12:32 11 Dezember 2017
SNA Radio
    Mehrfachraketenwerfer TOS-1A auf Army 2016

    Technischer Generationswechsel: Diese Waffen bekommt russische Armee bis 2025

    © Sputnik/ Sergej Pirogow
    Technik
    Zum Kurzlink
    0 1455

    Das staatliche Rüstungsprogramm der Russen geht in die nächste Runde – damit Russlands Streitkräfte ihre Aufgaben auch in Zukunft erfolgreich erfüllen können. Welche neuen Waffentypen die russische Armee bekommt, zeigt der Sender „RT“.

    17 Billionen Rubel – rund 243 Milliarden Euro – will die russische Führung innerhalb der kommenden sieben Jahre für neue Armeeausrüstung ausgeben. Für das russische Militär lautet die wichtigste Frage: Welche Truppengattung bekommt wieviel Geld aus dem Modernisierungstopf?

    Das russische Verteidigungsministerium hatte ursprünglich 30 Billionen Rubel, rund 430 Milliarden Euro, für die Modernisierung gefordert. Die Regierung kürzte die geplanten Ausgaben jedoch erst auf 22 Billionen Rubel (rund 315 Milliarden Euro) und dann auf 17 Billionen. Damit sollen 2,7 bis 2,8 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung für die Verteidigung ausgegeben werden – 2016 waren es 4,7 Prozent.

    Der russische Präsident Wladimir Putin wird noch in diesem Monat das staatliche Rüstungsprogramm für 2018 bis 2025 erlassen. Das entsprechende Dokument regelt, was genau mit dem Geld beschafft werden soll, das der russische Staat für die Modernisierung seiner Streitkräfte bereitstellt.

    Am meisten müsste eigentlich in die Landstreitkräfte und die Luftlandetruppen investiert werden, rät Konstantin Makijenko, Vize-Direktor des Zentrums für Strategie- und Technikanalyse. Der Konflikt in der Ostukraine, die angespannte Lage in Zentralasien und natürlich der Syrieneinsatz würden dies erfordern. Schließlich betrage der Anteil moderner Waffen bei der russischen Infanterie und den Fallschirmjägern gerademal 50 Prozent. Den geringsten Bedarf sieht der Experte bei der russischen Marine. Sie bekomme aus dem neuen Modernisierungsetat am wenigsten: Nur 15 Prozent – 2,6 Billionen Rubel, rund 37 Milliarden Euro.

    Soldaten bereiten den Raketenkomplex Iskander-M bei der Ausstellung Army 2017 vor
    © Sputnik/ Pawel Lisitsyn
    Soldaten bereiten den Raketenkomplex Iskander-M bei der Ausstellung Army 2017 vor

    Auch der Militärexperte Wassilij Kaschin von der Higher School of Economics sagt: Landstreitkräfte sollten bei der Modernisierung bevorzugt werden. Zu hoch seien die Risiken lokaler Konflikte, bei der heutigen Lage in der Welt. Indes „wurde Russlands Panzertechnik praktisch komplett noch zu Sowjetzeiten entwickelt, ausgehend von den Aufgaben und dem Bedarf der Sowjetarmee.“

    Dabei habe das bisherige Modernisierungsprogramm schon eine ganze Menge gebracht, stellt der Experte fest:

    „Die russischen Landstreitkräfte sind mit Iskander-Raketen ausgerüstet worden, auch mit neuen Drohnen, Kommunikations- und Führungssystemen.“

    Im neuen Rüstungsprogramm würden ab 2018 vorerst modernisierte Waffentypen beschafft: „Die Technik neuester Generation kommt erst in wenigen Jahren“, erklärt Kaschin. Die Serienreife müsse noch erreicht werden.

    Auf 70 Prozent will das russische Verteidigungsministerium den Anteil neuer Technik in der russischen Armee bringen – in 2016 waren die Streitkräfte schon zu rund 58 Prozent erneuert. Doch das ist noch nicht alles. Ein weiteres Ziel ist es, die russische Rüstungswirtschaft bis 2030 zur Hälfte auf zivile Produktion umzustellen.

    Am Beispiel der Luftfahrtindustrie heißt das: Neben einem Militärflugzeug soll dann eine Passagier- oder eine Cargo-Maschine die Werkhallen verlassen. Bis 2020 soll die zivile Produktion der russischen Rüstungsindustrie um das 1,3-Fache steigen. Dann stehen die Kapazitäten der Waffenschmieden beispielsweise auch für die Produktion der MS-21 bereit, des neuesten russischen Passagierjets. Weiter im Programm: Die Turboprop Il-114 – eine Regionalmaschine für bis zu 60 Passagiere –, der neue Frachter Il-112, und die altbekannten Baureihen Tu-214 und Tu-334. Insgesamt sollen in Russland bis 2025 dreieinhalb Mal mehr zivile Flugzeuge gebaut werden.

