01:12 21 November 2018
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    US-Militärs in Afghanistan

    „Transformer“ für Elitetruppen – darum scheiterte das Militärprojekt der US-Generäle

    © Foto : Staff Sgt. Aaron Allmon, U.S. Air Force
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    Militärs rund um die Welt haben stets nach einem Transportmittel gesucht, das die Fähigkeiten verschiedener Waffengattungen in sich vereinen würde. Zuletzt erlebte die Idee eines fliegenden Militärautos in den USA eine Renaissance. Warum die Vision größtenteils scheiterte, berichtet die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“.

    Die Idee eines hybriden Fahrzeuges, das im Grenzbereich zwischen Erde, Luft und Wasser einsetzbar wäre, wurde immer wieder von verschiedenen Ingenieurschulen führender Armeen der Welt aufgegriffen.

    Teilweise fanden diese Visionen ihre Verwirklichung bei der Luftwaffe und der Marine in solchen hybriden Transportmitteln wie dem sogenannten Wandelflugzeug – einer Art Hybrid zwischen Flugzeug und Helikopter – oder das Luftkissenfahrzeug, das zwar ein Wassergefährt ist, sich aber schwebend über die Erdoberfläche bewegen kann.

    Eigene „Fantasien“ hatten auch die Bodentruppen – ein militärisches Landfahrzeug, das eigenständig in die Luft abheben kann, war seit Jahrzenten der Wunsch der Landstreitkräfte verschiedener Länder.

    • Luftkissenfahrzeug vom Typ „Subr“
      Luftkissenfahrzeug vom Typ „Subr“
      © Sputnik / Igor Tschuprin
    • Ein Wandelflugzeug MV-22 Osprey
      Ein Wandelflugzeug MV-22 Osprey
      © AP Photo / Bernat Amangue
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    © Sputnik / Igor Tschuprin
    Luftkissenfahrzeug vom Typ „Subr“

    So hatte bereits in den 1950-er Jahren das Unternehmen Ford darauf hingewiesen, dass die Idee eines fliegenden Autos für Armee wie Privatpersonen sowohl technisch als auch wirtschaftlich absolut realisierbar sei.

    Dennoch blieb es damals nur bei einem Gedankenkonstrukt.

    Renaissance der Vision vom hybriden Fahrzeug

    Vor einigen Jahren erlebte diese Idee nun ihre Renaissance – und zwar rund um die Welt. Im Jahr 2012 wurde gar die „Internationale Assoziation der fliegenden Autos“ ins Leben gerufen, die allerdings momentan öffentlich nicht allzu präsent ist.

    Das neue Interesse am fliegenden Gefährt erfasste auch das Pentagon. Seit 2010 forschten die Spezialisten der sogenannten Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) an einem „Transformer“ (oder TX) – also einem Transportmittel, das sowohl fahren als auch fliegen könnte.

    Der erste Entwurf eines Transformers beschrieb ein fliegendes Militärauto mit Platz für vier Besatzungsmitglieder, das in der Lage sein sollte, senkrecht abzuheben, kilometerhoch zu fliegen und bei maximaler Nutzlast von 450 Kilogramm mit einer Treibstoffladung etwa 450 Kilometer zurückzulegen.

    Der TX sollte die Mobilität verschiedener Einheiten signifikant erhöhen – insbesondere von Elite- und Spezialtruppen.

    „Heute wird die Truppenmobilität auf dem Schlachtfeld durch extrem geländegängige Fahrzeuge (auch High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle oder kurz: HMMWV / Humvee genannt – Anm. d. Red.) oder durch Helikopter gewährleistet“, heißt es in einer Stellungnahme der DARPA hierzu.

    Gerade die Letzteren seien aber nicht immer verfügbar und würden Beschränkungen in ihren Einsätzen haben.

    „Das von der DARPA aufgelegte Programm hat das Ziel, die Vorteile von Autos und Helikoptern in einer einzigen Technikeinheit zu kombinieren. Das Konzept des TX wird den Truppen zusätzliche Möglichkeiten zur Bekämpfung traditioneller und asymmetrischer Bedrohung gewähren“, so die DARPA weiter.

