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    Interkontinentalrakete des Typs Jars

    Langstreckenraketen: Russlands Optionen „zum Hineinwachsen“

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    Russische bodengestützte Interkontinentalraketen werden aktiv verschiedenen Testprogrammen unterzogen – alleine im September gab es drei solche Starts. Unter anderem hängt dies mit aktuellen Entwicklungsprojekten zusammen, erläutert der TV-Sender Swesda.

    Eine Rakete des Typs Jars wurde am 12. September vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plessezk aus abgefeuert. Zum Einsatz kam dabei eine stationäre Startvorrichtung. Die Rakete flog über ganz Russland und traf ein Übungsziel auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten.

    Nach Angaben des Verteidigungsministeriums diente der Test vor allem dazu, die Funktionsfähigkeit solcher Raketen zu bestätigen. Erwähnt wurden aber auch „experimentelle“ Gefechtsköpfe, die planmäßig ins Ziel gebracht wurden.

    In diesem Zusammenhang kommentiert der Sender auf seiner Webseite: „Derzeit gibt es zwei Hauptaufgaben, an denen russische Militärs und Konstrukteure arbeiten. Erstens geht es um die Möglichkeit, hochpräzise konventionelle Gefechtsköpfe für ballistische Interkontinentalraketen zu entwickeln und künftig auch zu installieren (falls dies beschlossen wird). Zweitens wird an der Fähigkeit unserer nuklearen Gefechtsköpfe weitergearbeitet, selbst künftige Raketenabwehrsysteme sicher zu überwinden.“

    „Bei den Arbeiten in jedem dieser Bereiche ist es unabdingbar, den Flug von Gefechtsköpfen bei interkontinentalen Distanzen zu überprüfen. Zwar stellt die US-Raketenabwehr derzeit keine ernsthafte Gefahr für unsere ballistischen Interkontinentalraketen dar, doch es ist nötig, alle Möglichkeiten vorherzusehen und Optionen ‚zum Hineinwachsen‘ vorzubereiten“, so der Kommentar.

    Am 20. September wurde die mobile Version der Jars-Rakete getestet. Sie hob ebenfalls vom Startgelände Plessezk ab und traf ihre Ziele auf Kamtschatka, so das Verteidigungsministerium in Moskau.

    Wie der Sender vermutet, ging es dabei hauptsächlich darum, die Fertigkeiten der Bedienungsmannschaft zu überprüfen: Diese musste ja zunächst mit einer mobilen Startvorrichtung zum vorgegebenen Startort fahren und erst dann die Rakete abfeuern. Dabei war von keinen experimentellen Gefechtsköpfen die Rede.

     

    Am 26. September hob schließlich eine Rakete des Typs Topol ab – diesmal vom Versuchsgelände Kapustin Jar im südrussischen Gebiet Astrachan. Sie schlug planmäßig auf dem Truppenübungsplatz Sary-Schagan in Kasachstan ein.

    Die dabei gesammelten Daten sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums „im Interesse der Entwicklung effizienter Mittel zur Raketenabwehr-Überwindung“ verwendet werden, um künftige russische Raketen mit diesen Mitteln auszustatten. Der Sender weist darauf hin, dass die Topol-Raketen noch aus der Sowjetzeit stammen:

    „Da ihre Betriebsdauer bald abläuft, ist es günstig, sie durch Teststarts zu entsorgen und dabei als Trägersysteme für experimentelle Nutzlasten einzusetzen. (…) Einsätze für Experimente verstoßen gegen keine Verträge. Eine neue Nutzlast wird ja nicht für Topol selbst getestet.“

    Wie der Sender weiter betont, war die dritte Flugstrecke im September deutlich kürzer als die ersten beiden und damit für Experimente besser geeignet– insbesondere mit Blick auf verschiedene Aspekte der Raketenschirm-Überwindung. Solche Experimente, so der Kommentar weiter, wären für die Entwicklungsarbeiten im Sinne der russischen Projekte Sarmat und Bargusin wichtig.

    Sarmat ist eine geplante stationäre Flüssigstoff-Interkontinentalrakete. Bargusin ist ein in Entwicklung befindliches Waffensystem, bei dem es sich um Startvorrichtungen auf Eisenbahnwagen handelt.

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    Tags:
    Interkontinentalrakete, Modernisierung, Jars, Topol-M, TV-Sender Swesda, Russland