03:42 21 November 2017
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    Künstliche Intelligenz im Visier russischer Forscher: „Neue, gemischte Welt“

    © Sputnik/ Walerij Melnikow
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    Russische Wissenschaftler sehen eine Ära denk- und entscheidungsfähiger Maschinen näher rücken – und arbeiten selbst an künstlicher Intelligenz. Auch nach Ansicht von Präsident Wladimir Putin ist dieser Forschungsbereich kaum zu überschätzen.

    Olga Uskowa, Präsidentin des russischen Software-Unternehmens Cognitive Technologies, schreibt in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“, die Bevölkerung der Industrie- und Schwellenländer habe sich an ein bestimmtes Komfortniveau gewöhnt, das eine partielle oder vollständige Automatisierung voraussetze. Der Verbraucher wolle aber mehr:

    „Um eine weitere Automatisierung zu erreichen, sollen die Softwares über den Rahmen determinierter Aufgaben hinausgehen, d.h. richtige Entscheidungen selbst treffen.“

    Ein Beispiel für eine solche Aufgabe sei etwa die Personenbeförderung mit Hürden unterwegs. Eine erfolgreiche Lösung sei nur möglich, wenn sich eine riesige Datenmenge anhäufe:

    „Mittlerweile werden genug Daten weltweit gespeichert, um einem Programm ein Lernen und eine Mneme zu ermöglichen, aber auch, was am wichtigsten ist, eine Entscheidungsfähigkeit.“

    An Stelle der IT-Branche tritt nun die sogenannte Robotics Technology laut Uskowa allmählich in den Vordergrund: „Die Unersetzlichkeit von Robotern in Bereichen wie Medizin, Raumfahrt, Sicherheit, Minenentschärfung, Kinder- und Alterspflege wurde seit einem Jahrzehnt offensichtlich.“

    Es sei sehr wichtig, den Zeitpunkt der Herausbildung einer künftigen Gesellschaft nicht zu verpassen, die in einer „neuen, gemischten Welt“ mit denkfähigen Maschinen leben werde. Es sei unbedingt nötig, einen ethischen und moralischen Kodex für diese Welt zu formulieren: „Wenn wir das nicht jetzt tun, besteht ja die Gefahr, dass die Roboter-Technologien dies für uns tun werden.“

    Witali Dunin-Barkowski, Experte des auf IT- und EDV-Probleme spezialisierten Forschungsinstituts für Systemstudien der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte der Onlinezeitung vz.ru: „Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz wird mit dem Start des ersten Satelliten und dem ersten bemannten Raumflug vergleichbar sein.“

    „Derzeit weiß niemand, wann die Welt dies erreichen könnte. Vielleicht verfügt jemand schon über künstliche Intelligenz, versteckt sie aber. Vielleicht kommt sie erst in 100 Jahren zustande, vielleicht aber auch morgen“, so der Forscher.

    In Russland werde seit Juni 2017 am Projekt iPavlov gearbeitet, um eine neuromorphe künstliche Intelligenz zustande zu bringen: „Formell zielt das Projekt darauf ab, die Möglichkeiten von Computersystemen bei der Kommunikation mit dem Menschen in einer natürlichen Sprache zu erhöhen. Dieses Ergebnis ist garantiert – doch es gibt Gründe zu vermuten, dass im Laufe der Arbeit ein System entstehen wird, das den hohen Standards der menschlichen Intelligenz entsprechen und diese womöglich übertreffen könnte. Es ist nicht auszuschließen, dass Russland als erstes Land dies erreichen wird.“

    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte kürzlich gesagt, künstliche Intelligenz bedeute „kolossale Möglichkeiten“. Russland müsse auf diesem Gebiet arbeiten, um nicht „am Ende der Warteschlange“ zu landen.  

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    Tags:
    künstliche Intelligenz, Entwicklung, Roboter, IT, Russland
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