10:51 21 September 2017
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    US-ALCM-Rakete AGM-86B (Archivbild)

    Bald auch atomar: Warum der neue US-Marschflugkörper so gefährlich ist

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    Die US-Luftwaffe will neue Marschflugkörper für ihre Langstreckenbomber – auch für atomaren Einsatz. Leichter als ihre Vorgängerinnen müssen die Raketen sein, damit mehr davon in ein Flugzeug passt. Was die neue Waffe so gefährlich macht, erklärt der russische Militärexperte Wladimir Korowin.

    Die US-Amerikaner wollen ihre ALCM-Rakete ersetzen, die Boeing noch Ende der Siebzigerjahre entwickelt hat.

    „Die ALCMs wurden massiv in Luftschlägen gegen Jugoslawien eingesetzt von B-52-Bombern aus. Natürlich sind die Flugkörper inzwischen in die Jahre gekommen“, sagt der Experte. „Und die luftgestützte Komponente ihres Atomarsenals haben die US-Amerikaner seit Jahrzehnten nicht modernisiert.“

    Außerdem habe der Einsatz der russischen Ch-101 gegen die Terroristen in Syrien die US-Amerikaner ziemlich gestichelt. „Jetzt haben sie beschlossen, sich die gleiche Waffe zu beschaffen“, sagt Korowin.

    Bei ihrer neuen Rakete würden die US-Amerikaner auf verbesserte Tiefflugeigenschaften Wert legen, „natürlich wird Tarnkappentechnik angewendet, die die Amis so sehr lieben.“

    Auch muss der neue Marschflugkörper leichter sein: „Die B-52 hat drei Aufhängungen für Raketen und die B-1 ein rotierendes Magazin. Höchstwahrscheinlich wird die Zahl der Marschflugkörper pro Maschine einfach erhöht – das heißt also: Leichtere Raketen bei gleichbleibender Reichweite von mehreren Tausend Kilometern“, erklärt der Fachmann.

    Besonders gefährlich werde die neue Rakete denn auch, weil ganze Schwärme davon abgefeuert werden könnten:

    „Wenn eine B-1 zwölf und eine B-52 24 Flugkörper an Bord hat, ist es eine Sache. Eine ganz andere Sache ist aber, wenn die Bomber mit bis zu 40 Raketen beladen werden.“

    Die russische Flugabwehr müsse sich also darauf einstellen, noch effektiver zu funktionieren: „Jeder Bomber wird der russischen Flugabwehr künftig mehr abverlangen, aber eine lösbare Aufgabe ist es schon“, betont Korowin.

    Heutige Flugabwehrsysteme der russischen Armee – S-300, S-400, Panzyr-S1 – würden mit dem neuen Marschflugkörper fertig, sagt der Experte. „Die Rakete wird definitiv als Zielobjekt heutiger und künftiger Flugabwehrsysteme aus russischer Fertigung einprogrammiert.“

    Die US-Luftwaffe hat am 23. August bekanntgegeben, dass die US-amerikanischen Rüstungsfirmen Lockheed Martin und Raytheon einen neuen Marschflugkörper für die strategischen Langstreckenbomber entwickeln werden. Die neue Rakete wird auch Atomsprengköpfe tragen können. Die vorläufigen Verträge im Wert von rund 900 Millionen Dollar sehen eine Laufzeit von 54 Monaten vor. Danach soll eine der beiden Firmen den Zuschlag für die Lieferung von 1.000 Marschflugkörpern erhalten. Nur ein Teil davon soll mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden.

    Die neue Waffe werde es ermöglichen, die Atomtriade der Vereinigten Staaten zu modernisieren und das Einsatzspektrum der Luftwaffe auszuweiten, sagte in diesem Zusammenhang die US-Luftwaffenministerin Heather Wilson. Die Abschreckungsstrategie funktioniere in Bezug auf die Gegner der Vereinigten Staaten, „die das Ausmaß des Risikos einschätzen können“, so die Ministerin.

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    Tags:
    Atomwaffen, Modernisierung, Bomber B-52, Ch-101, Rakete, Boeing, USA
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