03:45 21 September 2017
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    Drohne des Typs Ptschela aus dem System Stroj-P

    Einst Parität mit dem Westen, nun Aufholjagd: Drohnen für russisches Militär

    © Sputnik/ Witalij Beloussow
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    Nach dem Zerfall der Sowjetunion erlitt der Drohnen-Bau in Russland herbe Rückschläge – doch nun verbessert sich die Situation allmählich. Über die getroffenen Maßnahmen berichtet der russische Branchenexperte Denis Fedutinow.

    In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt der Experte, die Sowjetunion habe einst deutliche Fortschritte in Sachen Drohnen erzielt. Damals habe von einer Parität mit dem Westen in diesem Bereich die Rede sein können: „In den 1990er Jahren wurden die Drohnen aber von der Prioritätenliste der russischen Militärs gestrichen – infolgedessen wurden die Arbeiten eingestellt und es kam allmählich zu einem Rückstand gegenüber einigen Ländern.“

    „Gegen Mitte der 2000er Jahre standen nur noch alte unbemannte Luftfahrzeuge wie Strisch und Rejs den russischen Streitkräften zur Verfügung. Sie waren in den 1970er Jahren vom Konstruktionsbüro Tupolew entwickelt worden“, so Fedutinow. Zu erwähnen sei auch das aus den 1980er Jahren stammende System Stroj-P mit ferngesteuerten Drohnen des Typs Ptschela – seine Entwickler seien das Forschungsinstitut Kulon und das Konstruktionsbüro Jakowlew gewesen.

    Während des Kaukasus-Krieges im August 2008 seien die Probleme auf diesem Gebiet anschaulich zum Vorschein gekommen: „Damals versuchten die russischen Militärs mehrmals, die in Dienst stehenden Drohnen einzusetzen, doch deren Effizienz erwies sich als ziemlich gering.“

    Jener bewaffnete Konflikt sei ein Wendepunkt gewesen. Es sei offensichtlich geworden, dass dringende Maßnahmen getroffen werden müssten, um die Situation mit Drohnen zu verbessern. Man habe beschlossen, sowohl neue Drohnen zu entwickeln als auch manche Systeme im Ausland zu kaufen, hieß es.

    Beim israelischen Hersteller IAI seien Drohnen des Typs Bird Eye 400 und Searcher Mk II gekauft worden. Später seien solche Systeme auch in Russland zusammengeschraubt worden – mit den Codenamen Sastawa und Forpost, erläutert Fedutinow.

    „Parallel begann das russische Verteidigungsministerium mit dem Ankauf von Systemen aus einheimischer Produktion, die auf der Basis von Vergleichstests ausgewählt wurden. Dazu zählten insbesondere Orlan-10 des in St. Petersburg ansässigen Herstellers STC, Eleron-3SW des Kasaner Herstellers Enics sowie Drohnen der Granat-Familie des Unternehmens Izhmash – Unmanned Systems.“

    Das Verteidigungsministerium finanziere auch weitere Entwicklungsarbeiten. Das Konstruktionsbüro Lutch des Konzerns Vega arbeite an einer taktischen Drohne. Das Petersburger Unternehmen Kronstadt und das in Kasan ansässige Simonow-Konstruktionsbüro seien dabei, Drohnen für lange Flüge in mittleren Höhen zu entwickeln. Der Flugzeugbauer Suchoi bastle an einer schweren Aufklärungs- und Gefechtsdrohne, hieß es weiter.

    Das Interesse der russischen Militärs an unbemannten Luftfahrzeugen sei nicht mehr theoretisch, sondern praktisch: „Dank der getroffenen Maßnahmen nimmt Russlands Rückstand auf die weltweiten Spitzenreiter in Sachen Drohnen zumindest nicht mehr zu. Positive Erwartungen hängen auch mit den aktuellen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für künftige unbemannte Systeme zusammen.“

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    Tags:
    Entwicklung, Drohne, Forpost, Sastawa (Drohnen), Orlan-10, Verteidigungsministerium Russlands, Israel, Sowjetunion, Russland