schiffskiller den für Russland benötigten „Ass im Ärmel“ – das schlagende Argument der Geopolitik – darstellen, um sich im globalen politischen Spiel der nahen Zukunft behaupten zu können.

     

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    Tags:
    Torpedo, Geopolitik, Marine Russlands, Russland
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