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    „Als Erster kaufte Steve Jobs unser Patent“: Wie russischer Arktis-Laser entsteht

    © AFP 2019 / Nicolas Asfouri
    Technik
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    Eine aus Russland stammende Erfindung hilft bei der Herstellung von iPhones. Ein Laser soll unterdessen russische Eisbrecher effizienter machen. Welcher Zusammenhang da besteht, klärt ein zuständiger Forscher in einem Interview mit der Onlinezeitung vz.ru auf.

    Im November soll der russische Eisbrecher „Dikson“ nach Angaben von vz.ru unmittelbar auf See mit den Tests einer Laseranlage beginnen, die von dem Forschungszentrum Astrofisika gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Arktis und Antarktis entwickelt wurde. Astrofisika ist Teil der russischen Holding Shvabe, die wiederum der Staatsgesellschaft Rostec gehört.

    Der für Forschung und Entwicklung zuständige Vizechef von Shvabe, Sergej Popow, sagte der Onlinezeitung, die Pointe der Erfindung bestehe darin, dass das Eis mit einem Laserstrahl wie mit einem Glasschneider geschnitten werde, und zwar zu einem Zehntel der Eisstärke. Deshalb brauche die Laseranlage keine große Leistung: „Bei unserem Know-how handelt es sich darum, ein Strahlenbündel zu bilden, das das Eis in einer vorgegebenen Entfernung vom Eisbrecher schneiden soll.“

    „Als Prototyp für die Idee, Eis mit einem Laser zu schneiden, darf eine von uns zuvor entwickelte Technologie betrachtet werden, die jetzt praktisch alle nutzen. Nur wenige wissen aber, dass diese Technologie hierländisch ist. Als Erster hatte Steve Jobs diese Erfindung bemerkt und unser Patent gekauft. Nun werden alle iPhone- und iPad-Bildschirme anhand unserer Methode und Ausrüstungen geschnitten. Wir verwenden diese Erfindung für die Industrie, Steve Jobs verwendete sie für den Massenverbraucher“, so Popow.

    Er erläuterte: „Ursprünglich waren Diamanttrennscheiben zum Einsatz gekommen, um Smartphone- und Handy-Bildschirme zu schneiden. Bei jener Methode entstand jedoch eine Naht; die Grenzen des Bildschirms bedurften eines ziemlich arbeitsaufwendigen Schliffs.“

    Das Unternehmen Sapfir (derzeit: Shvabe-Photosystems) habe gemeinsam mit dem russischen Institut für Wärmetechnik einen anderen Weg angeboten: „Mit einem Laser werden lokale Punkte erhitzt, auf dem Glas entstehen kleine Linien, dann wird ein Kältemittel (beispielsweise Wasser-Luft-Gemisch oder Stickstoff) auf die erhitzte Oberfläche gelegt. Durch schnelle Erhitzung und Abkühlung entsteht ein kleiner Riss. Diese Methode ermöglicht es, das Glasschnitt-Verfahren zu steuern und einen nahtlosen Smartphone-Bildschirm zu bekommen.“

    Im Hinblick auf den geplanten Schiffs-Laser sagte Popow: „Alle denken aus irgendeinem Grund, dass die Laseranlage am Bug platziert werden muss. In Wirklichkeit kann sie sich an jeder Stelle des Schiffs befinden – etwa auf dem Oberdeck oder drin. Die Laserstrahlung wird dann durch ein Lichtfaserkabel von großem Durchmesser weitergeleitet.“

    Er erklärte, es gebe kleinere Schiffe, die eine höchstens ein Meter dicke Eisschicht passieren können. Doch mit Hilfe einer Laseranlage werde es für sie möglich sein, eine 1,5 bis zwei Meter dicke Schicht zu überwinden. Formell steige also die Schiffsklasse: „Zwar wird ein Eisbrecher dadurch weder schwerer noch stärker, doch seine Möglichkeiten zur Überwindung von Eisfeldern werden zunehmen.“ 

    Laut Popow soll es der Laser zudem ermöglichen, die Kosten bei Seetransporten entlang der arktischen Küste sowie bei der Erschließung des arktischen Kontinentalschelfs zu senken: „Unsere Technologie soll dabei helfen, die vom Staat gestellten Aufgaben schneller zu lösen, und zwar die Schifffahrt-Saison auf dem Nördlichen Seeweg zu erweitern, ihn rund ums Jahr befahrbar zu machen und den Güterverkehr zu steigern.“

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    Tags:
    Herstellung, Eisbrecher, Laser, iPhone, Steve Jobs, Russland