22:02 18 Dezember 2018
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    Russische Marineoffiziere besichtigen das U-Boot vor Stapellauf (Archivbild)

    Klein, aber schwerbewaffnet: Russlands „Superpiranha“ und seine Vorgeschichte

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    Das in Russland entwickelte Kleinst-U-Boot P-650 soll multifunktional sein. Seine ursprüngliche Aufgabe ist es, sechs Kampfschwimmer zu ihrem Einsatzort zu bringen, doch bei Bedarf ist auch eine Ausstattung mit Marschflugkörpern möglich, um Überwasserschiffe und Ziele an Land ins Visier zu nehmen.

    Wie der TV-Sender Swesda berichtet, waren Kleinst-U-Boote des Typs Triton in der Sowjetzeit dafür zuständig gewesen, Spezialkräfte unter Wasser zu transportieren. In den 1990er Jahren wurde dann ein moderneres U-Boot für diese Zwecke entwickelt, und zwar im Rahmen des Projekts 865 Piranha. Neben den drei Besatzungsmitgliedern konnte es sechs Soldaten an Bord nehmen. Das war aber, wie der Sender betont, kein bloßes „Taxi“ – das Mini-U-Boot hatte auch Torpedos und Minen. Gebaut wurden allerdings nur zwei solche Untersee-Fahrzeuge.

    Die Entwicklungsarbeiten im Interesse des Verteidigungsministeriums liefen weiter. Nun bietet das Konstruktionsbüro Malachit das Kleinst-U-Boot P-650 an. Dieses weist zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Vorläufer auf, hat aber deutlich stärkere Waffen: Bis zu vier Marschflugkörper können dem Bericht zufolge mitgeführt werden. Dank der modularen Konstruktion der P-650 kann die Bewaffnung variieren. Möglich ist etwa die Bestückung mit acht 400-mm-Torpedos und zwölf Grundminen.  Ein nicht namentlich genannter russischer Marineoffizier a.D. sagte dem Sender, ausländische Pendants seien in der Regel für bloße Mannschaftstransporte zuständig:

    „Russische Kleinst-U-Boote haben in dieser Hinsicht Vorteile, denn nach dem Transport einer Spezialeinheit und nach dem Legen von Minen sind sie in der Lage, selbst ein größeres Übersee-Ziel unter Beschuss zu nehmen und leise zu verschwinden.“

    Dass die Indienststellung des neuen Kleinst-U-Bootes in Erwägung gezogen wird, hatte kürzlich die Tageszeitung „Iswestija“ unter Berufung auf das russische Marine-Hauptquartier berichtet. Wie es hieß, soll eine Entscheidung fallen, nachdem die endgültigen Parameter des Erzeugnisses präzisiert werden.

    Modell des Kleinst-U-Boots des Projekts 865 Piranha
    Modell des Kleinst-U-Boots des Projekts 865 Piranha

    Konstrukteur Viktor Karawajew sagte dem Blatt, die P-650 könne nicht nur Transporte übernehmen, sondern auch Patrouillen absolvieren. Sie sei fähig, sowohl see- und landgestützte Ziele anzuvisieren als auch Aufgaben im Sinne der funktechnischen Aufklärung zu erfüllen.

    Ein solches U-Boot ist 55 Meter lang und 6,4 Meter breit. Die maximale Tauchtiefe beträgt 300 Meter. Zwei Dieselgeneratoren erzeugen Strom für einen sehr leisen Propellermotor. Mehr als 3.000 Kilometer können zurückgelegt werden – meistens unter Wasser. Nach Angaben der Zeitung wird das U-Boot inoffiziell als Superpiranha bezeichnet.

    Nach Informationen des TV-Senders zeigen inzwischen auch ausländische Auftraggeber Interesse am neuen russischen Projekt, denn solche Kleinst-U-Boote könnten dabei helfen, Seegrenzen und ausschließliche Wirtschaftszonen besser abzusichern.

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    Sondereinheiten, Entwicklung, U-Boot, Kleinst-U-Boot "Piranha", TV-Sender Swesda, Verteidigungsministerium Russlands, Russland