07:28 21 November 2017
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    Fachmann der US-Armee prüft Serveranlage (Archivbild)

    „Wenn morgen der Cyber-Krieg beginnt“: Hacker modernisieren ihre Waffen

    © Foto: U.S. Air Force/ Val Gempis
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    Hacker testen Instrumente, um finanzielle Institutionen und ganze Wirtschaften bei Bedarf destabilisieren zu können. Auch Sabotage im Energiesektor ist nichts Unvorstellbares mehr. Über die Befürchtungen von Branchenexperten berichtet die russische Zeitschrift „Profil“.

    Die Zeitschrift titelt: „Wenn morgen der Cyber-Krieg beginnt.“ Bei der jüngsten internationalen Konferenz CyberCrimeCon 2017 in Moskau zeigten sich Experten dem Bericht zufolge besorgt über die zunehmende Effizienz krimineller Aktivitäten im Cyberraum – ein Beispiel dafür war etwa eine Hacker-Attacke auf die örtliche Eisenbahn in San Francisco im vergangenen Jahr gewesen. Damals wurden Fahrplan- und Zahlungssysteme mit Hilfe einer Verschlüsselungssoftware infiziert.

    „Der am meisten beunruhigende Trend ist aber das Aufkommen prostaatlicher und regierungstreuer Gruppen, Cyber-Armeen. Dazu hat die zunehmende aggressive Rhetorik zwischen verschiedenen Staaten geführt, wie Experten mit Bedauern feststellen (…) Allerdings liegen die gegenseitigen Cyberattacken-Vorwürfe der Länder (vor allem Russlands, Chinas, der USA) vorerst hauptsächlich im Bereich politischer Erklärungen – technische Nachweise gibt es keine, während jede Analyse viel Zeit erfordert. Mehr oder weniger glaubwürdige Angaben gibt es nur über die Gruppe Lazarus, die von Experten mit der nordkoreanischen Regierung in Zusammenhang gebracht wird. Bemerkenswert: Lazarus-Mitglieder versuchten, sich als ‚russische Hacker‘ zu tarnen, indem russische Wörter in Programmcodes benutzt wurden“, so der Bericht.    

    Dmitri Wolkow von Threat Intelligence GIB sagte, prostaatliche Gruppen nähmen meistens finanzielle Institutionen ins Visier, wobei der Zugang zu SWIFT-Systemen verschafft werde. Im laufenden Jahr hätten Banken in Polen, Lateinamerika und Südostasien solche Attacken erlebt: „Die von den Tätern benutzten Instrumente ermöglichen, die Transaktionen zu verfolgen und aufzuzeichnen. Es gab jedoch keine Gelddiebstahl-Versuche – dies zeugt davon, dass man eben der Spionage den Vorrang gibt.“

    Ein weiteres Ziel solcher Gruppen besteht laut Wolkow darin, die finanzielle Stabilität zu untergraben. Der Experte sagte, im Februar des laufenden Jahres habe die Gruppe Cobalt sich den Zugang zu einer kleinen russischen Bank illegal verschafft und eine Version des Kryptotrojaners Petya eingeschleust. Die Mitarbeiter der Bank hätten den Zugriff auf ihre Server verloren, die Bank habe ihre Tätigkeit vorübergehend einstellen müssen, um dringende Gegenmaßnahmen zu treffen. 

    Wolkow befürchtet auch Angriffe auf automatische Handelssysteme von Banken – dadurch könnten nach Ansicht des Experten nicht nur Währungskurse beeinträchtigt werden, sondern auch die Wirtschaft im Allgemeinen.

    Ins Visier von Hackern rückt aber nicht nur der Finanz-, sondern auch der Energiesektor: Im Jahr 2014 konnte der Trojaner Havex, wie Wolkow erläuterte, zahlreiche Energienetze infizieren – er war zwar nicht in der Lage, Strom abzuschalten, sammelte aber Daten über die Ausrüstungen von Energiefirmen.

    „Das war eine Aufklärungsphase. Die Täter wollten die Spezifik verschiedener Länder, Regionen, Unternehmen verstehen“, so Wolkow.

    Mittlerweile schafften es prostaatliche Hacker-Gruppen laut Wolkow, ihre Malwares dermaßen zu modernisieren, dass nun auch physikalische Vorgänge beeinfluss werden könnten: „Die Testphase im Energiesektor ist vorbei. Wir erwarten, dass das Wasserversorgungs- und das Verkehrssystem sowie gefährliche Produktionen als Nächstes ins Visier rücken werden.“

    Noboru Nakatani, Leiters eines zuständigen Interpol-Ressorts, sagte auf der Konferenz nach Angaben der Zeitschrift, die technologische Aufholjagd auf die Kriminalität gestalte sich schwierig. Diese werde bald möglicherweise Dinge ins Visier nehmen, die derzeit noch unvorstellbar seien. Vor diesem Hintergrund müssten auch die Sicherheitsbehörden „das Unvorhersagbare vorhersagen“. „Zum Jahr 2023 will man in Europa auf ‚smarte Züge‘ umsteigen – das ist keine Science Fiction mehr, sondern Realität. Künstliche Intelligenz und Robotik erleben eine rasante Entwicklung. Roboter-Bienen, Cyber-Mörder aus der britischen Fernsehserie ‚Black Mirror‘ sind inzwischen ebenfalls durchaus real. Die Science Fiction wird zu wissenschaftlichen Fakten“, so Nakatani.

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    Tags:
    Finanzsystem, Energiebereich, Cybertruppen, Experten, Cyberkriminalität, Interpol, China, Russland, USA
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