    Flugzeug des Typs Iljuschin Il-114
    © Sputnik/ Wladimir Astapkowitsch
    Flugzeug des Typs Iljuschin Il-114

    Aber zurück zur Modernisierung der Armee. Dafür gibt der russische Staat, wie schon gesagt, beträchtliche Summen aus. Dabei wird alte Technik nicht einfach im Verhältnis 1:1 durch neue ersetzt. Das ist schlicht unnötig, sind doch moderne Waffen- und Informationstechnologien um Längen effektiver als ihre Vorgänger aus dem vorigen Jahrhundert.

    Bei dem neuen Rüstungsprogramm, das Wladimir Putin in Kürze erlassen wird, stehen die russischen Raketentruppen jedenfalls weiterhin ganz oben auf der Prioritätenliste. Sie sind es schließlich, die das atomare Gleichgewicht halten und die Vereinigten Staaten so abschrecken sollen.

    Also werden die ballistischen Interkontinentalraketen R-36M Satana in den Jahren 2019-2020 ersetzt – durch die RS-38 Sarmat. Diese Interkontinentalrakete der 5. Generation ist mit einem Hyperschall-Sprengkopf bestückt.

    Raketenkomplex Topol-M
    © Sputnik/ Ramil Sitdikov
    Raketenkomplex Topol-M

    Außerdem soll das mobile Atomraketensystem Topol-M – noch in den Achtzigerjahren entwickelt – bis 2022 durch die RS-24 Jars komplett ersetzt werden. Das entsprechende Beschaffungsprogramm des russischen Verteidigungsministeriums läuft bereits seit 2011. Bis 2025 sollen Russlands Raketentruppen auch die bahngestützte Variante dieser Rakete bekommen.

    Auch die russischen Landstreitkräfte und Luftlandetruppen rechnen mit neuer Technik – aus Gründen, die die beiden Experten bereits genannt haben. Beschafft werden neue Schützenpanzer BMD-4 sowie BTR-MD. Und: Bis zu 100 Stück von weltweit einzigem Panzer der 3. Generation, dem T-14 Armata.

    T-14 Armata
    © Sputnik/ Iliya Pitaljow
    T-14 Armata

    Doch steht nicht allein Großgerät auf der Einkaufsliste des russischen Verteidigungsministeriums. Bis 2025 sollen alle russischen Infanteristen und Fallschirmjäger mit der neuesten Kampfmontur Ratnik ausgerüstet werden. Dadurch steigt der Grad von Vernetzung, Interoperabilität und Mobilität der russischen Landtruppen.

    Die russische Marine rechnet indes mit der Indienststellung zweier neuer Landungsschiffe der Priboj-Klasse. Außerdem im Modernisierungsprogramm: Ein Dutzend Korvetten, Fregatten, Mehrzweckschiffe und natürlich U-Boote, einschließlich der atomgetriebenen.

    In den vier vergangenen Jahren haben russische Werften fünf U-Boote auf Kiel gelegt, die atomar bewaffnet werden können. Offenkundig ist ein Teil der geplanten Ausgaben für die Fertigstellung dieser Schiffe vorgesehen – was Russlands strategische Streitkräfte weiter stärken wird.

    Die konventionelle Schlagkraft der russische Marine soll indes durch die Beschaffung der Marschflugkörper Kalibr und der Seezielraketen Zirkon erhöht werden. Der Küstenschutz wird durch die mobilen Lenkwaffensysteme Bal und Bastion verstärkt.

    Die modernste Truppengattung der russischen Streitkräfte wird wohl die Flugabwehr: Sie erhält die Systeme Panzyr und Tor sowie die gutbekannten S-400 und S-500.

    MiG-35 bei Luftfahrtmesse MAKS 2015
    © Sputnik/ Maksim Blinow
    MiG-35 bei Luftfahrtmesse MAKS 2015

    Zu guter Letzt: Die russische Luftwaffe. Ihre Modernisierungspläne sind hinlänglich bekannt. Bis 2025 sollen weitere Mehrzweckjäger Su-35, modernisierte MiG-29 und Jagdbomber Su-34 beschafft werden. Neu im Programm ist der neue Mehrzweckjäger MiG-35 und den Stealth-Jäger Su-57 (PAK-FA). Von dem strategischen Bomber Tu-160 sollen in den kommenden sieben Jahren weitere 50 Stück in Dienst gestellt werden. Und natürlich Frachtmaschinen, Kampf- und Transporthubschrauber sowie unzählige Drohnen, auch für den Kampfeinsatz.

    Zum Thema:

    Russische Armee testet modernste Panzerhaubitzen „Koalizija-SV“
    Russische Armee ist zweitstärkste der Welt – Russland unzufrieden mit Ranking
    Russische Armee von Import im IT-Bereich völlig unabhängig
    „Taifune“ bald im Dienst der russischen Armee: Brandneuer Panzerwagen gefilmt – VIDEO
    Tags:
    Modernisierung, Militärtechnik, Panzer T-14 Armata, Rakete RS-20W (SS-18 Satana), Il-114, Tu-214, MiG-35, Iskander-M, BMD-4M, Topol-M, Verteidigungsministerium Russlands, Wladimir Putin, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren