15:09 08 April 2020
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    Flugzeugbomben, Marschflugkörper, Kriegsschiffe, Drohnen – der Syrien-Einsatz hat nicht nur die starken Seiten der russischen Streitkräfte demonstriert, sondern auch manche Mängel aufgedeckt. Darauf weist der russische Marineexperte Konstantin Siwkow in einem Gespräch mit dem TV-Sender Swesda hin.

    „Erstmals ist es uns gelungen, ein System im Kampf zu testen, das hochpräzise Bombenangriffe mit Freifallbomben ermöglicht. Dadurch, dass das Flugzeug präzise an den Punkt des Abwurfs gelangt, treffen herkömmliche Bomben ihr Ziel wie teuerste Präzisionswaffen. Das sind sehr nützliche Erfahrungen“, sagte Siwkow.

    „Doch bei allen Erfolgen unserer Luftangriffe hat der Einsatz gezeigt, dass sich ein Krieg nicht aus der Luft entscheiden lässt. (…) Eine absolute Luftherrschaft sichert nur Vorbedingungen. Wer als Sieger hervorgeht, wird auf dem Boden entschieden“, so der Experte.

    Er stellte fest: „Die Analyse des Bodeneinsatzes belegt, dass der Munitionsverbrauch bei gegenwärtigen Kriegen nicht geringer ist als in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Deshalb genügt es nicht, die modernsten Waffen zu haben: Man muss die Truppen damit sättigen. Bei einem Angriff in Libyen hatten die Amerikaner bis zu 200 Tomahawk-Raketen auf einmal eingesetzt. Unser Maximum in Syrien war das zeitgleiche Abfeuern von 26 Marschflugkörpern.“

    Es reiche aber nicht aus, genug Marschflugkörper zu haben. Um Russlands Verteidigungsfähigkeit zu sichern, müsse die Munitions-Industrie angekurbelt werden. Nötig seien Waffensysteme, um den Gegner aus großer Distanz massiv unter Beschuss nehmen zu können, wie etwa Mehrfachraketenwerfer des Typs Smertsch oder Grad, hieß es.

    Der Syrien-Krieg habe außerdem die außerordentliche Bedeutung von Flugzeugträgern demonstriert. Daran mangele es Russland. Es gebe auch nicht genug Kriegsschiffe für Hochsee-Missionen. Dies habe Russland daran gehindert, eine effiziente Unterstützung von See aus zu sichern, so der Experte weiter.

    Im Hinblick auf den Einsatz seegestützter Marschflugkörper sagte er, das Abfeuern von mehreren Dutzend davon habe eher der Propaganda gedient. Dies sei nicht gerade die passendste Waffe gegen vereinzelte Kämpfer-Gruppen:

    „Zwar haben wir die Stärke dieser Waffen gezeigt – und das war richtig. Doch einen ebenso großen Schaden hätte eine Kette von Tu-22M3-Bombern den Kämpfern im Laufe eines Einsatzes zufügen können. Ansonsten hat die Marine meistens nur Transportaufgaben gelöst.“

    Unbemannte Luftfahrzeuge haben laut Siwkow ihre große Bedeutung bestätigt: „Nun ist es klar, dass die Armee viele Drohnen haben muss. Selbst auf der Ebene Gruppe-Zug muss es eine eigene kleine Drohne geben. Erst recht auf strategischer Ebene! Unbemannte Luftfahrzeuge haben sich vor allem als Aufklärungsinstrumente gezeigt.“

    „Bestehende und künftige Gefechtsdrohnen sind indes kaum effizient. Das sind langsame Unterschall-Luftfahrzeuge mit großen Abmessungen – vulnerabel für Flugabwehrsysteme. Sie können nur gegen Anlagen mit schwacher oder fehlender Flugabwehr zum Einsatz kommen. Um Fla-Systeme zu überwinden, muss ein anderes Gefechtsdrohnen-Konzept entwickelt werden. Entweder wären Drohnen nötig, die sich von ihren Parametern her mit modernen bemannten Kampfjets gleichsetzen ließen, oder es müssten viele kleine Drohnen eingesetzt werden. Im letzteren Fall greifen die Drohnen ihr Ziel in Scharen an – und es ist nicht möglich, sie alle mit Flugabwehrsystemen abzuschießen“, erläuterte der Experte.

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    Tags:
    Militärtechnik, Experte, Erfolge, Probleme, Einsatz, Drohne, Marschflugkörper, Kalibr-Rakete, Tu-22M3, Russland, Syrien