    Laut US-amerikanischen Spezialisten hätte solch eine kombinierte Technikeinheit eine Vielzahl an Vorteilen.

    Es könnte die Mobilität der Kampfeinheiten sowie deren Verdecktheit erheblich erhöhen – schließlich könnten die Soldaten auf den fliegenden Transportern sich ohne Rücksicht auf das Straßennetz oder das natürliche Terrain bewegen.

    Außerdem könnte so die Sicherheit der Spezialeinheiten vor Hinterhalten und Sprengfallen erhöht werden.

    So sollte der Transformer durch seine Flugfähigkeit den Soldaten „die Möglichkeit geben, Wasser, schwieriges Gelände oder Hindernisse auf der Straße (zu überwinden) und Sprengsätzen oder Hinterhalten zu entgehen“.

    Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sollte der TX mehrere Rotorblätter besitzen, die in manchen Varianten von einem Gehäuse umschlossen sind, die ihn zu einem Senkrechtstarter machen würden.

    Die Panzerung sollte jeglichen Arten von Schusswaffen standhalten können.

    Insgesamt wurden die Kosten für einen solchen Transformer auf etwa eine Million Dollar geschätzt.

    Entwicklung in drei Etappen

    Die Entwicklung des TX war in drei Etappen geplant.

    In der ersten Etappe sollten zunächst das Konzept und ein Modell der ersten Prototypen vorgestellt werden. Hierbei setzten sich die Rüstungsunternehmen AAI Corporation, Lockheed Martin und Pratt & Whitney Rocketdyne durch, die anschließend Entwicklungsverträge für das Projekt erhielten.

    In der zweiten Etappe sollten die ersten beiden Firmen ein vollständiges Projekt des fliegenden Autos ausarbeiten, während Pratt & Whitney Rocketdyne für die Entwicklung des Dieselmotors zuständig war.

    Beide Unternehmen präsentierten Prototypen, die bei etwa 3200 Kilogramm Eigenmasse drei Kilometer hoch fliegen sollten. Die Geschwindigkeit des Gefährts an Land würde etwa 120 Kilometer pro Stunde und in der Luft 280 Kilometer pro Stunde betragen.

    In der dritten Etappe schließlich sollte der Gewinner-Prototyp des Transformers zum Bau freigegeben werden. Nach der Planung sollten die ersten TX damit bereits zum Jahresende 2015 in die Luft abheben.

    Das Ende der „Transformers“

    Doch im Jahr 2013 führten die Experten der DARPA erneut eine Untersuchung durch und kamen zu dem Ergebnis, dass solch ein Gefährt von keiner der vielen US-Truppengattungen überhaupt gebraucht wird.

    Dutzende Millionen Dollar Entwicklungsgeld und Jahre an Forschungen für den Transformer wurden damit praktisch sinnlos in den Sand gesetzt.

    Am Ende konnte das Entwicklungsprogramm umstrukturiert und neu orientiert werden – auch um sich vor einer Komplettblamage zu bewahren. Es hieß nun Aerial Reconfigurable Embedded System – kurz ARES, benannt nach dem antiken griechischen Gott des Krieges.

    Von einem „richtigen“ fliegenden Auto ist dieses Transportmittel allerdings weit entfernt. Es ist eher ein fliegendes unbemanntes Senkrechtstarter-Modul – eine Art Transportdrohne, die in der Lage wäre, bestimmte Lasten effektiv über Luft zu transportieren, wie etwa Transportcontainer, medizinische Kapseln, leichte Autos oder Boote.

    Bis Ende 2017 soll die ARES die ersten Flugtests absolvieren.

    Das Programm hat durchaus die Chance, erfolgreich abgeschlossen zu werden – auf ihre „richtigen“ Transformer werden die Eliteeinheiten der US-Truppen aber doch weiter verzichten müssen.

    Die Vision eines fliegenden Militärautos bleibt somit weiterhin nur Vision.

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    Tags:
    Spezialeinheiten, Entwicklung, Transformer (TX), Verwaltung für perspektivreiche Forschungsprojekte des US-Verteidigungsministeriums DARPA, Lockheed Martin Corporation, USA