20:28 19 Oktober 2017
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    Der ferngesteuerte Roboter mit der Bezeichnung „Fjodor“

    Humanoider Roboter bekommt Platz im neuen russischen Raumschiff

    © Sputnik/ Alexander Owtscharow
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    Ein anthropomorpher Roboter soll einem Zeitungsbericht zufolge mit dem neuen russischen Raumschiff Federazija ins All fliegen und im Laufe eines Testprogramms Funktionen des Piloten simulieren. Dem Entwickler schweben schon künftige Missionen auf anderen Planeten vor.

    Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Dienstag berichtet, hat das russische Zentrale Forschungsinstitut für Maschinenbau das Programm des geplanten Experiments besiegelt: Der ferngesteuerte Roboter mit der Bezeichnung „Fjodor“ soll in seiner Raumfahrt-Version zum Einsatz kommen. Entwickelt wurde er vom russischen Fonds für perspektivische Forschung im Auftrag des Katastrophenschutz-Ministeriums. Der zuständige Projektleiter des Fonds, Sergej Churs, sagte dem Blatt:

    „Bei der Entwicklung von ‚Fjodor‘ ließen wir uns von der Notwendigkeit leiten, Menschen bei Einsätzen im Weltraum, in der Meerestiefe und bei weiteren lebens- und gesundheitsgefährlichen Verhältnissen durch ferngesteuerte und autonome anthropomorphe Roboter zu ersetzen.“ 

    Das Experiment soll im Jahr 2021 stattfinden – im Laufe eines unbemannten Testflugs des neuen russischen Raumschiffs Federazija. Dieses soll von einer jetzt in Entwicklung befindlichen Sojus-5-Trägerrakete ins All gebracht werden.

    Während des eintägigen autonomen Flugs sind drei 30- bis 45-minütige Sequenzen geplant, bei denen der Roboter ferngesteuert werden soll. Ein  Operator trägt dabei voraussichtlich einen speziellen Anzug, um die Arm- und Kopfbewegungen des Roboters zu steuern. Dieser soll am Pult des Raumschiffs sitzen, ohne es allerdings real zu lenken. Durch die Kameras in den „Augen“ soll die Lage an Bord direkt beobachtet werden.

    Außerhalb der ferngesteuerten Einsätze soll der Roboter autonom einige einprogrammierte Aktivitäten betreiben. Beim Aufstieg ins All soll er außerdem mit Hilfe von Sensoren einen neuen Kosmonauten-Sessel testen, der die Beschleunigungsbelastungen dämpft.

    Für alle Fälle hat „Fjodor“, so der Bericht weiter, einen eingebauten Standby-Block, der ihn abschalten soll, falls etwas mit seinen Aktivitäten schiefgeht oder eine Notsituation an Bord entsteht.

    Laut Churs wären humanoide Roboter bei künftigen Weltraummissionen nützlich: „Innerhalb des Raumschiffs sind die Aktivitäten von Kosmonauten zwar vorerst selbstsuffizient, ein Außenbordeinsatz hängt aber mit wesentlichen Risiken zusammen, aber auch mit physikalischen und physiologischen Begrenzungen, die ein anthropomorpher Roboter leicht überwindet. Wenn er hochautonom agiert, wobei eine kopierende Steuerung vorgesehen ist, wären technisch komplizierte und langwierige Außenbordeinsätze ohne erhöhtes Risiko für die Kosmonauten möglich.“

    „Als  nächstes Ziel könnten Aktivitäten auf der Oberfläche eines Planeten betrachtet werden, wo die Menschen Helfer brauchen werden, um mit ihnen bei Bedarf in einer Gruppe zu arbeiten. Manche Aufgaben ließen sich auch autonom lösen – unter Beobachtung durch Menschen oder mit einem späteren Bericht über die erfüllte Mission“, so Churs.

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    Tags:
    Weltraum, Raumschiff, Roboter Fjodor, Raumfahrtschiff "Federazija", Katastrophenschutzministerium Russlands, Russland
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